Hagener Seniorin Opfer brütender Mauersegler

Hagener Seniorin Opfer brütender Mauersegler
Hoch oben über dem Garten der Seniorin nisten im Sommer Mauersegler. Sie lassen so viel Kot fallen, dass die Terrasse nicht zu nutzen ist. (Foto: Claudia Eckhoff)

Hagen. Diese Vögel unter dem First machen sie fix und fertig. Es ist ein wahrer Alptraum. Das Gefühl, eine Gefangene in der eigenen Wohnung zu sein und sich nicht helfen zu können gegen die hoch über ihr nistenden Mauersegler, setzt Ursula Gansäuer heftig zu. Sie kann nachts kaum mehr schlafen, sagt sie.

Während andere Mieter des Hauses Siemensstraße 7 in Wehringhausen im Sommer auf ihren Balkonen sitzen, kann die 83-Jährige keinen Schritt nach draußen in ihren Gartenanteil wagen. „Dabei bin ich doch ganz verliebt in meine Kübelpflanzen und mein kleines Gartenreich“, sagt die Seniorin mit ausgeprägtem „grünen Daumen“. Sie hegt und pflegt mit Hingabe, was sie rund um ihren gepflasterten Sitzplatz angepflanzt hat.

Große „Schweinerei“

„Schauen Sie sich diese Schweinerei an“, schimpft sie. „Alles ist voller Vogeldreck. Ich muss sogar einen Sonnenschirm aufspannen, um meine Pflanzen vor dem Kot zu schützen und um einfach nur unbeschadet gießen zu können.“ Seit vier Jahren fliegen im Juni die Mauersegler ein, um unter dem First des Mehrfamilienhauses an der Siemensstraße genau über Ursula Ganzäuers Terrasse zu nisten und ihre Jungen groß zu ziehen. Die Hagerenin verbraucht bis zum Abziehen der Vögel im August stets mindestens einen Vogelkot-Schutz-Sonnenschirm. „Frau Gansäuer kann einem wirklich leidtun“, ruft eine Nachbarin von ihrem Balkon herunter. „Seit sie letztes Jahr einen Vogelschiss sogar im Kaffeebecher hatte, sitzt sie ja gar nicht mehr draußen“.

Die ehemalige Hauswirtschaftsmeisterin huscht nur noch schnell zum Gießen vor die Tür. Die restliche Zeit schaut sie sich den Sommergarten hinter der geschlossen Glastür ihres Wohnzimmers an. „Rausgehen kann ich sowieso nur mit Wechselschuhen, sonst trage ich mir den Dreck ins Haus.“

Was kann man tun?

Die Mauersegler stehen unter Naturschutz. Ihr Nistplatz befindet sich kaum erreichbar in großer Höhe entlang der Regenrinne. Weder der Schädlingsbekämpfer noch der Schornsteinfeger wissen Rat. „Ich habe mich auch einen Naturschützer und Vogelexperten gewandt“, erzählt Ursula Ganzäuer. „Der wollte sich schlau machen und sich wieder melden. Ich warte und warte.“

Und was sagt der Vermieter? „Das Haus gehört einer Genosssenschaft, Seit vierzig Jahren bin ich ihre Mieterin und war immer zufrieden. Aber jetzt fühle ich mich allein gelassen. Seit vier Jahren schon sucht die Genossenschaft nach einer Lösung, die technisch machbar und auch noch wirtschaftlich vertretbar ist. Bisher hat sie offenbar noch keine gefunden.“

Bloß nicht aufgeben

Die Sache ist verzwickt. Mit einer fünfprozentigen Mietminderung auf Grund des massiven Vogelschmutzes sei der Wohnungsverein deshalb einverstanden, heißt es in einem Brief. „Aber was habe ich denn davon?“, fragt sich die streitbare 83-Jährige. „In der Sonne sitzen kann ich nur auf dem Friedhof oder wenn ich mit dem Bus zum Harkort- oder Hengsteysee fahre. Das kann doch nicht die Lösung sein.“

So oder so: Sie will ihren Garten auf keinen Fall den Mauer­seglern überlassen und auch bei der Vermieterin weiterhin am Ball bleiben.