Hagener „Wutbürger“ fordern: Schafft den Schnee ab!

Hagen. (ric) Alle Jahre wieder wird es – ganz plötzlich und überraschend – Winter. Und mit dem Winter kommt meist auch Schnee, mit dem Schnee kommen die verschiedensten Probleme, mit den Problemen kommt die Wut der Bürger. Aber: Wie soll man der weißen Pracht, die doch scheinbar nur Ärger macht, Herr werden? Vor allem, wenn es solche gigantischen Berge sind wie diesmal?

Volkssport Schneeschippen

Anwohner in der Schulstraße warnen Passanten mit diesem Schild vor den Gefahren einer Dachlawine. Die Stadt Hagen weist aber darauf hin, dass Hauseigentümer für die sofortige Beseitigung von Schnee und Eis auf dem Dach verantwortlich sind. (Foto: Ricarda Becker)

Die halbe Stadt war in den letzten Wochen mehrmals täglich damit beschäftigt, Bürgersteige zu räumen. Spätestens seit Tief  Petra“ und dem Gestöber in der Nacht auf Heiligabend schippten viele, viele Menschen den Schnee auf die Straßen. So konnten wenigstens etliche Fußwege benutzt werden (leider nicht alle, denn es gab immer noch zahlreiche Anwohner, die offenbar noch nie etwas von der Räumpflicht gehört haben).

Der Schnee am Straßenrand ärgerte jedoch die Autofahrer: Wie soll man da noch anständig parken? Manch einer hat sich in den vergangenen Tagen unweigerlich und hoffnungslos festgefahren. Wer Glück hatte, dem standen Passanten hilfreich hinter dem Heck des Autos, schoben fleißig und halfen dem Fahrer so aus der Not. Dennoch: Auf vielen Straßen türmten sich die Schneeberge am Rand und schafften so vor allem Parkplatzmangel.

Der wochenkurier erfuhr, dass ein ambulanter Pflegedienst sich sogar vor der halben Nachbarschaft rechtfertigen musste, parkten doch drei der insgesamt acht firmeneigenen Autos in der Straße, in der die Büroräume des Pflegedienstes beheimatet sind. Eigentlich sei die Parkplatzsituation und auch das Verhältnis zu den Anwohnern gut, so der Pflegedienst. Doch als die Stadt im Schnee versank, kochten die Gemüter hoch. Die Wagen des Pflegedienstes sollten weg, hieß es. Da wurde sogar mit dem Zerstören der Autos gedroht…

Es gibt aber auch Gegenden, da will man unbedingt, dass ein Fahrzeug kommt: Nebenstraßen und diverse Hagener Ortsteile warteten oft nicht nur sehnsüchtig auf Räumfahrzeuge, sondern auch auf Busse und auf die Müllabfuhr. Eine Anwohnerin aus der Moltkestraße in Wehringhausen berichtete, dass die  gelben Säcke“ eigentlich bereits am 17. Dezember abgeholt werden sollten – passiert ist jedoch tagelang nichts.

Und in einigen kleinen Nebenstraßen, beispielhaft sei die Aschenbergstraße in der Nähe vom Landgericht genannt, regten sich unzählige Anwohner auf: Der Schnee türmte sich auf der Straße und wer fahren konnte, der fühlte sich wie auf einer Ruckelpiste. Dann, endlich, kam das lang ersehnte Räumfahrzeug. Und, waren die Anwohner nun glücklich? Mitnichten. Schließlich war nun die Straße einigermaßen eben. Doch durch das Räumen wurde der Schnee an die Ränder geschaufelt. Und dort standen die parkenden Autos, die sich nun wiederum hoffnungslos in den neuen Schneebergen festfuhren. Was folgte? Richtig. Gezwungenermaßen wurde der Schnee nun wieder zurück auf die Straße geschippt.

Am Boloh sei die Situation besonders schlimm, beklagte sich eine Anruferin beim wochenkurier. Dort sollen seit Wochen weder Räumfahrzeuge noch Busse oder die Müllabfuhr gewesen sein. Der gesamte Ort müsse somit an der Feithstraße aussteigen und sich zu Fuß in den Boloh begeben.

Senioren haben es schwer

Ein weiteres, großes Problem waren viele Bushaltestellen in der Stadt. Hier türmte sich von der einen Seite der Schnee, den Anwohner dort angehäuft haben. Auf der anderen Seite des riesigen Schneebergs fand sich der Schnee, der von der Straße geräumt wurde. Wer also mit dem Bus fahren wollte, musste vor dem Einsteigen in bester Bergsteiger-Manier den Schnee bezwingen.

Aber wie sollen dies alte oder kranke Menschen schaffen? Wer mit offenen Augen durch die Stadt ging, stellte aber vielmehr fest, dass Senioren noch ganz andere Probleme hatten: Rollatoren können weder sicher über Glatteis, Schneeberge oder Schneematsch gefahren werden. Für Rollstuhlfahrer sind die geräumten Flächen auf Fußwegen oft zu schmal, sodass es für sie kein Durchkommen mehr gibt. Und auch ein Gehstock bietet keinen sicheren Halt.

Die Folge sind insbesondere Senioren, die nicht einmal mehr ihre Einkäufe selbst erledigen können, ohne sich der Gefahr eines ernsten Sturzes auszusetzen. So meldete sich auch eine 70-jährige Seniorin beim wochenkurier, die auf ihr kaputtes, mehrfach operiertes Knie gefallen ist. Doch was sollte sie tun? Nicht jeder hat Angehörige, nette Nachbarn oder einen Pflegedienst, der Aufgaben abnehmen und den gefährlichen Gang nach draußen verhindern kann.

Den Winter abschaffen?

Was ist nun also die Lösung? Geschimpft wird derzeit viel, doch nützt das wenig. Wie der wochenkurier mehrfach berichtete, kann die Müllabfuhr derzeit nicht garantieren, dass der Abfall auch in den nächsten Tagen pünktlich abgeholt wird. Nicht nur Schnee und Eis behindern bei der Abfuhr, mancherorts sind die Straßen auch durch parkende Autos verengt. Der Müll darf somit in  blauen Säcken“ neben der Tonne gesammelt werden.

Und wer kann, sollte sich den Stress des Autofahrens lieber nicht antun und zu Fuß gehen. Dabei könnte man auch gleich noch dem freundlichen Rentner helfen, der mit seinem Rollator die Straße überqueren möchte. Und ansonsten bleibt nur eines: Wir warten auf den Frühlingsanfang. Im März ist es soweit…

…und bis dahin wird es wohl noch einige Male schneien und der Wutpegel wird wieder wachsen…

HEB richtet kostenlose Müll-Sammelstellen ein

Da die winterliche Situation zu besonderen Beeinträchtigungen bei der Abfallentsorgung führt, hat sich der Hagener Entsorgungsbetrieb entschieden, kurzfristig eine Sonderabgabemöglichkeit einzurichten. Ab Montag, 3. Januar, haben die Bürger die Möglichkeit, ihre in haushaltsüblichen Säcken verpackten Restabfälle zu zentralen Sammelpunkten zu bringen. Diese Möglichkeit gilt ausschließlich für die Hagener, deren Abfall in den letzten Wochen nicht abgeholt wurde.

Termine und Standorte:

  • Montag, 3. Januar: 9 bis 10 Uhr am Spielbrink, Parkplatz Friedhof; 10.30 bis 11.30 Uhr am Quambusch, Wendeplatte Twittingstraße; 13 bis 14 Uhr Am Baukloh, Containerstandplatz; 14.30 bis 16.30 Uhr in Haspe, Marktplatz.
  • Dienstag, 4. Januar: 9 bis 12 Uhr in Helfe, Parkplatz Am Bügel; 13.30 bis 16 Uhr in Hengstey, Seestraße/Hengsteybad.
  • Mittwoch, 5. Januar: 10 bis 11.30 Uhr in Garenfeld, Mehrzweckhalle; 13 bis 14 Uhr in Hohenlimburg, Kirchbergstadion/Parkplatz; 14.30 bis 16 Uhr in Halden, Im Alten Holz/Sportplatz.
  • Donnerstag, 6. Januar: 9 bis 10.30 Uhr auf Emst, Marktplatz; 13 bis 16 Uhr in Dahl, Am Volmewehr/Sportplatz.
  • Freitag, 7. Januar: 8 bis 12 Uhr in Altenhagen, Festplatz Höing (Otto- Ackermann-Platz).

Nicht angenommen werden Gelbe Säcke, Altpapier und Altglas, Elektroschrott sowie Sperr- und Sondermüll. Diese können kostenlos bei der Müllverbrennungsanlage,  Am Pfannenofen, entsorgt werden.

Die bislang praktizierte Lösung des Nachfahrens nicht geleerter Behälter wird beibehalten. Ebenso besteht weiterhin die Möglichkeit, am nächsten regulären Leerungstermin zu den Müllbehältern Abfälle in Säcken zu stellen.

Alternativ können Restmülltonnen am regulären Abfuhrtag an der nächst größeren befahrbaren Straße zur Leerung bereitgestellt werden.