Hagenerin ist der Star in Herne: Archäologie-Ausstellung

Dr. Constanze Niess mit der Gesichtsrekonstruktion und einer Nachbildung des gefundenen Schädels. (Foto: M. Kaub)

Dr. Constanze Niess mit der Gesichtsrekonstruktion und einer Nachbildung des gefundenen Schädels. (Foto: M. Kaub)

Hagen. (hy) In der Archäologie interessiert man sich bekanntlich für den Menschen und seine diversen Hinterlassenschaften. Das LWL-Museum für Archäologie in Herne präsentiert bis zum 22. Oktober eine große Sonderausstellung zum Thema „Revolution Jungsteinzeit“.
Es geht um jene Zeit, als Ötzi lebte und Stonehenge gabeut wurde. Auch ein bedeutender Hagener Fund ist dabei: Ein Schädel. Er ist ein Highlight dieser Schau.
Der weit über 5000 Jahre alte Schädel wurde im Jahre 2004 in der sogenannten Blätterhöhle im Hagener Stadtteil Holthausen zufällig von Höhlenforschern gefunden.
Das Besondere: Alle Details des Gesichts konnten rekonstruiert werden, da nur der Unterkiefer fehlt und der weibliche Schädel ansonsten in einem guten Zustand ist. Dies ist nur bei sehr wenigen derartigen Hinterlassenschaften möglich und stellt daher eine kleine Sensation dar. Die Forschungen ergaben außerdem, dass die Frau etwa 20 Jahre alt wurde. Sie gehört zeitlich der späten Jungsteinzeit an.
Ein Blick auf die DNA sorgte für Furore – sie gab Aufschluss auf die Ernährung. Die Frau aß Wild und Fisch und ist damit wahrscheinlich eine der letzten Vertreterinnen einer Gruppe von Jägern und Sammlern. Die meisten Menschen ernährten sich damals normalerweise bereits vom Ackerbau.
Nach der bisherigen Lehrmeinung hätte es eine „Jägerin und Sammlerin“ in Mitteleuropa zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr geben dürfen. Dank des Funds in der Hagener Blätterhöhle hat man neue Informationen über die Übergangszeit gewonnen und alte Meinungen korrigiert.
Die Möglichkeit zur Rekonstruktion des Gesichts durch die Expertin Dr. Constanze Niess und die Erkenntnis, dass Jäger und Sammler sowie Bauern parallel existierten, machen den Schädelfund in der Blätterhöhle in Hagen zu etwas ganz Außergewöhnlichem.