Hagens Fernuni – ein echtes Erfolgsmodell

Hagen. Die Volmestadt und die Fernuniversität – seit 40 Jahren bilden sie eine „Gemeinschaft“. Das Jubiläum nimmt die Pädagogin und Kommunalpolitikerin Helga Heukeroth zum Anlass, in einer kleinen Serie zurückzuschauen. Es folgt Teil 2:

Heute kann man sehr wohl sagen, die Verantwortlichen in der Stadt, die Lehrenden, die Bürgerinnen und Bürger und nicht zuletzt die Studierenden haben der Fernuniversität und – wo möglich – dem Leben auf dem Campus ein eigenes Bild gegeben. Sie alle haben die Chance zur Innovation ergriffen und engagiert verfolgt. Die Fernuniversität hat sich in Hagen etabliert, davon zeugt nicht nur der gewaltige Ausbau an der Feithstraße.

Mit dem Inkrafttreten des NRW-Gesetzes zur „Errichtung der FernUniversität“ wurde die neue Hochschule mit Riesenschritten aufgebaut. Dazu gehörten auch das Zentrale Institut für Fernstudienforschung (ZIFF) und das Zentrum für Fernstudienentwicklung (ZFE). Das ZIFF entwickelte und aktualisierte Konzepte für den optimalen Auf- und Ausbau des besonderen Lehr- und Lernsystems der Fernuni. Erstmals machte damit eine Universität ihre Lehre zum Gegenstand eigener wissenschaftlicher Untersuchung. Das ZFE beriet und unterstützte die Fachbereiche bei der Erstellung und Weiterentwicklung der Fernstudienkurse. Der Transfer wissenschaftlicher Forschung in die Praxis war in dieser Form bundesweit einmalig.

Studieren neben dem Beruf

Das zentrale Ziel der neuen Universität war es immer, ein Studium neben der Berufstätigkeit möglich zu machen. Dieses Angebot ermöglicht(e) Berufstätigen neben einer „Neuqualifizierung“ auch die Erlangung von berufserweiternden Qualifikationen. Hier wurden und werden Lernwege passend zu der sich stetig verändernden Arbeitswelt gesucht und gefunden.

Dies sind neben den Studienbriefen u.a. auch Tonkassetten, Einsendeaufgaben und Musterlösungen, Online-Veranstaltungen, Videokonferenzen etc.

Von Anfang an stellte die Hagener Universität ihrem Auftrag entsprechend sicher, dass sich das Niveau der Ausbildung nicht von herkömmlichen Ausbildungen an „normalen“ Universitäten unterscheidet.

Virtuelles Lernen

1994 nahm die Fernuniversität ihren ersten Web-Server in Betrieb. Es war auch der Start des Projekts „Lernraum Virtuelle Universität“, eines groß angelegten Projekts zur digitalen Reform des Fernstudienangebots. Das Ziel: Alle Lehr- und Betreuungsangebote sollten online verfügbar werden und mit Studienbriefen sowie Präsenzveranstaltungen kombiniert werden. „Die FernUniversität nimmt bei der netzgestützten Fernlehre eine bundesweite Vorreiterrolle ein,“ schreibt die Hochschule über sich selbst.

Seit 1996 können Videoprüfungen online von Hagen aus durchgeführt werden. Seit 2002 gibt es auch die Möglichkeit, Bildschirm-Texte sehbehindertengerecht aufzubereiten.

Fast 80.000 Studierende

Im Sommersemester 2015 studierten aktiv 76.256 Personen an der Hagener Uni – und zwar in den Fakultäten Kultur- und Sozialwissenschaften (40 Prozent), Mathematik und Informatik (14 Prozent), Wirtschaftswissenschaft (34 Prozent) und Rechtswissenschaften (12 Prozent).

80 Prozent der Fernuni-Studierenden sind gleichzeitig berufstätig. Bei Lehre und Betreuung spielen die 13 Regional- und die Studienzentren der Universität in ganz Deutschland und weitere im deutschsprachigen Europa eine große Rolle. Hier können die Studierenden sich fachlich betreuen lassen und an Präsenzveranstaltungen mit Lehrenden aus Hagen teilnehmen. Sie erhalten zudem Unterstützung bei Verwaltungsangelegenheiten und lernen andere Studierende kennen, mit denen sie dann Arbeitsgruppen bilden, die auch online zusammenarbeiten.

Bereicherung

Die wissenschaftliche Forschung hat für die Fernuniversität zentrale Bedeutung. Das Besondere ist, dass die weit überwiegend berufstätigen Studierenden auch Themen aus ihrer Arbeitswelt einbringen, die dann oft Anlass zu wissenschaftlicher Untersuchung sind und anschließend über die „Köpfe der Studierenden“ wieder in die Praxis fließen.

Dies alles betrachtend kann man deutlich feststellen: Die Fernuniversität in Hagen ist ein Erfolgskonzept und eine Bereicherung der deutschen Bildungslandschaft.

Und wie wirkt sich die Existenz der größten deutschen Hochschule an der Volme direkt auf Hagen aus? Darüber berichtet Helga Heukeroth in der nächsten Folge unserer kleinen Fernuni-Serie.