Hagens „Lieblichkeit“

Nicole I., hier mit Gemahl Prinz Wolfgang I., liebt ihre Heimatstadt und möchte als Karnevalsprinzessin dieses positive Gefühl an die Hagener weitergeben. Aufgrund der Erkrankung ihres Mannes muss die Prinzessin derzeit alle Termine alleine absolvieren. An Rosenmontag will der Prinz aber unbedingt wieder mit seinem närrischen Volk feiern! (Foto: privat)

Hagen. (tau) „Darf ich dich mal anfassen?“ fragt das kleine Mädchen ehrfürchtig. Seine Augen glänzen, als es im Arm der Prinzessin sogar noch fotografiert wird. Und mit goldenem Stift gibt es eine ganz persönliche Widmung auf der Autogrammkarte. Ob in Kindergärten, Schulen oder Altenheimen: Nicole I. kennt keine Berührungsängste. Die amtierende Hagener Karnevalsprinzessin liebt den Kontakt zu Menschen, und sie nimmt sich dazu bewusst viel Zeit. „Unsere Session ist zum Glück sehr lang, dadurch haben wir nicht diesen übermäßigen Termindruck.“

Gerne Hagenerin

Zusammen mit ihrem Mann Prinz Wolfgang I. regiert die dreifache Mutter derzeit die heimischen Narren. Eine „Lieblichkeit“ mit dem Herz auf dem rechten Fleck – und das schlägt kräftig für die Volmestadt. „Ich bin gerne Hagener Bürgerin, und ich mag es gar nicht, dass diese Stadt völlig zu unrecht oft so schlecht gemacht wird. Wenn man möchte, dann kann man hier allen Interessen ausgiebig nachgehen, von Sport bis Kultur. Es würde mich freuen, wenn ich den Menschen in meiner Rolle als Prinzessin diese positive Botschaft vermitteln könnte.“

Die Verwandlung von Nicole Völkel zu Nicole I. ist dabei kein allzu großer Schritt. Ob privat oder als „Lieblichkeit“: Die 41-Jährige Buchhalterin liebt Spontaneität und vor allem Natürlichkeit. „Ich bin keine Glitzerbarbie,“ lächelt sie. Aber auch für sie geht mit ihrer Regentenzeit ein Mädchentraum in Erfüllung, zu dem das ausgiebige Styling vor ihren Auftritten gehört. Was wäre eine Prinzessin schließlich ohne prächtiges Kleid und schöne Haare?

Im Sitzen schlafen

Alleine die Hochsteckfrisur nimmt täglich eine Stunde Zeit in Anspruch. Diese Aufgabe hat sie vertrauensvoll in die Hände ihrer Freundin gelegt, die auch einen Salon in Herdecke führt. „Diese Zeit genieße ich in vollen Zügen. Ich konzentriere mich, sammle innere Ruhe und Energie für die anstehenden Termine. Und in dem Moment, in dem ich mein Krönchen trage, werde ich zur Prinzessin!“

Nicht immer klappt die dynamische Termin-Koordination, so dass schon ein paar Mal die Haare für den nächsten Tag bereits am Vortag gestylt werden mussten. Und wie schläft man dann, um sich die Frisur nicht zu ruinieren? „Im Sitzen!“ lacht Nicole I.: „Wir sind eine große Familie mit Riesencouch, da richte ich mir dann eine Schlafstätte in aufrechter Position ein. – ‚Mama, hast Du im wieder im Sitzen geschlafen?‘ ist bei uns bereits zum geflügelten Wort geworden!“

Das Schminken übernimmt die Prinzessin selber. Eine halbe Stunde nimmt das in Anspruch. „Natürlich trage ich wesentlich mehr auf als sonst. Aber auf keinen Fall darf es maskenhaft wirken!“ Und als i-Tüpfelchen werden die Fingernägel in den Hagen-Farben mit blau-gelben Streifen verziert…

Pannen-Vorsorge

Gegen Kleiderpannen ist auch vorgesorgt. Dafür hängen gleich mehrere weiße Modelle parat, die unter dem traditionellen blauen Umhang getragen werden. Alle nach den eigenen Vorstellungen der „Mäjestät“ gefertigt. Und jetzt geht das Hochzeitskleid zum Änderungsschneider, das würde sie auch noch gerne anziehen.

„Wir haben in der City einen kleinen ‚Palast‘ angemietet“, lächelt die Prinzessin. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Ankleideraum, Lockenstab und Glätteisen. Sozusagen der Backstagebereich des 9-köpfigen Hofstaates, zu dem die vier persönlichen Paginnen, der Adjutant, Standartenträger sowie Fahrer gehören. „Hier können wir uns auf die Termine vorbereiten, Kleider ordnen, Haare richten, hier verbringen wir unsere Pausen. Ich mache auch schon mal ein paar Würstchen warm.“

Eine zentrale Rolle im Leben der Prinzessin spielt übrigens der riesige Überlebenskorb. Ohne den geht nichts. Darin finden sich Klarlack zum Stoppen von Laufmaschen, Haarklammern, Spiegel, aber auch Pflaster, Tempos, Vitamintabletten, Obststückchen, Möhrchen oder Chips. „Das sind einfach gesammelte Erfahrungswerte“, lacht die Delsternerin. Und das ganze Team profitiert davon…

Prinz erkrankt

Die nächsten Tage zählen zu den „härtesten“ der Session. Besonders heiß wird der morgige Altweiber-Tour-Tag, den die Prinzessin unter das Motto „Ein Märchen wird wahr“ gestellt hat, mit abschließender öffentlicher Party im Närrischen Reichstag. Ein kleiner Alptraum hingegen ist die letzte Hiobsbotschaft: Ihr Prinz ist erkrankt, und so wird seine „Lieblichkeit“ die anstehenden Termine alleine absolvieren müssen. Von seinem Arzt wurde dem Dachdecker dringend geraten, massiv kürzer zu treten. „Meiner Familie zuliebe werde ich den Rat befolgen,“ so der Prinz. Seine Frau ist natürlich sehr traurig, betont aber: „Wolfgang hat mich gebeten, ihn für den Rest der Session nicht nur zu entschuldigen, sondern ihn würdig zu vertreten.“

Keine Kompromisse

Und Festkomitee-Präsident Moritz Padberg betont: „Karneval ist die schönste Nebensache der Welt, aber die Gesundheit geht immer vor. Da machen wir keine Kompromisse.“ Padberg kann die Sorgen des Prinzen gut nachvollziehen: „Wolfgang und ich sind beide selbstständige Handwerksmeister. Die Doppelbelastung während der Session ist da nicht immer einfach zu bewerkstelligen.“

Wolfgang I. hat aber einen großen Wunsch: „Ich setze alles daran, spätestens Rosenmontag wieder bei meinem närrischen Volk zu sein und dem Höhepunkt jeder Session einen schönen Rahmen zu geben.“ Der wochenkurier drückt ebenfalls die Daumen!