Hagens „Steine“

Von Antje Selter

Hagen. Die Stadt Hagen am Meer und unter tropischer Hitze stöhnend? Eine Vorstellung, die an schönen Sommertagen bei einem Eisbecher oder einem kühlem Getränk vor der Volmegalerie oder am Hengsteysee aufkommen kann. Vor gut 300 Millionen Jahren war dies in unserer Stadt und ihrem Umfeld für lange Zeit der Alltag. Davon zeugen 20 sogenannte Geotope, die an diese Zeit vornehmlich in Form von Gesteinen erinnern. Diese „Aufschlüsse“ sind über unser ganzes Stadtbild verteilt. Einen Teil von ihnen wird der wochenkurier in einer Serie vorstellen.

Erwähnenswert sind zum Beispiel der Steinbruch in Vorhalle mit bedeutenden Fossilfunden, das Hasselbachtal in Hohenlimburg sowie die Kalksteinbrüche in Hohenlimburg und an der Donnerkuhle. Ebenfalls von Interesse sind im touristisch bedeutenden Ruhrtal die Aufschlüsse am Hengsteysee und am Kaisberg. Diese geologischen Highlights sind aber nur einem Teil der Bevölkerung bekannt, von ihrer wahren Bedeutung wissen nur wenige – zu wenige, um es genau zu sagen!

20 herausragende Sehenswürdigkeiten

Antje Selter stellt in Kürze im wochenkurier die herausragenden geologischen Sehenswürdigkeiten des Hagener Raums vor. (Foto: privat)

Das Umweltamt der Stadt Hagen begann 2004 in Kooperation mit dem Geologischen Dienst und „GeoPark“ eine Bestandsaufnahme geologischer Sehenswürdigkeiten in unserem Stadtgebiet durchzuführen. Insgesamt konnten 20 Geotope erfasst werden, die für die Planung und Umsetzung touristischer Aktivitäten dienen sollen. Ein Teil dieser sichtbar gemachten Erdgeschichte ist allerdings für die breite Öffentlichkeit auf herkömmlichen Wege nicht zugänglich. In den erwähnten Kalksteinbrüchen ist dies aufgrund des Abbaubetriebes nicht möglich, das Gelände in Vorhalle steht unter Naturschutz.

Ziel eines umweltbewussten und naturbezogenen Geo-Tourismus muss der Schutz dieser wertvollen Geotope sein. Dies beinhaltet beispielsweise, den Besuchern zu vermitteln, dass das „Sammeln“ von Gesteinen oder Fossilien und das daraus resultierende Zerstören von geologischen Strukturen nicht im Sinne des Schutzes dieser erdgeschichtlichen Zeugnisse steht. Seit kurzem werden daher individuelle und außergewöhnliche Exkursionen und Events in der Ruhrregion und insbesondere im Hagener Raum, u.a. zu naturwissenschaftlich-geologischen Inhalten, professionell angeboten.

Geologische Übersicht

Geologisch gehört das nordwestliche Sauerland zwischen Ruhr, Lenne und Ennepe zum Rheinischen Schiefergebirge, einem der größten Mittelgebirgszüge in Deutschland.

Es besteht vorwiegend aus Sedimentgesteinen des Erdaltertums, das auch als Paläozoikum bezeichnet wird. Es wird gleichzeitig als altes Faltengebirge charakterisiert und umfasst hauptsächlich die Erdzeitalter Devon und Karbon (circa 416 bis 299 Mio. Jahre).

Die geographischen Verhältnisse zum Zeitpunkt des Devons und Karbons unterschieden sich erheblich von den heutigen. So existierten weder die Kontinente, so wie wir sie kennen, noch befanden sie sich an ihrer heutigen Position. Europa, Grönland und Nord-Amerika bildeten den Großkontinent „Laurussia“ auf der Nordhalbkugel. Nord- und Südchina, Kasachstan und Sibirien bildeten je einen weiteren Kontinent, ebenfalls auf der Nordhalbkugel.

„Gondwana“, der Kontinent der Südhalbkugel, bestand aus dem heutigen Südamerika, Afrika, Madagaskar, der arabischen Halbinsel, Indien, der Antarktis und Australien.

Die Geologin Antje Selter und die Hagener Firma GeoTouring haben sich vorgenommen, den naturbezogenen Tourismus vor allem im Hinblick auf die spannendsten Hagener „Aufschlüsse“ zu verbessern. (Foto: privat)

Getrennt waren diese beiden Großkontinente durch ein riesiges Meer („Paläotethys“). Durch das Wandern der Kontinente verringerte sich der Abstand allmählich.

Bedeutsam ist auch die damalige Lage des Hagener Raumes auf der Erde: Hagen war in der Nähe des Äquators positioniert!. Somit war das Klima mit dem des heutigen tropischen Regenwaldes vergleichbar.

Geo-Tourismus

Die im Hagener Raum vorhandenen Geotope, die sich durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung auszeichnen, sind durch ihre Seltenheit, ihre Eigenart und ihre Schönheit schutzwürdig. Sie sind sowohl für die Wissenschaft, Forschung und Lehre, aber auch für die Natur- und Heimatkunde von hohem Wert.

Der Geotopenschutz , also die Erhaltung und Pflege schutzwürdiger Geotope, wird vom Geologischen Dienst des Landes NRW und dem GeoPark Ruhrgebiet sowie unter lokalen Aspekten auch vom Umweltamt der Stadt Hagen wahrgenommen.

Eine wichtige Schnittstelle zwischen Ökologie und Ökonomie bildet der Geotourismus, worunter ein naturbezogener Tourismus mit Schwerpunkt auf Geo-Objekte zu verstehen ist. Hierzu zählen die im Hagener Raum vorhandenen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralen und Fossilien, aber auch Anlagen und Bauten des Bergbaus. Geändertes Freizeitverhalten auf Grund zunehmenden Interesses an Geo-Themen als Teil einer verantwortungsbewussten Umweltbildung tritt immer stärker in den Vordergrund.

Geotouristische Angebote hieraus zu entwickeln, hat sich auch die Hagener Firma GeoTouring vorgenommen. Ihre Angebote beinhalten auch Informationen und Hinweise zum Geotopenschutz und tragen darüber hinaus in Zusammenarbeit mit dem GeoPark Ruhrgebiet, der Stadt Hagen, der VHS und dem Historischen Zentrum Hagen zur Strukturentwicklung der Region bei. Effektiv und funktionsfähig wird dieses Vorhaben durch das Einbeziehen von Betreibern und Besitzern geologischer Aufschlüsse und Bergbauten.

In Zusammenarbeit mit GeoTouring startet der wk in Kürze seine kleine Serie zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten auf diesem Sektor.