Hagens Unternehmer haben die Zuversicht verloren

Hagen. (as) Die Konjunktur in Hagen, im Ennepe-Ruhr- und im Märkischen Kreis befindet sich auf der Kippe. Zwar ist die Geschäftsentwicklung im märkischen Südwestfalen immer noch stabil. Doch den Unternehmern ist die Zuversicht abhanden gekommen. 27 Prozent von ihnen rechnen mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung. Das sind dreimal so viele wie zu Beginn des Jahres.

Von Russland und Ebola-Epidemie

Harald Rutenbeck, Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) zu Hagen, stellte am Montag (13. Oktober 2014) den aktuellen Konjunkturbericht vor. Die Nachrichten, die er überbringen musste, waren zwar nicht gut. Doch Harald Rutenbeck wehrte sich, von Hiobs-Botschaften zu sprechen. Noch nicht.

Probleme im Euro-Raum, Krisen und Kriege in Russland und der Ukraine, in Syrien und dem Nahen Osten, Konjunktur-Dellen in China und nicht zuletzt die Ebola-Epidemie in Afrika – was weit entfernt scheint, hat unmittelbaren Einfluss auf die deutsche und damit auch die südwestfälische Wirtschaft. Wirtschaftsexperten orakeln im Kaffeesatz. Steuern wir auf eine Krise zu? Harald Rutenbeck möchte zwar warnen, keinesfalls jedoch den Teufel an die Wand malen. Er sorgt sich, dass Schwarzmalereien und Krisendiskussionen „eine selbstverstärkende Spirale aus Ausgabenzurückhaltung, schlechten Konjunkturdaten und düsteren Aussichten in Gang“ setzen.
Der SIHK-Präsident sieht die Bundesregierung in der Pflicht: „Die deutsche Politik darf sich nicht länger auf das Verteilen sozialer Wohltaten wie Mindestlohn, Mütterrente und abschlagsfreie Rente mit 63 beschränken“, sagt er. Die Regierung müsse Signale setzen – und zwar jetzt.

Regierung kann Pessimismus bannen

Seine Forderung: die „Wiedereinführung der degressiven steuerlichen Abschreibung, Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und den Breitbandausbau, um das schnelle Internet zu gewährleisten“. Außerdem: Ausbau der Stromtrassen für die sichere und kostengünstige Energieversorgung.
„Wenn eine Situation Gefahr läuft zu kippen, muss man gegensteuern“, sagt auch Rudolf Wittig, bei der SIHK verantwortlich für die Konjunkturumfragen. Genau wie Harald Rutenbeck glaubt er: „Die Bundesregierung hat es in der Hand, aufkommenden Pessimismus in der Wirtschaft zu bannen.“