Harter Brexit und die Folgen: „Dann müssen Patienten sterben“

Märkischer Kreis/Hagen. Großbritannien hatte die Wahl – und sich zunächst für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Seit das Unterhaus am Dienstagabend, 15. Januar, das zwischen Brüssel und London ausgehandelte Brexit-Abkommen abgeschmettert hat, stellt sich die Frage: Was nun? Kommt er, der harte Brexit?

Der südwestfälische CDU-Europaabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der EVP (Christdemokraten), Dr. Peter Liese, warnt in eindringlichen Worten vor den Konsequenzen eines harten Brexit im Gesundheitswesen. „Ein harter Brexit hätte im Gesundheitswesen, vor allen Dingen in Großbritannien, katastrophale Folgen“, sagt der Arzt und Europaparlamentarier. „Wir müssen leider befürchten, dass Patienten wegen mangelnder medizinischer Versorgung sterben müssen. Viele Ärzte und Pflegekräfte vom Kontinent arbeiten in Großbritannien. Bei einem harten Brexit nehme ich an, dass viele von ihnen in ihre Heimatländer zurückkehren. Dadurch wird die medizinische Versorgung, die ohnehin schon schlecht ist, nochmal dramatisch verschlechtert.“

Gesundheitspolitisches Spiel mit dem Leben

Besonders schlimm seien die Auswirkungen eines harten Brexit für Patienten, die zum Beispiel an Krebs leiden und die auf eine Behandlung mit radioaktiven Isotopen angewiesen seien. Viele dieser Isotope werden nämlich auf dem Kontinent hergestellt und wenn Großbritannien aus der EU aussteigt, steigen sie auch aus dem Euratom-Vertrag aus. „Eine Herstellung dieser Isotope innerhalb kurzer Zeit ist in Großbritannien aus technischen und Sicherheitsgründen nicht möglich“, erklärt Liese. „Die Befürworter eines harten Brexit spielen damit mit dem Leben von Menschen. Wir müssen unbedingt verhindern, dass diese sich durchsetzen.“

Zu den unmittelbaren Konsequenzen für Südwestfalen sagte der heimische Abgeordnete: „Ein harter Brexit hätte auch für die Wirtschaft in unserer exportorientierten Region Südwestfalen katastrophale Konsequenzen. Viele Unternehmen sind vom Handel mit Großbritannien abhängig. Obwohl der Brexit noch nicht stattgefunden hat, gibt es schon erhebliche Unsicherheiten und in Großbritannien ist das Wirtschaftswachstun bereits zurückgegangen. All dies zeigt, dass die Europäische Union unverzichtbar für eine florierende Wirtschaft und sichere Arbeitsplätze ist.“

Liese weiter: „Nachdem das Abkommen, das Theresa May mit der Europäischen Union ausgehandelt hat, jetzt krachend gescheitert ist, gibt es nur noch zwei Möglichkeiten, einen harten Brexit abzuwenden. Entweder, Großbritannien muss sich in einem neuen Abkommen noch näher an die Europäische Union annähern, zum Beispiel wie Norwegen im Europäischen Binnenmarkt bleiben, oder aber, das wäre meiner Ansicht nach die beste Lösung, in einem zweiten Referendum soll den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, den Brexit vollständig rückgängig zu machen.“ Denn, so Liese: „Es zeigt sich jeden Tag aufs Neue, das die Versprechen der Brexit-Befürworter nicht zu halten sind.“