Harter Tabak! – Kippen landen zu oft „draußen“

Ekelige und giftige Kippen: In Hagen werden monatlich Hunderttaussende in die „Botanik“ geschnippt, manchmal leider auch von Menschen, die eigentlich als Vorbilder dienen sollten. So wie neulich von einem Polizisten direkt vor dem Wochenkurier. (Foto: Wochenkurier)

Hagen. (ME) In der Volmestadt leben aktuellen Schätzungen des Landesamtes für Statistik zufolge ungefähr 34.000 Raucherinnen und Raucher. Das heißt, in Hagen „qualmt“ etwa jeder Vierte zwischen „16 und 86“. Die Männer stellen mit schätzungsweise 18.000 Nikotinsüchtigen den etwas höheren Anteil. Unter den Nichtrauchern sind rund 22.000 Menschen, die früher geraucht haben.

240 Millionen in Hagen pro Jahr

Wenn 34.000 Raucher „nur“ etwa 20 Zigaretten pro Tag „paffen“, müssen tatsächlich rund 700.000 gekauft und entsorgt werden. 700.000 an einem einzigen Tag bedeuten etwa 20 Millionen im Monat, also 240 Millionen in Hagen pro Jahr. Das ist nicht nur ein immenses Geschäft, sondern ebenso ein enormes Gesundheits- und Umweltproblem.
Wer aufmerksam durch die Stadt geht oder fährt, erlebt durchaus rücksichtsvolle Raucher. Aber das scheint leider die Minderheit zu sein. Sich als Nichtraucher an einem schönen Tag in einer „Außengastronomie“ etwas Leckeres gönnen zu wollen, erfordert viel Leidensfähigkeit, wird man doch oft „volles Rohr“ und von allen Seiten zugequarzt.

Auch kleine Kinder können einem häufig leid tun. Viele Väter und – leider noch häufiger – auch die rauchenden Mütter haben offenbar keine Bedenken, ihre ungesunden und stinkenden „Glimmstängel“ dem Nachwuchs direkt unter die Nase zu halten.
In puncto Umwelt ist die Raucherei ebenfalls nicht „ohne“. Angenommen, die 34.000 Hagener Raucherinnen und Raucher schmauchen nur jeweils drei Zigaretten in der Öffentlichkeit (wahrscheinlich liegt die tatsächliche Zahl deutlich höher), heißt das, dass etwa 100.000 Kippen tagtäglich vom HEB oder anderen „Saubermachern“ entsorgt werden müssen. Das sind 36 Millionen im Jahr.

Bedauerlicherweise haben sich viele Raucher angewöhnt, ihre Glimmstängel einfach in die „Botanik“ zu werfen, selbst dann, wenn sie – etwa an einer Bushaltestelle – mehr oder weniger direkt neben einer Mülltonne stehen.
Dergleichen sieht man immer wieder: Jemand kommt zur Bushaltestelle, hat noch zwei oder drei Minuten Zeit, zündet sich eine Zigarette an, inhaliert auf die Schnelle fünf, sechs Züge und schnippt dann im Vorfeld des heranfahrenden Busses den Rest in die Gosse.

Polizist als schlechtes Vorbild

Im Prinzip noch schlimmer verhielt sich unlängst ausgerechnet ein „Motorrad-Poli­zist“ an der Wochenkurier-Haltestelle, Körnerstraße. Der Mann in Uniform hatte einen Autofahrer herausgewunken und ihm ein „Knöllchen“ aufs Auge gedrückt. Im Anschluss musste offenbar noch ein kleines Protokoll zu Papier gebracht werden. Das erledigte der Uniformierte direkt am Motorrad, dabei genüsslich eine Zigarette rauchend.
Als er mit beiden Tätigkeiten „durch“ war, warf der Polizist die Kippe im hohen Bogen auf den Bürgersteig. Und das, obwohl er nur wenige Meter von einem der praktischen unterirdischen HEB-Entsorgungsbehälter mit Aschenbecher entfernt stand.

30 Euro

In Hagen kostet das Wegwerfen einer Kippe eigentlich ein Knöllchen in Höhe von 30 Euro. Wir wissen nicht, was der Motorrad-Uniformierte bei dem Autofahrer kritisiert hat, aber eigentlich hätte man auch ihn zur Kasse bitten müssen.
Weltweit machen die weggeworfenen Kippen jährlich einen Berg aus, der etwa 750.000 Tonnen wiegen würde. Ein normaler PKW wiegt gut eine Tonne. Man stelle sich nun also einen Schrottberg mit 700.000 ausrangierten PKW vor…
Naturschützer fordern längst ein Verbot der Filter. Denn die Zigarettenreste sind sowohl ein Müllproblem als auch ein Vergiftungsfaktor. Die Stoffe, die nach dem Abrauchen in den Filtern stecken, machen die Kippen zu toxischem Sondermüll. Für viele Tiere wirken die Reste wie ein Nervengift.

Voller Pestizide

Auch der Tabak-Anbau ist ein Problem: Etwa 200.000 Hektar Wald, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation, werden jährlich für den Tabak-Anbau gerodet. Tabak ist eine empfindliche Pflanze, laugt Böden aus, benötigt Pestizide und wird vorwiegend in Entwicklungsländern angebaut. Dort sind die Umweltauflagen oft nicht besonders hoch.
In Hagen werden ab Frühjahr vom HEB und vom Ordnungsamt „Waste Watcher“ eingesetzt, also „Müll-Beob­achter“. Sie sollen auch die „Kippen-Wegwerfer“ ins Visier nehmen. Da darf man gespannt sein, ob Hagen auf diesem Sektor tatsächlich im Sommer sauberer wird.