Hasper führten ein „Häslein in ihrem Schilde“

Haspe. (ME) Die Stadt Haspe erhielt am 15. August 1911 – also vor fast genau hundert Jahren – die Erlaubnis, das noch heute gern vom Hasper Heimat- und Brauchtum-Verein und diversen Lokalpatrioten genutzte rot-weiße Wappen mit Sensen, Mühlenrad und Mauerkrone führen zu dürfen. In der Stadtverordneten-Sitzung vom 26. September 1911 machte Bürgermeister Frank den Stadtvätern Mitteilung von der „Allerhöchsten Genehmigung zur Führung des abgeänderten Wappens“ und konnte damit das „Aktenstück betreffend Stadtwappen“ schließen.“

Vor hundert Jahren wurde das heutige Hasper Wappen genehmigt. (Foto: Bezirksverwaltungsstelle)

In den 1920er Jahren verfasste der umtriebige Heimatforscher Paul Schulte – nach dem nahe dem Baukloh inzwischen eine Straße benannt worden ist – einen Aufsatz über „Hasper Siegel und Stadtwappen“, woraus wir heute im wk einige Absätze zitieren wollen. Paul Schulte schrieb seinerzeit unter anderem:

Mit einem alten Siegel kann unser Städtchen Haspe nicht aufwarten. Das 1. Amtssiegel datiert aus dem Jahr 1810 [also aus der französischen Besatzungszeit in der Ära Napoleons]. Am 25. Januar genannten Jahres erhielt nämlich der Maire [Bürgermeister] des Amtbezirks Enneperstraße, der die fünf Gemeinden: Hasperbauer, Westerbauer, Waldbauer, Vorhalle und Voerde umfasste, von dem Departements-Präfekten Freiherrn von Romberg gegen Einsendung von 3 Reichstalern ein Siegel zugestellt, das in seinem mittleren Schilde den Anfangsbuchstaben [also ein „N“] des neuen Landesherrn, umrahmt von Lorbeer und Eiche, enthielt. Unter dem Gezweig las man das Wort Ruhr, wodurch die Zugehörigkeit der Munizipalität Enneperstraße zum Ruhr-Departement angedeutet werden sollte. Die Umschrift des wirklich schönen Siegels lautete: Großherzogtum Berg. Mairie Enneper-Straße.

Nur kurze Zeit

Aber nur kurze Lebenszeit war diesem Siegel beschieden. Die Jahre der Fremdherrschaft gingen bald dahin. Aus der [französischen] Munizipalität Enneperstraße entstand die [preußische] Bürgermeisterei Enneperstraße. Ein Siegel mit fliegendem Adler, der Reichsapfel und Zepter in seinen Klauen trägt, trat an seine Stelle.

Die Bürgermeisterei Enneperstraße bestand bis zum Jahre 1856. Durch die Landgemeinde-Ordnung vom 19. März 1856 wurde aus der Bürgermeisterei Enneperstraße das Königlich Preußische Amt Enneperstraße, das auch die oben genannten fünf Bauernschaften umfasste. Im Laufe der Jahre trat eine Gemeinde nach der anderen aus dem Amtsverband Enneperstraße aus: 1868 Voerde, 1874 Haspe, 1884 Vorhalle, 1890 Waldbauer, bis zuletzt nur die Gemeinde Westerbauer übrig blieb. Das Amt ging ganz ein, als Westerbauer am 1. April 1898 mit der Stadt Haspe vereinigt wurde. Das Siegel hatte seine Schuldigkeit getan und konnte vernichtet werden. Als der Gemeinde Haspe im Jahre 1874 Stadtrechte verliehen wurden, ward sie befugt, ein Stadtwappen zu führen. […]

Sense, Hammer und Hase

Bürgermeister Petzhold gab dem Zeichenlehrer Sigmond Lyon zu Barmen den Auftrag, einen Entwurf zu einem neuen Stadtwappen anzufertigen. Schon in der Stadtverordneten-Sitzung vom 13. Juli 1886 konnte der Bürgermeister den Stadtvätern ein Musterblatt vorlegen: Ein Wappenschild, von 2 aufrechtstehenden Löwen getragen, die mit ihren beiden anderen Tatzen eine Mauerkrone empor hielten, ruhte auf einer Konsole. Im Schilde befanden sich Sense und Hammer als Zeichen heimischer Industrie und ein laufendes Häslein.

Dieser Wappenentwurf als solcher wirkte sehr dekorativ und fand den Beifall fast sämtlicher Stadtverordneten. Über den Meister Lampe schüttelte bloß mancher verwundert den Kopf. „Was soll der Hase da in dem Wappen!“ hieß es von allen Seiten. „Ja, meine Herren“, begann das Stadtoberhaupt, „der Hase ist auf meine Veranlassung in das obere Feld hineingebracht. Nach alten Schriften hieß die Ennepe, die der Ortschaft den Namen gegeben, früher Empe. Das Stadtgebiet Haspe, durch welches die Ennepe fließt, war sehr reich an Hasen. Darum wurde der Fluss Has-Empe genannt. Daraus ist der Name Hasempe, Hasepe und endlich Haspe entstanden.“

Einer nach dem andern sah sich ob dieser Erklärung erstaunt, ja sprachlos an. Endlich brach der Kaufmann Carl Schmale die Stille mit den Worten: „Meine Herren, ich bitte, diese Angelegenheit behufs näherer Untersuchung zu vertagen!“, was denn auch geschah. 4 Wochen später, in der Sitzung vom 14.August, erlebte die Stadtwappenvorlage dasselbe Schicksal, bis endlich der Lyonsche Entwurf ohne Abänderung die Genehmigung der Stadtverordneten-Versammlung fand. So hatte Haspe sein erstes Stadtwappen mit einem Häslein im Schilde.

Lesen Sie auch Teil 2 dieses Artikels: „Haspes Hasen-Wappen: Bürgermeister Lange wünschte Abänderung“