Haspe. (ce/ME) Ob die Hasper Wolkenschieber wohl einen Eintrag ins deutsche Guinness-Buch der Rekorde verdient haben? Schließlich ist ihr Job zumindest in Deutschland, vielleicht sogar in ganz Europa einzigartig.

Wolkenschieberfest

Diese HKZ erscheint am 2. Juni – pünktlich zum Kirmes­kommers. Schon eine Woche später steht das nächste Hasper Ulk-Großereignis vor der Tür: das Wolkenschieberfest, das am Freitag, 8. Juni, ab 18 Uhr mit einem Dämmerschoppen auf dem Markanaplatz seinen Auftakt nimmt.

Am Samstag, 9. Juni, werden die Hasper Wolkenschieber feierlich und mit viel hochprozentigem Wachholder-Brand auf ihre schwierige Aufgabe vereidigt. Die vier allesamt schon etwas betagteren, aber durchweg noch sehr agilen Herren haben für gutes Wetter am Tag des Kirmeszuges zu sorgen. Ganz wörtlich schieben sie zu diesem Zwecke mit ihren langen hölzernen Schiebern die Wolken über dem Stadtteil einfach weg, so dass am Samstag, 16. Juni, definitiv die Sonne scheint. Für dieses ehrenwerte Amt braucht es viel Fingerspitzengefühl und erhebliche Lebenserfahrung, woran es eben Menschen unterhalb des Renteneintrittsalters einfach mangelt.

Bewerben kann man sich dafür nicht. Die hoch verantwortungsvolle Aufgabe wird einem angetragen. Wer sie annimmt, behält sie lebenslänglich. Jeder Neu-Wolkenschieber arbeitet sich hoch vom Lehrling, zum Gesellen, zum Meister – und eventuell zum Obermeister, sofern die Lebenszeit es ihm erlaubt.

Am Samstag, 9. Juni, um 16 Uhr werden die Wolkenschieber, feingemacht in Anzug und mit Zylinderhut, so wie es sich gehört, am Kirmesbauer-Denkmal vor dem Torhaus warten. Die Show- und Marchingband der Blau-Weißen holt sie dort ab und begleitet sie musikalisch zu ihrer Vereidigung durch den HHBV-Vorstand. Wenn die Wolken geschoben sind, beginnt der gesellige, durststillende Teil des Tages.

Lange Tradition

„Die Wolkenschieber gibt es in Haspe bereits seit den 1880er Jahren“, weiß Obermeister Fritz Gerke zu berichten. Damals wie heute galt und gilt: „Nur unbescholtene, ehrbare Hasper Bürger, die sich dem heimischen Ulk-Brauchtum verschrieben haben und jenseits der 65 sind, kommen für diese Tätigkeit in Frage.“

Ihre Anerkennung im Tal der Ennepe ist groß. Das stellen die vier honorigen Herren immer wieder fest, wenn sie in der Kirmessaison durch die Hasper Lande ziehen und Kidergärten oder Seniorenheime besuchen. „Solche Besuche berühren oft unsere Herzen,“ sagt Fritz Gerke, „und hinterlassen nicht selten emotionale Spuren.“ Da fließt auch schon mal die eine oder andere Träne.

Zweitwohnung?

Doch vorrangig geht es natürlich um den Ulk. Und wehe, wenn am Zug-Nachmittag mal nicht die Sonne scheint… – dann müssen sich die Wolkenschieber auf was gefasst machen. „Zum, Glück halten sich Schimpf und Schande im Rahmen, aber es gab schon Jahre, da dachten wir über eine Zweitwohnung weit weg von Haspe nach“, erinnert sich Fritz Gerke lachend. „Und wenn uns Petrus mal so richtig im Stich lässt, sagen wir einfach, der Lehrling ist schuld.“

Gerke selbst wohnt auf dem Spielbrink. „Schon seit 1960“, erzählt er. Lange Zeit war er an führender Stelle in der Mops-Krankenpflegeschule tätig. Als er einst zum Wolkenschieber-Lehrling berufen wurde, ahnte er nicht, dass er damit eine Blitzkarriere starten würde – schneller als gedacht stieg er zum Gesellen, Meister und – als Nachfolger von Heinz Lersch – zum Obermeister auf. Zum „Schieber-Team“ gehören ansonsten Lehrling Willi Würfel, Geselle Karl-Otto Wölling und Meister Rolf Esch. Und in gut zwei Wochen wissen wir alle, ob das Quartett gut gearbeitet hat…