Das Gebäude der ehemaligen Hauptschule ist nun die „Villa Heubing“. Dahinter wurde der Schulgarten angelegt. (Foto: CRG)

Haspe. (san) Offen für alle Hagener gleichermaßen wie für Gevelsberger ist das Christian-Rohlfs-Gymnasium (CRG) doch vor allem eine echte Stadtteilschule. Will heißen, keinem Schüler, der fürs Gymnasium geeignet ist, soll es an der Schule in Haspe an irgendetwas fehlen. Die technikbegeisterte junge Frau kommt hier genauso zum Zuge wie der Sprachenfreund. Eben weil das Unterrichtsangebot nicht spezialisiert und damit eingeschränkt ist, sondern weil hier am Ennepeufer die ganze Bandbreite schulischer Möglichkeiten vorliegt.

Stark durch Vielfalt

Michael Pütz trat 2007 die Leitung der Einrichtung an der Ennepe an, um das CRG genau zu dem zu machen, was es heute ist. „Ich habe schon gut etwas erreicht,“ freut er sich. Mit Englisch (immer schon) bilingual, Französisch und Latein ist man ebenso für den Spanisch-Unterricht stark aufgestellt. Mit Technik als Wahlpflichtfach hat das CRG ein Alleinstellungsmerkmal, angedacht ist sogar eine Weiterführung des Fachs in der Oberstufe. „Und eigentlich könnten wir uns auch ‘Sportgymnasium‘ nennen, da wir nicht bloß auf zwei Sportarten fokussiert sind“, so Michael Pütz. Über Basketball und Volleyball können sich die Schüler in den Sportarten Fußball, Handball, Tischtennis, Tanzen und Triathlon sowie Fitness betätigen. „Bei städtischen Wettbewerben stellen wir die meisten Schülermannschaften“

Egal, welche Stärken der Einzelne hat oder erweitern will, das zweitgrößte Hagener Gymnasium mit konstant 850 bis 900 Schülerinnen und Schülern kann diese fördern.

„Stadtteilschule bedeutet auch, dass wir alle Hasper Schüler annehmen, die eine entsprechende Qualifikation für die Oberstufe haben“, informiert der Schulleiter und verweist auf die stolze Zahl von aktuell 45 Quereinsteigern, die ihr Abi­tur am Christian-Rohlfs-Gymnasium machen wollen. Das CRG war zudem das erste Hagener Gymnasium, das Flüchtlinge aufgenommen hat.

Somit ist die damalige Vereinigung des ehemaligen Mädchengymnasiums mit dem Hasper Knabengymnasium ein „Gymnasium für Haspe“ geworden – mit unterschiedlichen Schwerpunkten und daher vielfältig.

„Haspe“ im Unterricht

Michael Pütz, der zuvor viele Jahre Gesamtschullehrer in Iserlohn war, bekennt sich aber auch mit seiner beruflichen Rückkehr in seine Heimatstadt zu Haspe. Wo immer es geht, setzen sich die Schüler quer durch die Unterrichtsfächer mit dem Stadtteil Haspe auseinander oder demonstrieren ihre schon längst vorhandene Verbundenheit: Neuntklässler bringen im Rahmen des Projekts „Bildungsbande“ als Mentoren Hasper Grundschülern die Naturwissenschaften näher.

Michael Pütz ist seit 2007 Leiter der Christian-­Rohlfs-Gymnasiums.
(Foto: CRG)

Geht es um das Thema Städtebau im Sowi-Kurs, dient das Brandt-Areal als Anschauung. Der Musikkurs der Oberstufe präsentierte erst kürzlich, wie sich die Teilnehmer mit Haspe identifizieren.

Wochenlange Arbeit steckte in diesem inszenierten Zusammenspiel von Film, Tanz und Musik sowie lokalhistorischen Zitaten.

Schüler für Haspe

Aber auch die Früchte des außerunterrichtlichen Schullebens bieten der Hasper Allgemeinheit etwas: Die am CRG eigens ausgebildeten Sporthelfer unterstützen die Grundschulen bei Sportveranstaltungen, beteiligen sich am jährlichen Hasper Familienfest und sind auch beim traditionellen Kirmesumzug mit von der Partie. Die Bigband und der Schulchor sind im Stadtteil dabei, sei es beim Hasper Herbst oder bei besonderen Gottesdiensten. Und im Zusammenhang mit dem alljährlich von CRGlern gestalteten Volkstrauertag ist im vergangenen Jahr eine ganz besondere Aktion ins Leben gerufen worden, die in der Erstellung eines Friedens-Wanderführers gipfeln wird.

Dass sich die Hasper Schule so gut mit dem Stadtteil Haspe verwebt, liege auch an seinen ortskundigen Lehrerkollegen, erklärt Michael Pütz. So habe er ganz bewusst diejenigen Pädagogen an die Schule werben können, die am Ennepestrand zu Hause sind, aber in anderen Städten ihren Dienst versahen. „Die können mit Haustür-Projekten sofort tatkräftig loslegen, weil sie sich auskennen,“ freut sich der CRG-Chef bestätigt.

Mit dem Zuwachs des Altbaus der aufgelösten Heubing-Hauptschule – liebevoll „die Villa“ genannt – eröffneten sich neue Möglichkeiten. Durch den hinzu gewonnnenen Platz kann nun auch das Archiv der Hasper Zeitung dort untergebracht werden – eine gute Gelegenheit für die Schüler, vielfältig in Haspes Geschichte zu stöbern und Projekt-Arbeiten zu erstellen.

Als Paul auf der Kanzel

Michael Pütz kann mit Fug und Recht sagen, viel erreicht zu haben im Sinne einer Stadtteilschule. Vielleicht, weil er eben auch ein echter Hasper ist? Als Mitglied und gar Vorstand im Pfarrgemeinderat der St. Bonifatius-Gemeinde gestaltet Pütz, der auch katholische Religion unterrichtet, schon seit fast zehn Jahren den Kirmesgottesdienst mit. Erst zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Siegfried Gras, dann mit Pfarrer Jürgen Schäfer. Michael Pütz mimt an der Kanzel „Paul“, Schäfer den „Peter“. Zusammen sind sie die Müllkehrer, die dem Kirmeszug hinterherfegen und über Gott und die Hasper philosophieren. Auch beim diesjährigen Kirmesgottesdienst dürfen die Besucher wieder über die beiden schmunzeln.

Danach muss „Paul“ wieder als „Michael“ zurück in die Realität. Fürs Ausruhen auf dem Geschafften ist noch keine Zeit. Digitalisierung lautet einer der nächsten Arbeitsbegriffe. Da muss auch am CRG mehr geschehen. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten“, gibt der Schulleiter zu Bedenken. Denn das Thema Breitbandausbau ist eines, das alle Hagener gleichermaßen eher verärgert als weiterbringt.

Ja, und dann könnte das Christian-Rohlfs-Gymnasium neben einer „Schule ohne Rassismus“ und einer ausgezeichneten Fairtrade-Schule – übrigens die erste in Hagen – auch noch eine Europa-Schule werden. „Die Anforderungen dafür erfüllen wir alle“, ist sich Pütz sicher.

So wird Schulleiter Michael Pütz, ein Mann mit Hasper Bodenhaftung, alles daran setzen die „CRG-Penne“ fit für die Zukunft zu machen.