„Seine kleine Wenigkeit 2018“: Detlef Bracht

Haspe. (ce/ME) Erst seit den 1950er Jahren gibt es ihn: den Iämpeströter. Zusammen mit dem Kirmesbauer samt Esel und den Wolkenschiebern ist er quasi die 3. Komponente des „ulkigen Hasper Dreigestirns“.

Trotz des hohen Amtes wird er übrigens nicht mit „Durchlaucht“ angeredet, sondern ganz ironisch-bodenständig mit „seine kleine Wenigkeit“.

Während Kirmesbauer und Wolkenschieber „Ewigkeiten lang“ amtieren können, wechselt der Iämpeströter bekanntlich jährlich. Er soll die Menschen von der Ennepe (plattdeutsch: Iämpe) symbolisieren – insbesondere verkörpert er mit blauem Kittel und Lederschürze die Schmiede, die einst Haspes Wohlstand begründeten.

Inthronisiert wird er am Kommersabend. Als Iämpeströter 2017/18 amtierte Jürgen Wippermann. Ihm folgt am 2. Juni Detlef Bracht nach. Schon im Jahr 2005 kürte man den umtriebigen Ex-HHBV-Geschäftsführer für seine vielfältigen Verdienste um Haspe zum Wachholderritter. Nicht genug der Ehre: Im Jahr 2016 heimste Detlef Bracht auch noch den hochehrenden Ulk-Orden ein. Nun – zwei Jahre nach dem Orden – erklimmt er also die höchste „Ulk-Stufe“ und wird die typischen Hasper Tugenden Unsinn, Leichtsinn und Kneipsinn mit viel Engagement auf zwei Beine stellen.

Der Ulk war ihm nicht in die Wiege gelegt. Fern ab von Haspe jenseits der Haller Berge wurde er 1954 im erzkatholischen Boele geboren.

Es ist aber noch mal gutgegangen: Der Junge wuchs auf der Hestert in Sichtweite der Hasper Hütte auf, besuchte die Ernst-Eversbusch-Schule und inhalierte durch Kindheit und Jugend hindurch die oft dicke Hasper Luft. Durch und durch imprägniert mit Hapser Lebensart entschied sich der Heranwachsende für eine Ausbildung bei der Varta. Später schloss er die Fachoberschule sowie ein Fachhochschulstudium in Hagen an.

Über 35 Jahre lang leitete Detlef Bracht als Vertriebs-Ingenieur die Geschicke der Hagener Niederlassung eines süddeutschen Maschinenbau-Unternehmens. Doch das ist passé. Wenn er heute gefragt wird, was er beruflich macht, kann er nun wahrheitsgemäß antworten: „Ich bin Privatier.“

Mit seiner Frau, der rheinisch-karnevalistischen Froh­natur Petra, lebt Bracht weit oben an der Vogelsanger Straße, was keineswegs bedeuten soll, dass er etwa Abstand von Haspe bräuchte. Abstand vom Alltag findet aber der frischgebackene Privatmann in seiner Begeisterung für den BVB, auf Reisen oder – besonders gern –beim Fotografieren.

Die Brauchtumspflege, das Kostümieren, das mal Ein-anderer-Sein – das suchte Detlef Bracht schon, als er um die vierzig Jahre alt war. Im Jahr 1996 trat er dem Karnevalsverein „Blau-Weiße Funken Hagen“ bei. Fünf Jahre später stürmte Bracht _ Spitzname: „Schunkel-Dino“ – erfolgreich das Rathaus an der Volme, riss die Macht an sich und regierte Hagen bravourös als Karnevalsprinz. Folglich geht Detlef Bracht in die Hagener Annalen sowohl als Prinz als auch als Iämpeströter ein. Vor ihm hat es erst zwei weitere Männer gegeben – in den 1950er Jahren –, die ebenfalls beide Ämter inne gehabt haben.

„Unvergesslich bleiben mir bis heute die vielen Kirmeszüge, in denen ich zusammen mit Herbert Gitt in Fußgruppen unterwegs war“, sagt er. So sehr Detlef Bracht das Bad in der Menge liebt, so sehr wollte er aber auch immer gern hinter den Kulissen mit anpacken, Verantwortung tragen, mitgestalten, mitentscheiden.

Die ungehemmte Tatkraft und der offenbare Wille, sich dem Hasper Brauchtum ungebremst zu verschreiben, führte ihn direkt in die Reihen des HHBV. Von 2002 an gehörte er dem Vorstand des Hasper Heimat- und Brauchtum-Vereins an. Dreizehn Jahre lang engagierte er sich als Geschäftsführer – er war Nachfolger von Jörg Duhme – und nahm sich besonders der Kirmeszüge und der „Computerisierung“ an. „Ich bin halt kein Mitläufer, sondern jemand, der auch Ideen umsetzen möchte.“

„Wie et kütt“

Sein Lebensmotto? Da denkt er ganz kölsch – wie seine Frau: „Es kütt wie et kütt“ und „Et is noch allet jut jejange“. Begleitet wird der Schunkel-Dino von Bianca Robe und Tochter Jessica, die wieder im Lande weilt,, nachdem sie ein Vierteljahr lang als Rucksacktouristin in Lateinamerika unterwegs war.