Immer wieder ein zauberhafter Anblick beim Kirmeszug: die Ex-Paginnen in ihren farbenprächigen, stets in Eigenarbeit hergestellten Kostümen. (Foto: Ex-Paginnen)

Haspe. (ME) Es gibt Dinge, die muten seltsam an, beispielsweise, dass es die Hasper Iämpeströter-Ex-Paginnen erst seit zehn Jahren als festen Zusammenschluss gibt. Im Januar 2008 kamen Monika Schmied und Ruth Muschkiet auf die Idee, eine Art „Paginnen-Stammtisch“ ins Leben zu rufen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und mithilfe eines Artikels in der Zeitung nahm das Ganze bald Fahrt auf. Zum allerersten Treff kamen 28 Frauen unterschiedlichsten Alters.

Lange Zeit galten die Paginnen nur als „schmückendes Beiwerk der Iämpeströter“. Während die Iämpeströter nach ihrer Amtszeit schon von jeher in den „erlauchten Club der Ex-Iämpeströter“ wechseln durften, blieb den Paginnen früher nur der mehr oder weniger sang- und klanglose Abschied aus dem Hasper Ulk-Geschehen.

Beim damaligen ersten Treffen der Ex-Paginnen war frau sich schnell einig – es sollten sich weitere Zusammenkünfte anschließen. Gesagt, getan. Bei den losen Treffen sollte es jedoch bald nicht mehr bleiben. Stattdessen kamen die Frauen auf die Idee, sich auch aktiv als Gruppe am Kirmeszug zu beteiligen. Seitdem sorgen die Ex-Paginnen alljährlich im „Lindwurm“ für vielbeachtete Farbtupfer. Diese Farbtupfer entstehen vorrangig durch die phantasievolle Verwendung der traditionellen Hasper Farben „weiß“ und „rot“, die auch die Farben der Paginnen sind.

Bei den Paginnen heißt es immer „nach dem Kirmeszug ist vor dem Kirmeszug“. Das bedeutet, dass man sich schon früh Gedanken macht, in welchen Gewändern man im nächsten Zug auftreten will und wen frau darstellen möchte. Dem Einfallsreichtum sind kaum Grenzen gesetzt.

Ja, und dann machen sich die Frauen ans Werk. Zu den eisernen Regeln der Paginnen gehört, stets nach der „Do-it-yourself“-Methode zu verfahren. „Bohren, schleifen, zeichnen, malen, nähen… – wir erledigen eigentlich alles, was vonnöten ist, in Eigenregie“, erzählt Monika Schmied stolz.

Anfangs holte man sich ab und zu Ratschläge von Ex-Iämpeströter Jürgen Baumann („Bob, der Baumeister“). Aber Jürgen Baumann verstarb 2013. Seitdem darf höchstens Heinrich Beckmann, der offizielle HHBV-­Frauenversteher, aushelfen, wenn wirklich mal „Not am Mann“ ist.

„Mit Karla Thieser haben wir eine Ex-Pagin in unseren Reihen, die als Architektin alle kniffligen technischen Fragen mit der notwendigen Professionalität zu behandeln imstande ist“, berichtet Monika Schmied.

Etwa 25 Ex-Paginnen im Alter zwischen circa Mitte 20 und Ende 70 sind regelmäßig mit von der Partie, etwa zwei Drittel von ihnen stemmen die anfallenden Arbeiten. Hierfür treffen sich die „Aktivistinnen“ manchmal mehrmals wöchentlich im Haus der Vereine (Dieter-Klöckner-Stiftung) an der Enneper Straße.

Natürlich wird nicht nur gearbeitet. Man hat auch viel Spaß – so beim monatlichen Stammtisch in der Hülsche, bei Ausflügen (zum Beispiel zum Fernsehgarten), beim Maifest oder in der Karibischen Nacht, die ohne die Paginnen all die Jahre kaum möglich gewesen wäre. Benefiz-Aktionen runden diesen „Reigen“ ab.

Und einmal im Jahr – bekanntlich im Juni – nimmt alles noch einmal besonders viel Fahrt auf. Denn dann hat der Hasper Ulk schließlich seine Hochsaison. „Diesen Tagen fiebern wir unbändig entgegen“, sagen die Paginnen und sind stolz darauf, dass sie von den Zuschauern immer als einer der schönsten Farbtupfer des Kirmeszuges wahrgenommen werden.