Hasper Ulk: Sieger und Kettenträger

Von Michael Eckhoff

Haspe. Das, was die Wolkenschieber Jahr für Jahr in Haspe vollbringen, ist schon genial: Pünktlich zum Start des 2012er Kirmeszugs schloss Petrus die Regenschleusen. Und als der Lindwurm sein Ziel erreicht hatte, drehte Petrus sie wieder auf. Tausende standen abermals am Straßenrand und genossen die bunte Pracht der Fußgruppen, Kapellen und Wagen. Ist doch immer wieder erstaunlich, was sich die beteiligten Gesellschaften alles einfallen lassen. Natürlich standen auch in diesem Jahr allerlei Lokalereignisse im Mittelpunkt – etwa das geplante Torhaus, das Jubiläum von Zwieback-Brandt oder auch die Idee, die Kirmes demnächst in den Ennepepark zu verlagern.

Mittlerweile stehen auch die „Sieger des 133. Kirmesfestzuges“ fest, wobei es die Jury 2012 erneut nicht leicht hatte, eine Entscheidung zu treffen:

Kategorie „Prunkwagen“:

1. Preis Hackebämmels Enkel für „Wir holen die Tower Bridge an die Ennepe“; 2. Preis Club 99 für „25 Jahre Club 99“.

Kategorie „Heimat & Ulk“:

1. Preis Dä Hoasper Iäselsköppe für „Shakalaka“; 2. Preis Paginen der Iämpeströter für „Hasper Kirmes Rodeo“.

Kategorie kleine Fußgruppen bis 3 Personen:

1. Preis Volmestädter für „Schwetna“; 2. Preis TGS Friesen-1860 Haspe für „Bunkerspechte“.

Kategorie große Fußgruppen ab 4 Personen:

1. Preis Volmestädter für „Hasper Luftnummer“; 2. Preis Paginen der Iämpeströter für „Die Cowgirls vom Rodeo Drive“.

Sonderpreise:

  • Technisch bester Wagen: Club 99 für „25 Jahre Club 99“;
  • Künstlerisch beste Darstellung: Paginen der Iämpeströter für „Die Cowgirls vom Rodeo Drive“;
  • Schauspielerisch beste Leistung: Club 99 für „Haspes (mobiles) Fitnessstudio“;
  • Erich-Fiebig-Gedächtnis-Wanderpokal: Shakalaka“ von den Hoasper Iäselsköppen;
  • Hans-Twitting-Gedächtnis-Wanderpokal: TGS Friesen-1860 für „Bunker ade – Torhaus okay“;
  • Beste Schülergruppe (Heinz-Brand-Preis): TGS Friesen-1860 Haspe für „Let’s dance“;
  • Sonderpreis: Loßröcke Boele für „Winnetous Erben“.

Ehrungen

Vor dem Zug fand – wie immer – das traditionelle Erbsensupenessen der Honoratioren statt. Den Bolzen bekam diesmal die „Bürgergesellschaft“ – weil sie sich, obwohl ihr auch Iämpeströter angehören, gerne an den Kirmestagen mit einer Kulturtour außer Landes“ befindet (also fernab von Haspe). Welch ein Frevel. Der Vorsitzende, Claus Callsen, nahm’s mit Humor und ging frohgemut in die Hasper Ulk-Geschichte ein.

Mit der Heimatkette wurde „Pechvogel-Stifterin“ Angelika Baumann geehrt. Es war seinerzeit der in Haspe unvergessene Gustav Adolf Bochhammer, der einen ganz besonderen Preis aus der Taufe hob: Bochhammer stiftete einen „Pechvogel“. Dieser ungewöhnliche Preis wurde unter seiner Regie alljährlich immer jener Wagenbau-Gruppe verliehen, die beim großen Kirmeszug das meiste Pech zu verzeichnen hatte, etwa einen „Platten“.

Als Bochhammer die Bühne dieser Welt verließ, schien der Pechvogel-Preis zu verwaisen. Doch Angelika Baumann nahm sich der Sache an und beschloss, fortan ganz im Sinne Bochhammers zu wirken und den „Pechvogel“ unter ihre Fittiche zu nehmen. Der derzeit mit 100 Euro dotierte und einzig von Angelika Baumann finanzierte Preis stellt nach wie vor eine Art Trostpflaster dar. Das heißt: Wie in Bochhammers Zeiten wird er an eine Gruppe vergeben, die viel Pech hatte.

Hut ziehen

Vor derart viel persönlichem Engagement muss man wahrhaftig den Hut ziehen. Das dachten sich auch die HHBV-Vorständler und beschlossen, Angelika Baumann mit einer der höchsten Ehrungen der Ennepestadt auszuzeichnen: Die Stifterin des Pechvogels bekam die Heimatkette!

Angelika Baumann ist eine echte Ennepesträßerin. Geboren im Heilig-Geist-Hospital, erblickte sie vor 59 Jahren das Licht der Welt. Mit der Kirmes ist die Friseurmeisterin gleichsam aufgewachsen. Und deshalb verwundert es denn nicht, dass sie auch in diesem wichtigen „Hasper Metier“ auf eine beachtliche Leistung zurückblicken kann. Einen nicht unerheblichen Teil ihrer früheren Meriten erwarb sie sich beim Siedlerverein Quambusch. Hier beim SVQ übte sie sich erstmals im Wagenbau und hier gehörte sie auch zu den Mitgründerinnen einer legendären Tanzgruppe, deren Auftritte bei etlichen Kommers-Abenden für Staunen und Spaß sorgten. Seitdem hat es ihr insbesondere die Wagengestaltung angetan. Diese „Karriere“ setzte sie auch beim Club 99 fort, wo die Wachholder-Ritterin des Jahres 2001 ihrem Ehemann, dem Hasper Kirmes-Urgestein Jürgen Baumann, beim Entwerfen, Einkleistern oder Anstreichen stets eine große Hilfe war.