Haspes Hasen-Wappen

Haspe. (ME) Wie schon berichtet, erhielt die Stadt Haspe am 15. August 1911 – also vor fast genau hundert Jahren – die Erlaubnis, das noch heute gern vom Hasper Heimat- und Brauchtum-Verein und diversen Lokalpatrioten genutzte rot-weiße Wappen mit Sensen, Mühlenrad und Mauerkrone führen zu dürfen.

Die Stadt Haspe führte anfangs ein „Häslein“ im Wappenschild. Unsere Abbildung zeigt den Entwurf des Zeichners Sigmund Lyon. (Abbildung: wochenkurier)

In der Stadtverordneten-Sitzung vom 26. September 1911 machte Bürgermeister Frank den Stadtvätern Mitteilung von der „Allerhöchsten Genehmigung zur Führung des abgeänderten Wappens“ und konnte damit das „Aktenstück betreffend Stadtwappen“ schließen.“

In seiner letzten Ausgabe beschrieb der wochenkurier – fußend auf einem Aufsatz des in den 1920er Jahren überaus emsigen Heimatforschers Paul Schulte -, dass Haspe zunächst (ab 1886) ein Wappen mit einem „Hasen im Schilde“ führte. Weil der seinerzeitige Bürgermeister Petzhold geglaubt hatte, der Ortsname rühre von „Hasen-Bach“ her.

Bei unserer heutigen Fortsetzung folgen wir erneut Paul Schulte:

Petzholds Nachfolger, der so früh dahingeschiedene Bürgermeister Lange, erkannte sofort die verfehlte Herkunft des Stadtnamens von einem furchtsamen Hasen und wünschte sehr eine Abänderung des Stadtwappens. Ein dementsprechender Antrag beschäftigte die Stadtväter schon in der Sitzung vom 30. Oktober 1889. Nach kurzer Debatte ward einstimmig folgender Beschluss gefasst: Das Stadtverordneten-Kollegium gibt seine Zustimmung zur einstweiligen Weiterbenutzung des von dem Herrn Bürgermeister Petzhold beschafften Stadtwappens und ernennt gleichzeitig zur Beratung über ein eventuell zu beschaffendes anderes Wappen eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. med. Leo Reismann, Wacholder-Brennereibesitzer Ernst Eversbusch und Kaufmann Karl Schmale.

Am 18. November desselben Jahres trat die Kommission zur ersten Sitzung zusammen und beschloss, an Stelle des Hasen das Bergmannszeichen zu setzen, sonst aber keine nennenswerten Abänderungen an dem ersten Stadtwappen vorzunehmen. Weiter beauftragte sie den Zeichenlehrer der Gewerbeschule zu Hagen, Herrn Piderit, mit der Anfertigung einer Zeichnung. – Dieser reichte auch bald einen Entwurf ein, der nach einigen unbedeutenden Abänderungen nicht nur die Zustimmung der Kommission, sondern auch am 21. Januar 1890 die Genehmigung der Stadtverordneten-Versammlung fand. So ward Meister Lampe für ewige Zeiten aus dem Hasper Stadtwappen verbannt.

Während Bürgermeister Lange den Hasen aus dem Wappenfelde hatte verjagen müssen, sah sich auf höhere Anordnung Bürgermeister Frank veranlasst, das Stadtwappen ganz seines dekorativen Schmuckes zu berauben. Nicht bloß Sockel und Mauerkrone mussten verschwinden, sondern auch die beiden schildhaltenden Löwen, und das kam so: Am 4. Juli 1908 ging bei ihm folgendes Schreiben des Regierungspräsidenten ein: „Auf Anregung des Herrn Oberpräsidenten beabsichtige ich, in eine Prüfung der Wappen der Städte des Bezirks nach heraldischen und historischen Gesichtspunkten einzutreten. Zu diesem Zwecke ersuche ich Sie, mir binnen 6 Wochen eine Abbildung des dort geführten Wappens nebst Beschreibung einzureichen und darzulegen, daß die Stadt das Wappen in dieser Form zu führen berechtigt ist. v. Bake“

Nicht empfohlen

Bald ging auch eine Abbildung des Stadtwappens nach Arnsberg ab. In dem Begleitschreiben musste jedoch Bürgermeister Frank bemerken: „Die Genehmigung zur Führung des Wappens ist ausweislich der Akten seiner Zeit nicht nachgesucht worden.“ Als darauf der Regierungs-Präsident verfügte: „Das Stadtwappen eignet sich zur Annahme, wenn die unheraldisch goldene Umrahmung und die goldene Teilung wegfällt“, sah sich die Vertretung der Stadt genötigt, in eine Beratung über diese Angelegenheit einzutreten.

Schon 1889 schlug der Hagener Gewerbeschullehrer Otto Piderit ein Wappen mit Sensen und Hammerwerksrad vor. Eine ähnliche Variante wurde allerdings erst im August 1911 genehmigt. (Abbildung: wochenkurier)

In der Sitzung vom 19. Oktober 1909 gab die Stadtverordneten-Versammlung ihre Zustimmung zu der Abänderung des Wappens nach Maßgabe der Verfügung des Regierungspräsidenten. Die Stadtverwaltung schickte alsbald das so abgeänderte Stadtwappen wunschgemäß zur Begutachtung an das Königliche Staatsarchiv in Münster. Am 9. Dezember ging schon dessen Gutachten ein. Aber was für eins: Heißt es doch wörtlich in demselben: „Der Sockel mit den Eichenzweigen darüber, die Löwen als Schildhalter, die Krone fallen aus dem Rahmen der für Städtewappen althergebrachten Formen. Es kann daher diesseits nicht empfohlen werden, bei Einreichung eines Wappenentwurfs zur Genehmigung durch Sr. Majestät diese dekorativen Zutaten beizubehalten?“

Mit Mauerkrone

Wiederum erklärte sich das Stadtverordneten-Kollegium in seiner Sitzung vom 15. Januar 1910 mit den vom Königlichen Staatsarchiv vorgeschlagenen weiteren Abänderungen einverstanden, hoffend, dass damit die Wappenangelegenheit erledigt sei. Doch nein; denn das Königliche Heroldsamt in Berlin, dem der Stadtwappenentwurf auch noch zur Nachprüfung zugegangen war, bestimmte: „Der Wappenschild ist in seiner ganzen Breite mit einer dreitürmigen Mauerkrone zu bedecken.“

So mussten sich die Stadtverordneten abermals mit dem Stadtwappen beschäftigen. Aber diesmal sollte es wirklich das letzte Mal sein, fand sich doch jetzt an dem Entwurf nichts mehr auszusetzen, konnte er doch jetzt von dem Ministerium des Innern Sr. Majestät zur Genehmigung vorgelegt werden, die auch unterm 15. August 1911 erteilt wurde. In der Stadtverordneten-Sitzung vom 26. September 1911 machte Bürgermeister Frank den Stadtvätern Mitteilung von der Allerhöchsten Genehmigung zur Führung des abgeänderten Wappens und konnte damit das ’Aktenstück betreffend Stadtwappen’ schließen.

Soweit Paul Schulte.