Heiliger Berg in Unruhe: Haspe sucht Priester, der bleibt

Haspe. (san) Auffallend unruhig geht es zu auf dem „Heiligen Berg“ in Haspe, seitdem sich Pfarrer Werner König nach über 30 Jahren 2010 in den Ruhestand verabschiedete. Die katholische St. Bonifatius-Gemeinde hat allein von 2010 bis zum vergangenen Monat mit Ansgar Schocke, Marc Stücker und Norbert Wohlgemuth drei Seelsorger auf „Durchgangsstation“ erlebt. Nun wartet die mitgliederstärkste katholische Gemeinde im pastoralen Raum Hagen-Mitte-West erneut auf einen Priester.

Warum ist die Verweildauer der Priester in St. Bonifatius so kurz? Peter Hartmann, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands, versucht sowohl in dieser Funktion als auch privat als aktives Gemeindemitglied Erklärungen zu finden.
Pastor Werner König hat in drei Jahrzehnten das Gemeindeleben stark geprägt. Klar, dass ein Nachfolger daran nicht nahtlos anknüpfen kann …

Peter Hartmann: Wir Hasper stehen in dem Ruf, sehr selbstständig, ehrenamtlich sehr aktiv und entscheidungsfreudig zu sein. Mit Ansgar Schocke aus Dortmund kam im September ’10 ein Mann, der zu einem guten Miteinander in unserem Kreis beitrug. Zu dieser Zeit gab es aktuell den Pastoralverbund Hagen-West der Gemeinden St. Bonifatius Haspe, St. Konrad Westerbauer und St. Michael Wehringhausen. Schocke wurde quasi der Chef dieser Gemeinden.
Als aber zu seiner Amtszeit bereits die Erweiterung des pastoralen Raums auf halb Hagen im Gespräch war, schien ihm diese Aufgabe zu groß zu werden. Parallel tat sich ihm die Möglichkeit auf, wieder in Dortmund einen pastoralen Raum zu leiten – deshelb zog er im Juni 2012 bedauerlicherweise fort.
Weiter ging es im September 2012 mit Marc Stücker, der aus Lünen hierhin wechselte.
Peter Hartmann: Pastor Stücker hätte gerne den jetztigen pastoralen Raum mit den Gemeinden Liebfrauen, Herz-Jesu, Marien, St. Josef, St. Meinolf, Petrus-Canisius sowie den drei Gemeinden aus dem Hagener Westen übernommen. Letztlich entschied Paderborn jedoch, dass die älteste Gemeinde, nämlich Marien mit Dr. Norbert Bathen, den Hauptsitz innehaben soll. Stücker hatte keine Chance auf diese Position und verließ uns im März ’14, um einen pastoralen Raum bei Bad Pyrmont zu übernehmen.
Dann wurde es schwieriger mit der Neubesetzung. Erst im April 2015 zog Norbert Wohlgemuth auf den ‚Heiligen Berg‘ …
Peter Hartmann: Er kam aus Marsberg, hatte dort einen Pastoralverbund geleitet, wurde dann in St. Bonifatius einfacher Pastor. Damit konnte er sich zum einen vielleicht nicht so richtig abfinden, zum anderen blies ihm wohl auch Gegenwind ins Gesicht.
Inwiefern?
Peter Hartmann: Uns aktiven Gemeindemitgliedern fehlte ein bisschen das Mittun. Wenn es für eine Festvorbereitung galt, Hand anzulegen, oder andere Dinge des Gemeindelebens mitzugestalten, wurde Pastor Wohlgemuth öfter vermisst.
Aber andererseits waren seine Messen wirklich schön gestaltet. Dass auch im Sinne aktiver Ökumene die evangelischen Kollegen aus der Frankstraße mit am Altar standen, stieß wohl bei der Leitung in St. Marien sauer auf, gilt Dr. Bathen doch als strenger Gesetzesausleger. So wenig Entscheidungsgewalt zu haben, das war sicherlich schwer. So verloren wir schließlich auch ihn wieder.
Und wie geht es weiter?
Peter Hartmann: Die Stelle ist ausgeschrieben. Doch hat sich die arg konservative, gesetzestreue Auslegung unseres Kirchenrechts durch den Vorsitzenden unseres pastoralen Raumes mittlerweile herum gesprochen. Pastoren an der Basis wissen um diese Schwierigkeit für ihre Arbeit. Wir als St.-Bonifatius-Gemeinde sind ja mittlerweile froh, wenn überhaupt jemand bleiben mag, mit dem die Chemie dann stimmt.