Heimische Wirtschaft gut aufgestellt

Südwestfalen. (anna/Red.) Der heimischen Metall- und Elektro-Industrie gehe es nicht schlecht, aber auch nicht so richtig gut. Das ist das wesentliche Ergebnis der traditionellen Konjunkturumfrage des Märkischen Arbeitgeberverbandes, erklärte sein Präsident Horst-Werner Maier-Hunke. An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 172 Firmen mit 19.500 Beschäftigten.

Zwar beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftslage und -erwartungen weiter positiv, doch bleibt ein gewisses Maß an Skepsis und Unsicherheit. Ein Indiz dafür sei, dass die Investitionen im Bereich des Märkischen Arbeitgeberverbandes nicht so recht anspringen wollen.

Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage durch die teilnehmenden Firmen fällt zu Jahresbeginn etwas schlechter aus als im Vorjahr, liegt aber dennoch auf hohem Niveau. 87 Prozent der Betrieb beurteilen ihre Situation als gut oder zufriedenstellend. Jedes achte Unternehmen kam zu einer negativen Einschätzung (im Vorjahr zehn Prozent).

Diese gute Lagebeurteilung basiert auf dem Aufwärtstrend der Metall- und Elektro-Industrie. Im letzten Quartal des Jahres 2015 konnten die Betriebe bei den Aufträgen wieder zulegen.

Ausbildung ist wichtig

Besonders liegt dem Präsidenten am Herzen, die jungen Menschen in Lohn und Arbeit zu bringen. „Eine gute Ausbildung ist einfach ein Muss“, erklärt Maier-Hunke. „Wir werden unsere Mitglieder in der Nachwuchswerbung weiterhin tatkräftig unterstützen.“

Allein im Metallbereich existieren 34 verschiedene Berufsbilder. Der Verband bemühe sich, die neuen Facharbeiter schon an der Schule abzuholen. Mit dem verbandseigenen Ausbildungs-Truck fände eine frühe Aufklärung zu den Berufen und Ausbildungen schon an der Schule statt. „Dieses Engagement gibt es in Spanien oder Portugal nicht.“ Deshalb bestehe dort die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

„Wir konnten in unserer Region zwar nicht alle Lehrstellen besetzen, weil zum Beispiel Bäcker und Friseure als Ausbildungsberufe gar nicht angesagt sind, aber das Gros der Schulabgänger hat einen Ausbildungsplatz bekommen. Auch im Ingenieurbereich haben wir kaum Engpässe“, ergänzt Maier-Hunke. Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen sei nach wie vor hoch: 87 Prozent werden ihre Ausbildungsquote beibehalten, sieben Prozent planen eine Erhöhung.

Erwartungen für die Zukunft

Nur 68 Prozent der befragten Unternehmen rechnen im laufenden Jahr mit guten oder besseren Geschäften. Anfang 2015 lag dieser Wert noch bei 80 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass für die heimische Metall- und Elektro-Industrie das Jahr 2016 auch vor dem Hintergrund aktueller Vorgänge (Flüchtlinge, Dieselaffäre) und des schwächeren Wachstums in China ein eher mäßiges Jahr werden könnte. Das bestätigt auch ein Blick auf die Entwicklung der Auftragslage. Laut Umfrage wird sich die Dynamik bei den Auftragseingängen nicht fortsetzen.

Die Beschäftigungspläne der heimischen Metall- und Elektro-Industrie haben sich leicht nach unter revidiert. So hat sich die Zahl der Unternehmen, die ihre Belegschaft aufstocken wollen, von 14 auf zwölf Prozent verringert.

Demgegenüber ist der Anteil der Betriebe, die Stellen abbauen wollen, von acht auf zehn Prozent gestiegen. Unter dem Strich bedeute dieses auf jeden Fall das Ende des Beschäftigungsaufbaus.

Nur noch 54 Prozent der befragten Unternehmen planen eine Erhöhung ihres Investitionsvolumens oder wollen im hohen Umfang investieren (2015 waren es noch 62 Prozent).

Projekt auch für Flüchtlinge

Zusammen mit den Kooperationspartnern Jobcenter MK, Agentur für Arbeit, der verbandseigenen Ausbildungswerkstatt und den Euro-Schulen in Iserlohn startete der Märkische Arbeitgeberverband jetzt ein Pilotprojekt unter dem Titel „Berufliche Qualifizierung mit ergänzendem Sprachunterricht“. „Wir sind Ideengeber, wir stellen Praktikumsplätze und auch eine Betreuung zur Verfügung“, sagt Josef Schulte, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Märkischen Arbeitgeberverbands. Dennoch: „Das Projekt läuft nur dank der Professionalität und des Engagements unserer Kooperationspartner“, ergänzt er.

Zielgruppe des Projekts sind 18- bis 25-jährige Männer, die in Deutschland geduldet werden oder bereits ein Bleiberecht haben.

Mittlerweile genießen 250 Teilnehmer Integrationskurse an den Euro-Schulen. Anschließend werden 15 geeignete junge Männer für eine weitere sechswöchige berufsbezogene Sprachschulung ausgewählt, bevor sie ab Mai in der Lehrwerkstatt des Verbandes acht Wochen lang in Metallberufen ausgebildet werden. Danach folgt ein dreimonatiges betriebliches Praktikum. „Bisher haben alle Teilnehmer gut mitgemacht, keiner ist abgesprungen“, betont Maier-Hunke, „Nur so kann Integration gelingen. Wir müssen uns alle etwas einfallen lassen.“