Heinrich Brocksieper: Experimente mit Trickfilm

Hagen. Vor hundert Jahren wurde in Weimar von dem Architekten Walter Gropius eine Design- und Architektur-Hochschule gegründet, die schnell Weltruhm erlangte – das Bauhaus. Studentinnen und Studenten aus allen Teilen Mitteleuropas gaben sich in Weimar und später in Dessau (wohin die Hochschule Mitte der 1920er Jahre umzog) ein Stelldichein.

Verhältnismäßig viele Studierende stammten aus Hagen – eine Frau und fünf Männer. Das lag sicherlich sowohl am Hagener Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus, der mit Gropius befreundet war, als auch an Max Austermann, dem Leiter der damaligen „Hagener Malerschule“.

Einer der ersten Studierenden

Unter den ersten Studierenden am Bauhaus in Weimar – vom Wintersemester 1919 bis 1922 – war auch der in Hagen geborene Maler Heinrich Brocksieper (1898-1968). Dazu angeregt wurde er unter anderem durch die erste große Lyonel-Feininger-Ausstellung im damaligen Hagener Museum Folkwang.

Das Hagener Emil-Schumacher-Museum am Museumsplatz freut sich nun, an Heinrich Brocksieper mit einer relativ umfassenden Ausstellung erinnern zu können. Am morgigen Sonntag, 24. März, wird sie um 11.30 Uhr von Oberbürgermeister Erik O. Schulz und dem Wissenschaftlichen Leiter des Emil-Schumacher-Museums, Rouven Lotz, eröffnet.

Ermöglicht wurde die Ausstellung insbesondere auch durch Henirich Brocksiepers Sohn, den Hagener Bildhauer Utz Brocksieper. Er hat beispielsweise all jene Kameras verwahrt, die sein Vater vor dem Zweiten Weltkrieg für ungewöhnliche Foto- und Filmexperimente genutzt hat. So stellte Heinrich Brocksieper schon früh auch Trickfilme her.

Nach dem Studium hielt Brocksieper noch bis 1933 einen intensiven Kontakt zum Bauhaus und reiste wiederholt nach Weimar, Dessau und Berlin. In Anlehung an die Entwicklungen am Bauhaus befasste sich Brocksieper ab 1927 ausschließlich mit Fotografie und insbesondere experimentellem Film und beteiligte sich auch nicht mehr als Maler an Ausstellungen, obwohl er Gründungsmitglied des Hagenrings war. Ab 1933 lehnte er Anfragen für offizielle Atelierbesuche sowie Ausstellungsangebote durch die Nationalsozialisten ab und setzte seine Arbeit in der selbst gewählten Isolation fort.

Freund Schumachers

In dieser Zeit entstand auch der Kontakt zu Emil Schumacher (1912-1999). Der 14 Jahre ältere Bauhaus-Künstler Brocksieper wurde für Schumacher zu einem wichtigen Freund und nicht zuletzt Gesprächspartner – der Kenntnisse und Fähigkeiten, die er insbesondere während des Studiums am Bauhaus erworben hatte, mit ihm teilte.

Durch einen Bombenangriff wurden 1944 Haus und Atelier Brocksiepers an der Alleestraße mit dem darin gelagerten Großteil seines bisherigen Oeuvres vernichtet. Ab 1945 nahm er trotz dieses Rückschlages die künstlerische Tätigkeit neu auf und unterhielt wieder Kontakt zu seinen Freunden aus der Zeit am Bauhaus. Alltagsgegenstände mit den Spuren des Gebrauchs, etwa alte Schrauben, Porträts und Selbstbildnisse waren fortan seine zentralen Themen.

Die Ausstellung im Jahr des Bauhaus-Jubiläums gedenkt dieses talentierten Künstlers. Frühe Arbeiten aus der Zeit am Bauhaus können ebenso wie Experimentalfilme und das Spätwerk des Künstlers neu entdeckt werden.

Zur Ausstellung erscheint außerdem ein Katalog, herausgegeben von Ulrich Schumacher und Rouven Lotz, mit 80 Seiten (23 Euro im Museum, 28 Euro im Buchhandel).