Heirat zweier Western-Fans

Hagen. (AnS) Eine Hochzeit ganz in Weiß und klassisch – über diesen Wunsch vieler Brautpaare können Heike Humpert und Daniel Rafflenbeul nur lächeln. Sie erfüllen sich am kommenden Mittwoch, 1. Februar 2012, ihren ganz eigenen Traum: sie heiraten – ganz ungewöhnlich – im Western-Stil!

Ihr gemeinsames Hobby wird durch ihre Hochzeit am 1. Februar im Western-Stil gekrönt: Heike Humpert, Daniel Rafflenbeul und der sechs Monate alte Jay freuen sich auf das ungewöhnliche Ereignis. (Foto: Anja Schade)

Die Leidenschaft für Cowboys und Co. entdeckte Daniel Rafflenbeul bereits vor 20 Jahren. Mit seiner damaligen Ehefrau frönte er dem Westernreiten, nahm an Turnieren teil, bei denen stilecht mit Nord- und Südstaaten-Flair gezeltet wurde. Zwischenzeitlich legte er sein Hobby auf Eis, vergaß es aber nie. Vor acht Jahren entflammte seine Leidenschaft für das Leben in den USA um 1860 erneut und ließ ihn fortan nicht mehr los. Seine Wohnung schmücken zahlreiche Accessoires: Bilder an der Wand und sogar eine alte Flinte zieren die Wohnzimmerwände.

Sehr skeptisch

Ein Hobby, das seiner 27-jährigen Verlobten erst einmal reichlich komisch vorkam. „Als wir uns vor zweieinhalb Jahren kennenlernten“, erinnert sich Heike Humpert, „war ich doch sehr skeptisch.“ Zumal der im Sicherheitsdienst arbeitende Daniel Rafflenbeul im Western-Leben einen ungewöhnlichen „Beruf“ ergriffen hat: Er nennt sich Doc Jack Daniel und ist – wie in früheren Zeiten üblich – Doktor, Zahnarzt, Einbalsamierer, Prediger und Bestatter zugleich.

Mit einem Western-Treffen allerdings machte der Hagener seine Freundin neugierig und überzeugte sie, sich ihrem Freund und seinem Hobby anzuschließen.

„Arbeit“ im Zelt

In einem Weiß-Zelt aus dickem Baumwollstoff fährt die Patchwork-Familie, zu der drei Kinder gehören, zu diesen Veranstaltungen. Gekleidet wie zu Cowboy-Zeiten treffen sie Gleichgesinnte, kochen gemeinsam, die Kinder lernen alte Spiele kennen und es gibt Schießwettbewerbe, ähnlich denen eines Schützenvereins. Eingerichtet ist das Zelt aus einer Mischung von Western-Tradition und Moderne. Alte Schränke treffen Gaskocher und bequeme Betten.

Fehlen dürfen natürlich auch nicht diverse Utensilien, die der Hagener zur Ausübung seines „Jobs“ braucht: Eine Doktortasche mit zahlreichen Instrumenten, ein Sarg, Medizin und eine Preisliste, die seine Dienstleistungen anpreist: Ein Aderlass kostet 1,50 Dollar, eine Kugel entfernen schlägt mit sieben Dollar zu Buche, ein Hausbesuch kann mit einem Teller Bohnen mit Eiern, Speck und einem Glas Whiskey beglichen werden. Als Prediger hat der 46-Jährige sogar schon Hochzeiten und Taufen nachgestellt. „Für die Zeremonien habe ich mir Tipps von einem Pfarrer geholt.“

Gar nicht so wild

Heike Humpert ist von dem Lagerleben begeistert: „Auch wenn die alten Kleider doch sehr unbequem sind.“ Ihr zukünftiger Ehemann hat sich ins Thema eingelesen, besitzt zahlreiche Bücher über den Wilden Westen, der gar nicht so wild war. „Viele Cowboys besaßen gar keine eigene Waffe und Duelle gab es nur im Film“, weiß der Hagener, der einen Schein für Schwarzpulver besitzt.

Im Alltag ist das Hobby der Familie kaum anzusehen: „Manche Freunde laufen auch in ihrer Freizeit in Westernkleidung herum – das möchten wir nicht.“ Die Hochzeit aber soll stilecht gefeiert werden. Während die standesamtliche Trauung noch klassisch abläuft, wird die kirchliche Zeremonie in der Markus-Kirche zur Western-Trauung. Das beginnt bei der Auswahl der Lieder und Gebete in englischer Sprache und hört mit der Kleidung der Hochzeitsgesellschaft auf. „Wir haben unsere Gäste gebeten, sich entsprechend anzuziehen.“ Erlaubt sind auch Jeans und Karohemd.

Im Saloon

Selbstredend kommt auch das Brautpaar im Cowboy-Stil daher. Während Daniel Rafflenbeul „Berufskleidung“ – einen schwarzen Frack mit Zylinder – trägt, schmückt Heike Humpert ein schwarzes Kleid der viktorianischen Zeit. Gefunden hat sie die edle Robe mit einem Reifrock von fünf Metern Umfang im Gothic-Handel. Sogar der Strampelanzug von Nesthäkchen Jay passt zur Szenerie. Nur der Brautstrauß ist klassisch in rot-weiß gehalten.

Und auch der Festraum ist eingerichtet wie ein Saloon: Westernsattel und Kulissen auf Folie erinnern an damals und mit einem „Wanted-Schild“ – das Schwerverbrecher suchte – können Besucher ein Erinnerungsfoto von sich und der ungewöhnlichen Hochzeit machen lassen.

Einen Traum haben die Brautleute noch: Sie möchten auch in Hagen ihr Hobby etablieren und suchen ein Pachtgrundstück mit Scheune, auf dem sie und Freunde ihre Freizeitbeschäftigung ausleben können.

Wer helfen kann oder auch Interesse am Thema hat, meldet sich bei Daniel Rafflenbeul, Telefon 0 23 31 / 7 88 89 01.