Helfen können – ein gutes Gefühl

Hagen. (san) Nach den Sommerferien geht‘s los, dann ist auch Dennis wie sein älterer Bruder endlich ein Schulkind! Seine jüngere Schwester besucht noch eine Weile den Kindergarten. Und die Eltern Bernd und Claudia freuen sich mit ihren drei Sprösslingen. Warum das berichtenswert ist? Nun, Dennis ist ein Pflegekind, und bis vor noch gar nicht allzu langer Zeit war nicht gewiss, ob er als „Dauerkind“ bei der Hagener Familie T. (alle Namen v. d. Red. geändert) bleiben kann.

Vor nunmehr sechs Jahren entschieden sich die T.s zu dem mutigen Schritt, Pflegeeltern zu werden. Einen dreijährigen leiblichen Sohn hatten sie zu der Zeit bereits. Nachdem die entsprechenden Gespräche mit den Leuten vom Pflegekinderwesen der Stadt geführt, Kurse zu allen Bereichen rund um eine solche Pflege absolviert, Lebensläufe und polizeiliche Führungszeugnisse beigebracht waren, auch die Wohnung besichtigt – ein eigenes Zimmer für den Gast ist erforderlich – wurde das Ehepaar in eine spezielle Kartei aufgenommen.

Dann kam das Kind…

Es dauerte gar nicht lange, da kam der Anruf: Innerhalb von zwei Stunden sollte der kleine Dennis zunächst als Kurzzeitpflegekind bei ihnen einziehen. Der Junge war gerade 10 Monate alt. Das passte, weil die eigenen Kinder der Familie grundsätzlich zwei Jahre älter als das Pflegekind sein müssen. Mit einer bereits chronischen Atemwegserkrankung, wund bis aufs rohe Fleisch und auch sonst in einem arg ungepflegten Zustand nahmen die T.s den Kleinen in ihre Obhut.

Was war geschehen? Der Kinderarzt informierte damals das Jugendamt, weil die Kindsmutter die Arzttermine und die Medikamentengabe nicht einhielt, auch die allgemeine Erscheinung des Kleinkinds gab dem Mediziner zu denken. Dennis war das dritte Kind vom dritten Vater, und auch dieser lebte schon nicht mehr mit seiner Mutter zusammen. Auf die Mängel hingewiesen, unternahm Dennis‘ Mama trotz Hilfsangeboten seitens des Amtes nichts zur Verbesserung der Situation. So blieb letztlich nur die Unterbringung in einer Pflegestelle, damit das Wohl des Jungen nicht noch mehr litt.

Ungewisse Zukunft

„Dennis hat überhaupt nicht gefremdelt und uns ganz schnell als seine Bezugspersonen akzeptiert,“ erinnert sich Bernd T.. Und auch der “große Bruder“ habe den Neuankömmling gut aufgenommen, hatte er damals noch gedacht, dass die Kinder halt so groß auf die Welt kommen.

Dann kam eine Zeit, in der die leibliche Mutter von Dennis immer wieder Anträge auf Herausgabe des Kindes stellte, gleichzeitig aber nie ihr Besuchsrecht in Anspruch nahm – ganz im Gegensatz zum Vater von Dennis, der bis heute den monatlichen Kontakt von zwei Stunden aufrecht hält.

Nach zwei Jahren hieß es über die Mutter in einem Gutachten, sie sei „erziehungsunfähig“. Für die T.s war damit klar, ihr Dennis bleibt ein Dauerpflegekind, sogar die Vormundschaft können sie nun beantragen.

Die Familie wächst

Und in diesen sechs Jahren, die Dennis bereits in seiner Pflegefamilie verbringen durfte, wurde nicht nur noch ein Töchterchen geboren, für drei Monate konnten Claudia und Bernd einem weiteren Schützling auf einem kleinen Lebensabschnitt begleiten, bis die Familienverhältnisse dort wieder im Lot waren. Darüber hinaus steht ihnen vielleicht bald ein weiteres Pflegekind ins Haus – die T.s sind mit all ihrer Fürsorge und Hilfe bereit.

„Natürlich fällt es schwer, wenn wir wieder loslassen müssen, aber es bleibt stets das gute Gefühl, einem Kind für eine gewisse Zeit ein Stück weit geholfen zu haben,“ beschreibt Bernd T. seine eigene und die Motivation seiner Frau.

Zu wenige

Leider gibt es in Hagen nur weniger als zehn Familien, die sich zu einer Bereitschaftspflege bereit erklärt haben – viel zu wenige für eine Stadt, die weitaus mehr Feuer in den Familien zu löschen hat. Und nicht immer verläuft das Leben mit einem Pflegekind so geradlinig wie bei den T.s. „Aber auch wir stehen im ständigen Kontakt mit dem Betreuer vom Jugendamt und sind uns immer eines starken Rückhalts sicher, sollte uns eine Situation mal überfordern,“ macht Bernd T. denen Mut, die sich ebenfalls für eine Pflegebereitschaft interessieren.

Wer eine solche Aufgabe wahrnehmen möchte, kann sich mit dem Fachbereich Jugend und Soziales der Stadt Hagen unter der Rufnummer 0 23 31 / 2 07-42 23 in Verbindung setzen.