Herdecke „angeklickt“

„Angeklickt“? Der Titel hat seine Berechtigung: Jedes Kapitel der beiden Autoren Tanja Münch und Wolfram Mellinghaus widmet sich inhaltlich in locker-leichter und vor allem kurzer Form einem Stück Lokalgeschichte. (Foto: Herdecker Heimat- und Verkehrsverein)
„Angeklickt“? Der Titel hat seine Berechtigung: Jedes Kapitel der beiden Autoren Tanja Münch und Wolfram Mellinghaus widmet sich inhaltlich in locker-leichter und vor allem kurzer Form einem Stück Lokalgeschichte. (Foto: Herdecker Heimat- und Verkehrsverein)

Herdecke. (ME) „Angeklickt“ steht im Titel des neuesten Herdecker Buches. Angeklickt? In einem Buch? Der Titel hat seine Berechtigung: Jedes Kapitel widmet sich inhaltlich in kurzer Form einem Stück Lokalgeschichte – inhaltschwere „Kost“ wird hier locker-leicht serviert wie in einem kurzen Wikipedia-Internet-Eintrag.

Deutlich mehr Kamera-Klicks waren indes notwendig, um neues und gleichzeitig informatives Bildmaterial zu beschaffen. Eine größere Anzahl von Skizzen veranschaulicht zusätzlich den ein oder anderen Zusammenhang. 170 Abbildungen – die meisten farbig – lockern die Kapitel optisch auf. Den letzten Klick kann der Leser machen, falls er mehr erfahren möchte – auf der Webseite zu diesem Buch befindet sich eine aktuelle Linkliste. Und auch QR-Codes sind zugefügt. Kurzum: Tanja Münch und Wolfram Mellinghaus haben ein „Heimatbuch“ vorgelegt, das modern und auf der Höhe der Zeit ist. So macht auch jüngeren Lesern die Heimatgeschichte Spaß.

Unterhaltsam

„Der Text strebt an, die Ausführungen zur Herdecker Geschichte in unterhaltsamer Form auf gesicherter Grundlage darzustellen,“ berichtet Mit-Autorin Tanja Münch. Daneben steht das Bemühen, den Stoff namentlich für interessierte (Neu-)Bürger ohne Hintergrundwissen lesbar zu machen. Eingestreute „Dönekes“ haben dabei ebenfalls ihren Platz.

Was auf diese Weise geschichtlich ausgegraben und veranschaulicht wird, hat für die Stadt zugleich einen wirtschaftlichen Aspekt. Besucher sollen ermuntert werde, sich in beiden angrenzenden Stadtteilen, in Altstadt und Ruhraue, umzusehen. Die früher stärker betonten Grenzen zwischen Kultur und Tourismus verschwimmen. Radler, Auto-Touristen, Wanderer und Pilger sollen Altstadt mit Ruhraue als Ganzes wahrnehmen. „Aber“, weiß Tanja Münch, „Touristik hat noch keine Tradition in unserer Stadt. Wir lernen erst gerade, damit umzugehen.“

Kunterbunt

Das „Anklicken“ bietet im Übrigen die Freiheit, sich kurz, kunterbunt und querbeet einzelnen Themen zu widmen. Der Leser erfährt beispielsweise Neues zum Kornspeicher Hauptstraße 1 und der ehemals hier gelegenen Pilgerherberge. Während sich die lokalgeschichtliche Literatur dem Pilgern bisher nur allgemein widmete, brachte die „Entdeckung“ der Route des westfälischen Jakobsweges für Herdecke eine deutliche historische Aufwertung. Das wird im Kapitel „Herdecker Jakobsweg“ erläutert. In einem weiteren Kapitel wird anhand eines Findlings der Frage nachgegangen, ob es eine Eiszeit in Herdecke gegeben hat.

Der Name und Bekanntheitsgrad des Ortes war seit Jahrhunderten mit dem Export von Sandstein verbunden. In den letzten Jahrzehnten machten auch heimische Olympia-Teilnehmer Herdecke überregional bekannt. All dies bleibt nicht unerwähnt – und auch berühmte Architekten, die einst an der Ruhr wirkten, sind vertreten.

Selbstkostenpreis

Die Veröffentlichung lokalgeschichtlicher Abhandlungen steht wegen kleiner Auflagen fast immer auf wackligen Füßen. Beide Autoren und deren Helfer verzichteten daher traditionell auf jegliches Honorar einschließlich sämtlicher Auslagen. Der Druck bewegte sich im Bereich der Selbstkosten. Der Herdecker Heimat- und Verkehrsverein förderte die Umsetzung des Projekts. Und auch die Stadtsparkasse Herdecke unterstützte die Arbeit mit einer großzügigen Spende von 6000 Euro.

Seit einigen Tagen wird das Buch zum Verkauf angeboten – für 9,90 Euro in der Buchhandlung Herdecke, Hauptstraße 26, im Café Kornspeicher, Hauptstraße 1, und in der Heimatstube des Herdecker Heimat- und Verkehrsvereins, Stiftsplatz 3. Der Herdecker Heimat- und Verkehrsverein ist übrigens auch der Herausgeber dieses Buches.