„Herr der Maße“

Hagen. (NO) Maße und Gewichte haben Joachim Karge ein ganzes Berufsleben lang geprägt. 40 Jahre Eichamt – kann man da überhaupt noch das Kaffeepulver ohne „Hintergedanken“ in den Filter füllen, sich ein Gläschen Bier genehmigen, ohne den Eichstrich im Blick zu haben? Oder sich „einfach so“ auf die Personenwaage im Badezimmer stellen? „Wird schon gehen“, schmunzelt Joachim Karge. „Ich lasse den Ruhestand ganz entspannt auf mich zukommen!“

40 Jahre war Joachim Karge im Eichamt der „Herr der Maße und Gewichte“. Jetzt geht der 65-Jährige in den Ruhestand. (Foto: Norbert Fendler)

Weichenstellung

Die Weichen für den Berufsweg des gebürtigen Dortmunders wurden gestellt, als dem damals 25-jährigen an der Fachhochschule Gummersbach ein Aushang der damaligen „Landeseichdirektion NRW“ ins Auge fiel. Gesucht wurde ein Ingenieur für den gehobenen technischen Dienst mit Neigung auch zum Außendienst. Karge hakte nach und konnte am 17. Juli 1972 bereits seine Tätigkeit im Eichamt Hagen, das damals noch in Altenhagen beheimatet war, antreten.

Wechsel und Beförderung

Mit internem Vorbereitungsdienst und dem Besuch der Eichschule München wurde Joachim Karge für den Beruf fit gemacht, er wurde Eichinspektor, dann Eichoberinspektor. Am 4. Juni 1974 erfolgte aufgrund einer Gebietsreform der Wechsel zum Eichamt Dortmund, wo der heute 65-Jährige als Fachbereichsleiter für Waagen, Wägemaschinen und Gewichte tätig war.

Am 1. Juni 2001 ging es – wegen einer neuen Umstrukturierung der Eichbehörde – wieder zurück nach Hagen ins Eichamt an der Pappelstraße, das seit rund eineinhalb Jahren von Simone Wohlan-Schmidt geleitet wird und neben drei Verwaltungskräften 28 Mitarbeiter beschäftigt. Der Einsatzbereich des hiesigen Eichamts umfasst den Ennepe-Ruhr-Kreis, den Märkischen Kreis, Dortmund, den Kreis Olpe und den Kreis Siegen-Wittgenstein.

Joachim Karge vor dem Anhänger des „Eich-Trucks“ des Eichamts Hagen im Landesbetrieb Mess- und Eichwesen NRW. Der Anhänger dient mit seinem genau definierten, schwer wiegenden Inhalt als eigenes Eich-Gewicht für Lkw-Waagen. (Foto: Norbert Fendler)

Weites Feld

Vor Ort ebenfalls als Fachbereichsleiter sowie als stellvertretender Betriebsleiter im Einsatz, widmete sich Joachim Karge fortan der Prüfung von Messinstrumenten aller Art von der Apotheker-Feinwaage, Waagen in Lebensmittelgeschäften und Zählern bis hin zu Industrie- und Lkw-Waagen, der Kontrolle von Tankstellen-Zapfanlagen ebenso wie der von Flüssiggas-Tankwagen.

Bisweilen konnte der „Herr der Maße und Gewichte“ auch einen Blick in Industrieanlagen werfen, die man ansonsten nur von außen sieht. Darüber plaudern darf er jedoch nicht: „Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet!“ Und so richtig Ärger gab es auch nicht in seinem Berufsleben: „Nach ein paar Jahren auf Tour kennt man sich.“

Abschied

Längst hat Joachim Karge den Außendienst-Einsatz zugunsten interner Tätigkeiten eingeschränkt, Spaß macht ihm die Arbeit aber immer noch: „Ich würde es wieder so machen!“ Der offiziellen Verabschiedung am 31. August sieht der bei seinen Mitarbeitern auch wegen seiner menschlichen Qualitäten beliebte Fachmann demzufolge mit einem lachenden und weinenden Auge entgegen. „Als Bundeswehr-Reservist aktiv sein, das war früher mein Hobby, aber das geht nun nicht mehr. Da werde ich mich wohl stärker aufs Lesen verlegen“, meint der 65-Jährige. Ansonsten wird das Familienleben wohl zwangsläufig etwas mehr Gewicht gewinnen. „Aber nur bis zu einer gewissen Grenze“, lacht Joachim Karge. Wenn ihm das Rentner-Dasein denn doch zu bunt wird, wird er wohl einen (Eich-)Strich ziehen: Bis dahin und nicht weiter!