Herzflimmern

Von Claudia Eckhoff

Liebesbotschaften im öffentlichen Raum – das hat was. Wenn es einem so richtig das Herz zerreißt, dann wollen es manche Menschen die ganze Welt wissen lassen.
Riesig glitzern in der Sonne die Herzensschwüre, die in den nassen Sand geritzt wurden – bis das ewige Meer sie verschlingt. Das ist so romantisch! Das kann kein Bettlaken toppen, das sein „Cindy, ich liebe dich“ von der Brücke aus über der Autobahnauffahrt flattern lässt. Obwohl auch das berührt.
Ein „Verzeih mir!“ ans Garagentor gesprüht ist weit mehr als eine Sachbeschädigung. Davon haben wir alle was, denn gleich fängt das Hirn an zu rattern: Wer hat das für wen dahin gesprüht und warum? Was ist nur passiert?
Mein Favorit im öffentlichen Liebesdrama ist diese Botschaft: Eine stark befahrene Straße nahe dem Innenstadtkern. Busstrecke. Zu beiden Seiten Wand an Wand Mehrfamilienhäuser von etwa 1910. Ein gut durchmischtes Multikulti-Viertel. An einer Ecke die Bushaltestelle, die aus Platzmangel nur aus einer Glasüberdachung besteht, die an der Hauswand befestigt wurde. Hoch über dem Glasdach steht seit Wochen mit roter Farbe an die Wand gepinselt „Und alles nur weil ich dich liebe“. Der Schreiber muss athletisch, einigermaßen groß und schwindelfrei sein. Wer war’s? Für wen? Warum?
Nachdem der Satz eine kurze Zeit so dort prangte, muss aber wieder einer (oder eine?) da hochgeklettert sein, um das letzte Wort, das „liebe“, mit weißer Farbe zu überdecken, so dass man es nur noch mit Mühe erkennen kann. Wer war das jetzt? Warum? Wieso? Geht es dabei um zwei oder um drei Liebende?
Ach, das ist ja eine Steilvorlage, die Stoff gibt für Komödie, Vorabend-Schnulze, Krimi oder gar Tragödie. Nur zu! Macht was daraus, ihr Poeten und Autoren! Und lasst es mich lesen. Ich hab‘ jetzt schon Herzflimmern.

Schönen Sonntag.