Herzinfarkt erkennen und vermeiden lernen

Hagen. (Red.) Es ist ein sehr ernstes Thema, das beim nächsten Vortrag im Rahmen des Hagener Gesundheitsforums auf der Tagesordnung steht: Prof. Dr. Peter Weismüller, Chefarzt der Klinik für Kardiologie des Allgemeinen Krankenhauses Hagen, spricht über die Akutbehandlung des Herzinfarktes, wie Betroffenen bei richtigem Verhalten optimal und schnell geholfen und wie vorsorgend das eigene Infarktrisiko gesenkt werden kann.

Der Vortrag mit dem Titel „Der Herzinfarkt: Erkennen und Vermeiden“ beginnt am kommenden Mittwoch, 20. Januar, um 16 Uhr im Forum des Hagener Sparkassen-Karrees. Veranstaltet wird er durch den Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Hagen. Im Vorfeld hat der Referent bereits einige Wochenkurier-Fragen zum Thema beantwortet:

Im Volksmund heißt es, wer ein Jahr nach einem Infarkt noch lebt, hat gute Chancen. Ist an diesem Sprichwort etwas dran?

Es ist richtig, dass die Wahrscheinlichkeit, während und nach einem Infarkt zu versterben, mit zeitlichem Abstand zum Ereignis abnimmt. Allerdings neigen Personen, die bereits einen Infarkt durchgemacht haben, zu Ablagerungen im Herzkranzgefäßsystem, was zu weiteren Infarkten führen kann. Die Chancen nach einem Infarkt sind sehr stark abhängig von dessen Größe, eventuellen Komplikationen und Risikofaktoren des Patienten. Insofern muss man die Aussage relativieren: Eine Person, die noch nie einen Infarkt hatte, hat bessere Chancen als eine, die bereits einen durchgemachten Infarkt hinter sich hat.

Wie erkenne ich als Laie einen Herzinfarkt? Und was ist die sogenannte „goldene Stunde“?

Diese Frage ist ein Kernthema meines Vortrages. Sicher erkennen lässt sich ein Infarkt ausschließlich durch ein EKG und durch Laborwerte. Man kann aber den Verdacht auf einen Infarkt äußern, wenn starke Brustschmerzen auftreten, die nicht innerhalb von 20 Minuten wieder verschwinden. Oft sind diese Schmerzen, die eher einem dumpfen Druck entsprechen, mit Todesangst verbunden. Die Schmerzen sind eher links lokalisiert, können in den linken Arm ausstrahlen, in den Hals, in den Rücken zwischen die Schulterblätter oder in den Oberbauch. Manchmal treten – insbesondere bei Frauen – nur unspezifische Symptome auf wie Übelkeit, Erbrechen, Kaltschweißigkeit, Luftnot oder Blässe auf, ohne dass jedoch typische Schmerzen vorhanden sind. Diese Symptome können aber auch bei den Patienten mit Schmerzen auftreten. Wenn die Schmerzen nicht innerhalb von 20 Minuten verschwinden, muss der Notruf 112 gewählt und der Verdacht auf einen Herzinfarkt geäußert werden. Dann kommt ein Notarzt.
Mit dem Begriff „goldene Stunde“ war ursprünglich die erste Stunde nach Infarktbeginn gemeint. In dieser Zeit sollte der Patient in die Hände professioneller Helfer gebracht werden. Später hat man den Begriff dann auf die Zeit angewendet, die bis zur Wiedereröffnung des verstopften Herzkranzgefäßes vergeht. Heutzutage wird von den internationalen Fachgesellschaften eine obere Grenze vom Eintreffen im Krankenhaus bis zur Wiedereröffnung der Infarktarterie von 60 Minuten angestrebt. Dies ist vor allem am Wochenende und nachts nicht immer leicht zu erreichen.

Treten Herzinfarkte nach Ihren Erfahrungen häufiger zu bestimmten Uhrzeiten auf?

Erfahrungen sind immer subjektiv. Es gibt aber Studien, die bevorzugte Zeiten des Auftretens von Infarkten untersucht haben. Danach gibt es einen Häufigkeitsgipfel morgens zwischen 2 und 4 Uhr.

Was halten Sie vorbeugend von dem berüchtigten Glas Rotwein? Ihm wird ja eine schützende Wirkung zugeschrieben…

Alkohol wirkt auf Gefäßwände tatsächlich eher positiv. Es gibt Untersuchungen, dass Ablagerungen in den Gefäßwänden bei Alkoholkonsum deutlich weniger nachweisbar sind. Allerdings sollte Alkohol nur in vernünftigem Ausmaß konsumiert werden. Alkoholiker haben zwar oft keine oder geringe Ablagerungen in ihren Gefäßen, dafür haben sie häufig eine lebensbedrohliche Leberzirrhose oder eine alkoholbedingte Herzschwäche. Auch die kann zum Tode führen. Außerdem kann Alkoholkonsum zu erhöhtem Blutdruck führen, und der ist ein Risikofaktor für den Herzinfarkt.

Wie stelle ich fest, ob mein Herz völlig gesund ist?

Selbst kann man das nicht feststellen. Es gibt zwar Warnzeichen wie eine geringere Leistungsfähigkeit im Vergleich zu Gleichaltrigen, Angina pectoris (Brustenge), Wasseransammlungen in den Beinen oder Herzrhythmusstörungen – um sicher zu sein, dass das eigene Herz völlig gesund ist, bedarf es jedoch einer umfangreichen medizinischen Diagnostik. Doch auch danach bleibt ein kleines Restrisiko, denn selbst mit den heutigen medizintechnischen Methoden ist nicht alles erfassbar.