Hilfe aus der Einsamkeit

Wetter. (Red.) „Wir haben versucht, demografische Fakten menschlich zu machen und damit ein höchst erfolgreiches Projekt angestoßen, das auf tolle Resonanz bei den Bürgern gestoßen ist“, zeigt sich Bürgermeister Frank Hasenberg hoch zufrieden. Zusammen mit der Ev. Stiftung Volmarstein und der Johanniter Unfallhilfe Hagen hat die Stadtverwaltung erstmals ehrenamtliche Seniorenbegleiter ausgebildet. Seit dem Frühjahr schenken 24 Ehrenamtliche, darunter Studenten, Berufstätige und Rentner, alten Menschen Zeit und Zuwendung. Ein Projekt, das mittlerweile auch in die Nachbarstadt Herdecke exportiert wurde.

Alte nicht alleine lassen

Meistens einmal die Woche besuchen die Ehrenamtlichen „ihren“ Senior, „ihre“ Seniorin. Am Harkortsee spazieren gehen, etwas spielen, zuhören, einen Kaffee trinken gehen – meist sind es kleine, vermeintlich selbstverständliche Dinge, die so wichtig sind. Denn die alten Menschen haben eines gemeinsam: Fast alle stehen ohne Angehörige da oder ihre Familie wohnt weit weg. Fast alle sind – manchmal aufgrund einer Krankheit oder Behinderung – alleine und einsam und kommen kaum vor die Tür. „Den Menschen tut das unheimlich gut, wenn jemand zuhört und wenn sie sich verstanden fühlen“, berichten die Seniorenbegleiter unisono. Und die Freude der Alten tut wiederum auch ihnen gut.

Vor allem zwei Erkenntnisse haben die Stadt bewogen, das Projekt auf die Beine zu stellen: Zum einen der Blick in die Zukunft – in zwanzig Jahren sind vier von zehn Wetteranern Rentner, Alte oder Hochbetagte. Diese nicht allein zu lassen, sondern zur Teilhabe zu bewegen, ist eine große Herausforderung. Zum anderen schlummert in der Bürgerschaft genug Bereitschaft, sich zu engagieren – aber abseits bekannter Formen in Vereinen und Organisationen. „Die Seniorenbegleiter können ihre Zeit frei einteilen, wurden von Fachkräften ausgebildet und verfügen über ein Zertifikat, das sich zum Beispiel auch in einer Bewerbungsmappe gut macht“, sagt Marietta Elsche, die im Rathaus für das Thema BürgerEngagement zuständig ist.

Wo findet man Einsame?

Doch wie findet man einen Zugang zu Einsamen? Bei der Suche nach alten Menschen, für die das Angebot interessant sein könnte, halfen Axel Fiedler und Günter Kremer von der städtischen Pflegeberatung. Sie machen im Rahmen ihrer Arbeit häufig Hausbesuche bei Senioren, die einsam sind. „Die Menschen, die wir angesprochen haben, freuten sich ungemein“, so Axel Fiedler, der beim ersten Treffen immer dabei ist. Außerdem wurden Senioren aus den Einrichtungen der Ev. Stiftung Volmarstein und über den Hausnotruf der Johanniter vermittelt. Behutsam wurden Angebot und Nachfrage zusammengebracht: Manche möchten nur von einer Frau besucht werden, manche wünschen sich einen jüngeren „Kümmerer“, weil der Kontakt zur nächsten Generation sonst komplett fehlt. „Es haben sich mittlerweile sogar richtig enge Kontakte und Freundschaften entwickelt“, so Bürgermeister Frank Hasenberg. Übrigens auch unter den Seniorenbegleitern, die eine verschworene Truppe geworden sind und Neues anstoßen wollen – zum Beispiel gemeinsame Ausflüge.

Das Projekt trägt weitere Früchte: Im kommenden Jahr soll es eine weitere Seniorenbegleiter-Schulung geben. „Zwei Anfragen von Wetteranern, die Seniorenbegleiter werden möchten, liegen schon vor“, so Marietta Elsche.