Hinter den Kulissen vom Muschelsalat

Von Elena Grell

Hagen. 22 Uhr im Hagener Stadtgarten: begeisterter Applaus dringt durch den Wehringhauser Wald. Über tausend zufriedene Gäste haben soeben die Show der Berliner „Artistokraten“ im Rahmen des Muschelsalats gesehen. Die Stimmung ist ausgelassen, wie jeden Mittwoch im Sommer, wenn es heißt „umsonst & draußen – Kultur für alle“.

Andrea Honickel wischt noch einmal den Tanzboden vor dem Auftritt der Artistokraten. (Foto: Elena Grell)
Andrea Honickel wischt noch einmal den Tanzboden vor dem Auftritt der Artistokraten. (Foto: Elena Grell)

Menschen im Hintergrund

Doch damit der Besucher einen angenehmen Abend unter Freunden erleben kann, bedarf es der Menschen im Hintergrund. Andrea Honickel heißt die Frau, die seit 26 Jahren für den reibungslosen Ablauf vor und hinter den Kulissen dieser beliebten Veranstaltungsreihe sorgt.

24 Stunden zuvor: Die Künstler reisen erst gegen späten Abend an, müssen in Empfang genommen und zum Hotel gebracht werden. Man merkt gleich: Das ist kein Job mit normalen Arbeitszeiten. Spät im Bett, beginnt der nächste Tag wiederum schon früh. Um kurz vor Acht am Morgen startet der Tag mit einem Einkauf im Supermarkt. „Kaffee, Obst, Süßes…, all das sind Dinge, die Künstler und Helfer gerne für sich beanspruchen, um gut über den Tag zu kommen“, erklärt die Organisatorin.

Schließlich fängt auch für sie der Tag früh an mit Aufbau, Proben und Vorbereitungen. Kurz darauf werden die für den Tag benötigten Materialien – wie ein Tanzteppich und Bierzeltgarnituren – von einem Transportunternehmen an den Spielort gebracht. Um 9.30 Uhr trifft Andrea Honickel dann Techniker und Künstler auf einer Rasenfläche im Stadtgarten. Es wird abgeklärt, wo die Bühne stehen soll, das Publikum Platz nimmt und an welche Stelle später Catering & Co. kommen.

Begeistert

Martin van Bracht, Kopf der Berliner Artistokraten ist begeistert vom Veranstaltungsort: „Das ist ja wie ein Amphitheater“, freut er sich über den unter Bäumen gelegenen Platz. Dieser ist umgeben von einer aufsteigenden Rasenfläche, die einen guten Blick auf die Bühne ermöglicht. Auch für die Wahl der Orte ist Andrea Honickel zuständig. Schon im Oktober des jeweiligen Vorjahres sichtet sie verschiedene Plätze im Hagener Stadtgebiet, überlegt, welche Künstler wo auftreten könnten, spricht mit den zuständigen Sponsoren und Bezirksvertretern über die möglichen Stücke.

Nachdem diverse Fragen geklärt sind, muss der bis oben hin gefüllte Transporter der Künstler ausgeleert werden. Hinter den Türen kommt ein wahres Sammelsurium zum Vorschein. Diverse Goldrahmen, zwei weiße mit Blumen geschmückte Damenräder, eine gold lackierte Pappkutsche, mehrere barocke Kostüme, ein Einrad und zahlreiche skurrile Dinge stehen dank kräftiger Helfer knapp 30 Minuten später auf dem Platz. Ein in Einzeiteile zerlegtes Trapez muss ebenfalls aufgebaut werden, auch da packt Andrea Honickel selbstverständlich mit an. Angst vor dreckigen Händen oder schwerer Arbeit darf man hier nicht haben. Im Hintergrund bauen die Techniker schon die 9×8 Meter große Bühne auf, Kabel werden verlegt und die Toiletten geliefert und platziert. Nun muss die Künstlergarderobe aufgebaut und eingerichtet werden.

Gemischter Salat

Andrea Honickel wirbelt währenddessen über den Platz, um alles zu koordinieren. Warum sie diesen Job gerne macht? Sie hat es immer geliebt, Verantwortung gegenüber den Geldgebern aber auch Bürgern zu übernehmen und deren Vertrauen zu gewinnen, sagt Honickel. „Gefallen muss nicht immer alles jedem, schließlich ist es ein bunt gemischter Salat, bei dem über den Sommer verteilt für fast jeden etwas dabei ist.“ In jedem Fall könne man aber einen schönen Sommerabend mit Freunden verbringen, erzählt sie weiter. Ihre Energie für die anstrengenden Tage, die gerne mal 16 Stunden oder länger dauern, zieht sie aus den zufriedenen Gesichtern der Zuschauer und Künstler.

Rasen absuchen

Viel Zeit für ausgiebige Gespräche bleibt nicht, denn als nächstes müssen 200 Plastikstühle und 20 Bierbänke gestellt werden. Außerdem wird der Rasen nach Müll und anderen Hinterlassenschaften abgesucht. Da kann es auch schon mal sein, dass Hundehaufen aufgesammelt werden müssen. Der Bierwagen wird währenddessen samt eines Kühlwagens angeliefert, außerdem gibt es Probleme mit der Wasserleitung, die schon zwei Tage vorher gelegt wurde. Kurz drauf ist auch schon die Bauabnahme, schließlich mussten vorab diverse Genehmigungen eingeholt und nun von den Zuständigen der Stadt abgesegnet werden.

Während die Künstler proben, wird der letzte Feinschliff getätigt. Lichterketten aufhängen, Tischdecken auslegen, Bühne wischen und Flyer auslegen. Das Konzept ist seit 27 Jahren sehr erfolgreich, es gab bisher um die 300.000 Besucher insgesamt, die sich bei jedem Wetter Mittwoch für Mittwoch an den unterschiedlichen Schauplätzen im Hagener Stadtgebiet versammeln.

Gegen 22.30 Uhr verlassen die letzten Gäste den Platz, doch für Andrea Honickel und Helfer ist der Abend längst nicht vorbei. Natürlich muss alles, was aufgebaut wurde, auch wieder abgebaut und abtransportiert werden. Nachdem alles verladen ist, schlendern sie gegen Mitternacht noch ein letztes Mal über die Rasenfläche, um Müll aufzusammeln. Ein langer Tag geht zu Ende und obwohl die Füße aller Betroffenen schmerzen, geht man zufrieden nach Hause. Man kann verstehen, warum so ein Job in jeder Hinsicht etwas Besonderes ist und viel Herzblut und Durchhaltevermögen benötigt.

Übrigens: der diesjährige Muschelsalat endet am heutigen Mittwoch in Haspe – im Ennepepark gibt’s ein großes Finale…

Und noch eine zweite Nachbemerkung: Das Finale ist Andrea Honickels letzte Muschelsalt-Organisation. Sie wechselt zu den „HagenMedien“.