Historischer Moment für die Elektromobilität

Emobilität - Vehicle-to-Grid-Technik
Sekunde X: Der symbolische rote Knopf wird gedrückt und repräsentiert einen Meilenstein für E-Mobilität und Energiewirtschaft. Die Vehicle-to-Grid-Technik feierte in Hagen ihre Premiere auf deutschem Boden. (Foto: Heiko Cordes)

Hagen. Gegen 11.40 Uhr am gestrigen Dienstag, 23. Oktober, passierte Historisches in Hagen: Erstmals hat ein Elektroauto Strom in das deutsche Stromnetz eingespeist – und das entsprechend aller regulatorischer Anforderungen. Eine schmale Linie, mittels Beamer auf eine Leinwand projiziert im Konferenzraum der Enervie, stellte dieses Ereignis grafisch dar. Was für Laien nach einem kleinen Schritt klingt, ist für den zukünftigen Umgang mit Energie ein Meilenstein.

Energie speichern

Warum? Das lässt sich an einem einfachen Beispiel fernab des Termins erklären. Jeder hat schon einmal ein stehendes Windrad gesehen. Schuld daran ist fast nie der fehlende Wind. Vielmehr produziert das kleine Kraftwerk Energie, die niemand braucht und die auch nicht gespeichert werden kann. Und hier kommt das Elektroauto ins Spiel. Die Batterien des Autos sind ein Speicherplatz für Energie. Viele Elektroautos – und das ist ja das erklärte (Klima-)Ziel – ergeben auch viel Speicherplatz. „Wir nennen Autos Fahrzeuge, dabei sind es doch mehr Standzeuge“, erklärt Andreas Rimkus, Mitglied des deutschen Bundestages und Experte für das Thema Energie. Fakt ist – viele Autos stehen die meiste Zeit des Tages ungenutzt an einem Ort.

Im Falle eines Elektroautos heißt das, dass die Batterie ungenutzt ist. Mit der sogenannten Vehicle-to-Grid-Technik (V2G) können die Netzbetreiber auf die Batterie – sofern diese an das Netz angeschlossen ist – zugreifen und diese entladen beziehungsweise laden. So kann auf kurzfristig gestiegene Nachfrage nach Energie reagiert werden, und sogenannte Leistungsspitzen werden abgefangen. Auf das Beispiel des Windrads zurückkommend bedeutet das, dass die Rotorblätter nie still stehen müssen und die produzierte Energie zwischengespeichert werden kann.

Vorteil Elektromobilität

In vielen Städten Deutschlands wird über ein Diesel-Fahrverbot diskutiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach kürzlich davon, dass die Verhältnismäßigkeit der Grenz-
werte überprüft werden muss. Eine Lösung des Problems ist die Elektromobilität, die sogar einen doppelten Mehrwert nun bietet: Zum einem umweltschonender Individualverkehr, zum anderen die Speicherung des Stroms aus erneuerbaren Energien.

Ertragreiche Kooperation

Dass dieser historische Schritt in Hagen begangen wurde, lag an der sehr guten Kooperation zwischen dem Technologie-unternehmen „The Mobility House“, dem Energieversorger Enervie, dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion und dem Automobilhersteller Nissan. Alle Partner lieferten einen Baustein für die Realisierung des Projekts.

Autohersteller Nissan stellt mit seinem Modell Leaf ein zukunftsfähiges Fahrzeug vor, dass diese Technik bereits beherrscht. „Von 6.000 Bestellungen in Europa in diesem Jahr haben wir 5.000 aus Deutschland bekommen. Das zeigt, welchen Stellenwert das Thema hier hat“, erklärt Guillaume Pelletreau, Geschäftsführer Nissan Center Europe. Vier Monate muss man derzeit auf einen Leaf warten – ab dem Tag der Bestellung. Das ist deutlich schneller als viele andere Hersteller. Besonders die deutschen Autoproduzenten sind da im Hintertreffen und bekamen von diversen Seiten die Aufforderung, mehr in dieser Richtung zu unternehmen.

Kostenloses Auto

„Lassen Sie uns träumen und die Realität ein bisschen wegschieben“, erklärte Thomas Raffeiner, Gründer und CEO von „The Mobility House“ zu seinen Visionen in naher Zukunft. Ein kostenloses Auto, weil man den dort vorhandenen Speicherplatz an Energieversorger „vermietet“ – so könnte es eines Tages sein. Denn: Fakt ist auch, dass durch die mobilen Speicher die Versorger nicht gezwungen sind, große Speicherbatterien mit der passenden Infrastruktur zu unterhalten. Ein Vorteil für Industrie und Umwelt.

Zukunftsmusik

Nissan testet derzeit in Großbritannien weitere Produkte, die den Endverbraucher noch mehr in den Energiemarkt einbinden. Zum Beispiel Solarzellen auf dem eigenen Haus, deren Energie in der Autobatterie gespeichert wird. Damit könnte eine emissionsfreier Energiekreislauf entstehen und die Vision, dass Automobilproduktion und Energiewirtschaft zusammenwachsen, verwirklicht werden.