Hohenhof in Hagen bietet immer noch Überraschungen

Hagen. In den 1920er Jahren gehörte der aus Norddeutschland stammende Leberecht Migge zu den revolutionärsten Gartengestaltern in Deutschland. „Spartakus in Grün“ nannte er sich damals. Sein Ziel war es, „Selbstversorgergärten“ auf durch und durch biologischer Basis zu schaffen. Doch Migge war nicht immer ein derart radikaler Reformer. Berühmt wurde er vor 1914 in Hamburg, wo er für großbürgerliche Villenbesitzer deren Gartengestaltung plante. Ein solcher großbürgerlicher Auftraggeber war auch Karl Ernst Osthaus in Hagen.

Osthaus hatte sich zwischen 1906 und 1908 am Stirnband in Eppenhausen vom begnadeten belgischen Designer Henry van de Velde sein Landhaus „Hohenhof“ bauen lassen. Von dem Belgier wurde auch der unmittelbar am Haus befindliche Garten mitgestaltet. Ursprünglich sollte van de Velde noch eine Reihe weiterer Villen im Hohenhof-Umfeld bauen. Doch dieses Vorhaben zerschlug sich. Stattdessen übernahm Osthaus eine südlich gelegene Parzelle selbst und beauftragte Migge mit der Ausarbeitung eines Konzeptes – unter anderem mit einem Buchenwäldchen.

Migge nach Hagen zu holen, stieß zwar auf van de Veldes Widerstand, doch der Hausherr setzte sich durch. Migge schuf 1913 im Süden des Hohenhofs – zur heutigen Emster Sportanlage hin – ein System von Wegen, Treppen und kleinen Plätzchen, die im Laufe der Jahrzehnte überwuchert wurden. Auch die Aufstellung eines Kunstwerks war vorgesehen – in der Überlieferung ist von einem Buddha die Rede.

Derzeit wird bekanntlich „100 Jahre Bauhaus“ gefeiert. Hierbei spielt auch der Hohenhof eine bedeutende Rolle – weshalb man vor ein paar Monate begonnen hat, das Schmuckstück im Inneren zu renovieren. Schnell kam dabei die Idee auf, sich auch mal den Garten vorzuknöpfen. Schon bei den ersten Arbeiten zeigte sich, dass dies überaus spannend ist. Die Archäologin Mirjam Kötter von der Unteren Denkmalbehörde in Hagen kam deshalb auf die Idee, um Unterstützung in der LWL-Archäologie-Außenstelle in Olpe nachzufragen. Hier stieß sie auf sehr, sehr offene Ohren. Die Archäologin Eva Cichy, die auch ein großer Fan alter Gärten ist, nahm sich der Sache an.

Seit März sucht sie intensiv danach, was von Migges Plänen noch erhalten ist. Das ist relativ viel. Deshalb ist auch schon klar, dass man im Sommer weiter „buddeln“ wird, um zusätzliche Einblicke in die Epoche vor über hundert Jahren zu gewinnen.

Zwei wichtige Termine

Die interessierte Öffentlichkeit sollte sich schon mal zwei Termine notieren. Am Samstag, 8. Juni, wird am „Tag der Parkanlagen“ ab 15 Uhr eine Führung der Landschaftsarchitektin Susanne Weisser im Hohenhof-­Garten stattfinden. Und am Tag des offenen Denkmals am 8. September werden die Grabungen ausführlich vorgestellt.