Holländische Freudentage

Man könnte meinen, die Einzelhandelsfunktionäre der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi würden von niederländischen Geschäftsleuten bestochen. Na, das wird nicht wirklich der Fall sein, aber wie gesagt, man könnte meinen…
Denn während es an den Sommersonntagen in den Fußgängerzonen und Einkaufszentren der grenznahen niederländischen Metropolen – zum Beispiel in Maastricht – „brummt und summt“, herrscht gleichzeitig in den meisten NRW-Innenstädten eher gähnende Leere. Für den niederländischen Handel ist die Situation traumhaft – im Nachbarland öffnen die Geschäfte über die Sommerzeit hinweg Sonntag für Sonntag ihre Türen und das Desig­ner-Outlet Roermond macht sogar laut Eigenwerbung an „363 Tagen im Jahr“ die Pforten auf. Dort kennt man nicht einmal den Ostermontag oder den Karfreitag.
Das alles führt dazu, dass sich insbesondere an den Feiertagen zwischen April und Juni die Hälfte der NRW-Bevölkerung in den Städten entlang der Maas tummelt und den Niederländern gigantische Einnahmen beschert.
Derartig paradiesische Einkaufsmöglichkeiten bieten die NRW-Städte – abgesehen von ein paar Kur-Orten – bekanntlich nicht. Sie müssen sich mit einigen wenigen „verkaufsoffenen Sonntagen“ (maximal vier) behelfen. Mal abgesehen davon, dass es sich genaugenommen nur um verkaufsoffene Nachmittage handelt, müssen solche Tage auch noch an irgendein besonderes Ereignis angelehnt sein, etwa an ein herausragendes Traditionsfest. Solche Feste gibt es aber nicht überall in Hülle und Fülle, weshalb manchmal neue Aktivitäten erfunden worden sind. Und genau das ruft jetzt immer häufiger die Gewerkschaft auf den Plan – angeblich, um die Arbeitnehmer vor der Sonntagsarbeit zu schützen. Dabei gibt es viele Menschen, die es durchaus schätzen, an einigen Sonntagen im Jahr zu arbeiten, vorausgesetzt, der Freizeit- oder Finanzausgleich ist in Ordnung.
Mittlerweile scheut sich Verdi nicht einmal mehr, allerorten die Gerichte anzurufen – und bislang wurde fast immer zugunsten der Gewerkschaft und gegen die „verkaufsoffenen Sonntage“ entschieden, sehr zur Freude der Niederländer. Die dürfen sich auch weiterhin an vielen, vielen Sonntagen im Jahr auf „halb NRW“ und auf ein Milliardengeschäft freuen. Schön für sie, schlecht für unsere Shoppingzonen.
Tilo