Reden, weinen, malen und den Tod eines nahen Angehörigen verarbeiten: Dabei helfen Trauergruppen der Caritas. (Foto: Caritas)

Hagen. (AnS) Sina stand am Fenster, guckte in den Himmel und winkte fröhlich: Auf die Nachfrage, wen sie denn da grüßen würde, kamen ihr die Tränen und sie antwortete betrübt: „Dem Opa, der wohnt doch jetzt da.“ Im nächsten Moment lachte die Achtjährige und widmete sich fröhlich wieder ihrem Spiel.

„Auch wir weinen und lachen viel“, weiß Ulrike Söth, Kinder- und Jugend­trauerbegleiterin beim Hospizdienst Sternentreppe der Caritas. Dort werden ganz spezielle Trauergruppen für Kinder und Jugendliche angeboten, die ein Elternteil oder ein Geschwis­terkind verloren haben.

„Den Tränen der Trauer folgt ein Lächeln der Erinnerung“ heißt es in einem Trauerspruch und beschreibt treffend das, was Trauernde erleben: Auf Weinen folgt auch wieder ein Lachen und es darf folgen.

Und doch ist der Tod in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Kaum einer weiß, wie er mit seinen Mitmenschen, die einen lieben Angehörigen verloren haben, umgehen soll. Und der Trauernde weiß meist nicht wohin mit seinem Schmerz und seinem Leid. Gut tut es meist, mit jemandem zu sprechen, der kennt, wie der Zurückgebliebene sich fühlt.

„Jeder trauert anders“, erklärt Ulrike Söth, „Kinder und Jugendliche verarbeiten den Verlust wiederum meist wieder ganz anders – von gerade ganz traurig bis im nächsten Augenblick schon wieder himmelhochjauchzend.“ Umso wichtiger sei es, sie aufzufangen, ihnen Raum für ihre Gefühle zu geben. Einen geschützten Raum, in dem sie so sein können, wie sich gerade fühlen.

„Frei über den Tod zu reden, ist für viele keine Selbstverständlichkeit. Ein Mädchen ist nach vier Jahren zu uns gekommen und war erstaunt, wie offen sie sich in unserer Gruppe geben konnte.“

Der Kontakt zu Gleichaltrigen und Gleichgesinnten hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Sprechen, reden, weinen und auch mal lachen, wütend sein oder mal Angst vor der Zukunft oder vor Veränderungen zu haben – hier darf man der Trauer Platz lassen.

Gemeinsam mit Gleichgesinnten gestalten die Kinder und Jugendlichen, um mit der Trauer besser umgehen zu können. (Foto: Caritas)

Viele Freundschaften

Die Kinder und Jugendlichen sind aber auch aktiv: malen, basteln, singen, kochen. „Im Laufe der Jahre sind echte Freundschaften entstanden“, weiß Ulrike Söth aus Erfahrung. Viele Jugendliche kommen immer wieder, einige über Jahre. Manchmal werden auch ein Freund oder eine Freundin mitgebracht.

Der 14-tägige Treff bei den 12- bis 18-Jährigen ist offen, eine Anmeldung zu Erstgesprächen jederzeit möglich.

Keine Therapie

Parallel zur Gruppe der 6- bis 11-Jährigen – mit festen Terminen ab dem 1. Oktober – gibt es ein Elternangebot, das von der Beratungsstelle „Zeitraum“ mitbetreut wird. Wichtig ist zu wissen, dass die Gruppen keine Therapien, sondern nur Begleitung und Unterstützung im Trauerprozess sind.

Diese Hilfe kann ebenfalls außerhalb der Gruppen entstehen. „Wir unterstützen auch schon beim Abschied nehmen direkt nach dem Tod.“ Ulrike Söth fährt oft ins Krankenhaus, um sich zu kümmern. „Für mich eine unheimlich wertvolle Arbeit, bei der ich viel mitnehmen kann.“

Beide Gruppen treffen sich im Köhlerweg 7, eine erste Kontaktaufnahme ist möglich unter Tel. 02331 / 8039180 (AB).