Hundertwasser, der Natur-Liebhaber

Hagen. (saz) Momentan „läuft“ im Hagener Osthaus-Museum an der Hochstraße (Museumsplatz 1) eine formidable Ausstellung mit Werken von Friedensreich Hundertwasser. Schon fast 40.000 Besucher wollten diese Ausstellung sehen. Viele kennen ihn als Künstler oder Architekten, doch Friedensreich Hundertwasser war noch mehr. Die Umwelt lag ihm sehr am Herzen, Ökologie hatte für ihn geradezu einen religiösen Aspekt.

Auch Hundertwasser wusste schon, dass der öffentliche Nahverkehr für die Umwelt besser ist. Auf einem seiner Umwelt-Plakate ruft er die Stadtbewohner zur Nutzung von „public transport“ auf. (Wk-Foto: Dr. Ralf-Rainer Braun)
Auch Hundertwasser wusste schon, dass der öffentliche Nahverkehr für die Umwelt besser ist. Auf einem seiner Umwelt-Plakate ruft er die Stadtbewohner zur Nutzung von „public transport“ auf. (Wk-Foto: Dr. Ralf-Rainer Braun)

Hundertwasser setzte sich für die Sauberkeit der Meere und für Wale ein. Außerdem war er ein großer Gegner der Atomkraft. Auch in seiner Kunst und in seinem Lebensstil spiegelte sich in vielen Aspekten die Verbindung zur Natur wider. „In seinen Bildern kann man etwas erkennen“, erklärt Dr. Ralf-Rainer Braun, Leiter des Hagener Umweltamtes, die Bilder des Künstlers. „Er hat etwas zu sagen, eine Nachricht.“ Und diese Nachricht lautet: Der Mensch soll im Einklang mit der Natur leben und die Umwelt zu einem wichtigen Teil seines Lebens machen. Hundertwasser hat der Natur immer Raum gegeben und sich dafür eingesetzt, sie in die Städte und Wohnungen hineinzubringen. Seine Hundertwasser-Häuser sind bekannt dafür, dass sie Pflanzen und Bäume in den Bau integrieren.

Kreislauf des Lebens

Doch er ging sogar noch weiter. In seinem Manifest „Scheißkultur – Die heilige Scheiße“ von 1979 beschreibt er in seiner gewohnt derben Sprache einen Kreislauf. „Er spricht davon, den Kreislauf zu schließen. Das tägliche Brot nehmen wir von der Erde, also sollen wir es der Erde auch zurückgeben“, erklärt Braun. Zu diesem Zweck hat Friedensreich Hundertwasser seine Humus-Toilette erfunden, die Küchenabfälle und Ausscheidungen in Humus verwandelt, der dem Erdboden zurückgegeben werden kann. Für ihn hatte dies auch einen religiösen Aspekt. In seinem Beitrag für den Katalog der Hundertwasser-Ausstellung im Osthaus-Museum zitiert Dr. Braun den Künstler: „Wir beten zu Gott für unser tägliches Brot, das aus der Erde kommt, wir beten aber nicht, dass sich unsere Scheiße wieder in Erde umwandelt.“ Er plädierte dafür, der Erde zurückzugeben, was wir von ihr nehmen.

In der Schließung des Kreislaufs war der Künstler bis in seinen Tod hinein konsequent. Er hatte bereits vor seinem Herzversagen auf der „Queen Elisabeth 2“ verfügt, dass er nackt und nur in die von ihm entworfene Koruflagge gehüllt ohne Sarg auf seinem Grundstück in Neuseeland unter einem Tulpenbaum beerdigt werde. „Selbst in seiner Beerdigung ist sein ökologischer Gedanke zu erkennen“, sagt Dr. Braun.

Ökologische Lebensweise

Eine konsequente ökologische Lebensweise wie Hundertwasser sie gelebt hat, der sogar mit einer „Kläranlage“ aus Pflanzen sein eigenes Trinkwasser aus Abwässern und Urin filterte, ist wohl nur einem leicht „verschrobenen“ Künstler möglich. „Es muss ja nicht immer gleich so ’bunt’ sein, wie bei Hundertwasser“, wie Dr. Braun auch dem „Normalmenschen“ mit auf den Weg gibt. „Es reichen schon die kleinen Dinge wie das Verwenden von Recycling-Papier.“ Es sei vor allem wichtig, das eigene Verhalten zu ändern. So ist dann ein Hundertwasser-Umwelt-Aktivismus auch im kleinen Maße möglich.

Allein schon in der Änderung der eigenen Mobilität sieht Dr. Braun einen Schritt in die richtige Richtung – manchmal kann man das Auto auch einfach mal stehen lassen und auf das Fahrrad oder die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen. „Da ist dann aber auch die Stadt gefragt, denn die entsprechende Infrastruktur muss da sein. Ohne Fahrradwege oder einen guten ÖPNV kann das nicht funktionieren.“

Vegetation in der Stadt

In seinem „Friedensvertrag mit der Natur“ von 1998 spricht der Künstler unter anderem auch von der „Toleranz der Spontanvegetation“. Bei diesem Thema stellt sich die Frage, wie Hundertwasser in der heutigen Gesellschaft als Vorbild genutzt werden kann. Auch hier sieht Dr. Braun Möglichkeiten, wie die Natur in die Stadt integriert werden kann: „Bei der ökologischen Grünflächenerhaltung kann es mitunter billiger sein, wenn Wildsaat genutzt wird und wir Hundertwassers Motto ’Lass wachsen’ nachkommen. Auf manchen Arealen sind Wildblumen und -kräuter gängig, allerdings muss das auch den Gegebenheiten angepasst werden.“

Viele Großstädte folgen bereits Hundertwassers Vorbild der Verbindung von Architektur und Natur, wie Braun betont: „In New York beispielsweise gibt es das ’urban gardening’. Dort werden Dächer und auch Mauervorsprünge in Gärten umgewandelt mit Bänken, Gemüse und Tomaten. Außerdem gibt es auch die sogenannten ’vertical forests’. Das sind Fassaden, aus denen Bäume herauswachsen. Wir sehen also, die Spontanvegetation ist auch in den Städten durchsetzbar.“

Ausstellung

Noch bis zum 25. Mai 2015 kann im Hagener Osthaus-Museum in der Ausstellung „Hundertwasser – Lebenslinien“ auch der ökologische Aspekt des künstlerischen Schaffens Hundertwassers betrachtet werden. Neben Modellen von Hundertwassers begrünter Architektur sind auch Nachbauten der Humustoilette und der Pflanzenkläranlage zu sehen.

Dr. Braun lobt Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin, dem es gelungen ist, die ganze Vielfalt Hundertwassers in einer Ausstellung zusammenzutragen. Der Zuspruch der Besucher ist sehr positiv und so hofft Dr. Braun, dass auch der ökologische Aspekt des Künstlers, Architekten und Umwelt-Aktivisten einen neuen Zusatzschub in den Gedanken der Menschen bekommt. Immerhin ist das Thema Umwelt, welches Hundertwasser sein Leben lang, ja bis in den Tod hinein begleitete, heute aktueller als je zuvor.


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