Ideale Wahl

Haspe. (san/ME) Die Hasper haben ihre „5. Jahreszeit“ eingeläutet. Am vergangenen Samstag startete der diesjährige Ulk-Reigen im „Ufo“ – das ist die Rundturnhalle an der Kölner Straße – mit dem Festkommers. Proppevoll war’s. Und die, die eine Karte ergattert hatten, kamen hundertprozentig auf ihre Kosten. Am kommenden Wochenende geht’s weiter mit dem Kirmes-Anstich und dem Wolkenschieben (am Samstag, 11. Juni 2011, ab 15 Uhr auf dem Markanaplatz an der Corbacher Straße).

Muss man noch Worte über den von Siegfried Gras ins Leben gerufenen Kirmesgottesdienst verlieren? Mit Esel Fridolin und dem kleinen Bonifaz plaudert er dann immer am Festsonntag kabarettreif von der Kanzel - das wird auch 2011 der Fall sein. (Foto: wochenkurier-Archiv)

Beim Kommers wurde zunächst der bisherige Iämpeströter, Peter Hagemann, mit allen Ehren verabschiedet und dann der neue inthronisiert. Für diesen besonderen Posten konnte man im Jubiläumsjahr – der Hasper Heimat- und Brauchtum-Verein blickt auf stolze 150 Jahre Ulk zurück – eine Star-Besetzung gewinnen (ohne damit frühere Iämpeströter abqualifizieren zu wollen): den im letzten Jahr in den Ruhestand gewechselten Pfarrer Siegfried Gras. Der begnadete Hobby-Musiker ist wie kaum ein anderer dem Hasper Brauchtum verbunden. Und so war er denn schon häufiger als Iämpeströter im Gespräch. Doch früher hat er stets abgewunken.

In diesem Jahr war er jedoch bereit für die Amtsübernahme! Jetzt war er bereit – im Doppel-Jubeljahr: 150 Jahre Hasper Kirmes und 150 Jahre Hasper Kirche (zwangsläufig, denn das Einweihungsfest des Gotteshauses ist als „Kirchweihe“ die Keimzelle der hiesigen Kirmes). Seine Hasper Kirche, in dem der evangelische Pastor noch vor etwas über einem Jahr aktiv wirkte.

Alle Ehren

Als Wachholder-Ritter trat er zunächst in den Kreis der „Erlauchten“, später gab’s die Heimatkette, selbst als Bolzen-Träger war er mit von der Partie und justament vor der Pensionierung steckten die HHBVler ihm noch den Ulk-Orden an. Das Iämpeströter-Amt rundet den Reigen der Auszeichnungen gleichsam ab. Noch mehr Ehrungen gibt es nicht!

Absolut passend ist das honorige Amt der Hasper Symbolfigur für Siegfried Gras, dessen Lebenslauf die Nähe zur Enneperstraße augenscheinlich macht: Aufgewachsen an eben dieser Straße in Westerbauer, Schule bis zum Abitur am städtischen mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium (später Ernst-Meister-Gymnasium) am Kirmesplatz in Niederhaspe. Hier war Jung-Siegfried“ schon frühzeitig mittenmang im Kirmesgeschehen, wenn sich einmal im Jahr das Schulgelände in einen Rummelplatz verwandelte. Nicht so schön war die erste Fahrt mit dem Riesenrad, zu die ihn der Vater “verdonnerte“. „Fortan habe ich die Dinger gemieden“, verrät Gras. „Aber toll war für uns Achtjährige die Raupe: Wenn das Verdeck zuging, konnten wir von hinten immer die knutschenden Jugendlichen beobachten.“ Für die prüde Zeit der 50er Jahre etwas nicht Alltägliches!

Zum Studium auswärts, durfte er als Pfarrer zurückkehren in die Hasper Gemeinde. Hier war er von da an nicht mehr wegzudenken, hat mit seiner offenherzigen Art wohl getan – und tut es noch.

„Sein“ Gottesdienst

Muss man noch Worte über den von Siegfried Gras ins Leben gerufenen Kirmesgottesdienst verlieren? Seit Jahren ist das Gotteshaus in der Frankstraße zum Bersten gefüllt, wenn der Pastor mit Esel Fridolin und dem kleinen Bonifaz am Festsonntag kabarettreif von der Kanzel plaudert.

„Witze waren schon immer mein Ding. Selbst als Grundschulkind hatte ich bereits zwei Schubladen im Geiste: die eine mit ’normalen‘, die zweite mit den nicht ganz so altersgerechten Witzen, die ich bei Familienfeiern stets zum Besten gab – letztere mit Erlaubnis meines Vaters selbstredend…“, erinnert sich Gras.

In diesem Jahr sind die Kirchenbesucher allerdings besonders gespannt: als Ennepeströter im blauen Kittel vor dem Altar? „Für gut zwei Stunden bin ich ganz Pastor, der Iämpeströter 2011 zieht erst im Anschluss los“, kündigt der beliebte Gottesmann an.

Der Ennepe verbunden

Und dann gibt es auch noch die traditionelle Iämpeströter-Fete vor der Kirmes. „Damit die Ennepesträßler ihrem Namen auch alle Ehre machen, werde ich dieses Fest am Gemeindehaus in Westerbauer, Enneper Straße Nummer 96a, begehen.“ Garantiert wieder im bewährten Team mit Freund und ebenfalls Ordensträger Werner Hahn wird er sich darauf vorbereiten. Man darf gespannt sein. Einen Vorgeschmack gab das Duo schon beim Kommers – gemeinsam traten „Hahn & Gras“ den Beweis an, dass viele wichtige Stücke der Musikgeschichte ihren Ursprung eigentlich im „Iämpeströter“-Lied haben…

Im Un-Ruhestand

Werner Hahn war es auch, der den Pastor vom aktiven Dienst ohne Verschnaufpause in den Un-Ruhestand versetzte. Einen Tag nach der Pensionierung fand sich Siegfried Gras gleich in seiner ersten Probe des Seniorentheaterclubs zum Stück „Verlobung im Altenheim“ wieder. Mittlerweile wird bereits eine neue Aufführung einstudiert.

Daneben hat sich der Pensionär einen weiteren Wunsch erfüllt und singt in einem reinen Männerchor mit. Als Opernfan gönnt er sich hin und wieder eine Reise zu einer internationalen Spielstätte, und ein absolutes Muss ist für den Reisefreund weiterhin die jährliche Studienreise der evangelischen Gemeinde Haspe. Schon gut vorbereitet ist Gras auf die Fahrt nach Portugal im September. Von Lissabon geht es durchs Land bis zum Ende des Pilgerwegs nach Santiago de Compostela in Nordwest-Spanien. Für seine Reisegruppe hat er dort bereits Besonderheiten organisiert…

Seinen Ruhestand empfindet Gras als dolce vita – gekrönt von viel Zeit für seine Enkelkinder. „Ich erlebe viel bewusster deren Heranwachsen als das meiner eigenen Kinder damals. Denn heute muss ich mich nicht mehr um die Versorgung der Familie scheren“, genießt Großvater Gras seine Situation.

Doch ob ihm in der anstehenden Session nicht doch der ein oder andere „dienstliche“ Termin dazwischen kommt? Wer sein Hasper Volk gewissenhaft anführen will – und das wird Siegfried Gras ganz bestimmt -, muss wohl doch noch mal den Kalender bemühen. Mit seinem Frohsinn und seinem Gottvertrauen schafft er das garantiert stets gut gelaunt – und die ULK-Hasper dürfen sich einmal mehr an einem lebendigen Symbol von der Ennepe erfreuen.