Ihhh, Geld!

In den nächsten zwei, drei Jahren werden schätzungsweise 50.000 Geschäfte in Deutschlands Innenstädten von der Bildfläche verschwinden, zehn Prozent des aktuellen Bestandes. Das jedenfalls sagt Stefan Genth voraus. Er ist Hauptgeschäftsführer des „Handelsverbandes Deutschland“ (HDE). In einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ forderte er deshalb jetzt eine „Verdichtung der Innenstädte“ und ein „Gesundschrumpfen in den Fußgängerzonen“.

Betroffen seien nicht mehr nur Nebenzentren. Sogar attraktive Standorte – auch in den großen Metropolen – würden von enormen Leerständen bedroht, sagt Genth.
Dass Genth mit seiner Prophezeiung wahrscheinlich Recht hat, lässt sich zum Beispiel mit der Entwicklung etwa in Hohenlimburg oder Haspe belegen. Im Fußgängerzonenbereich Voerder Straße/ Hüttenplatz steht mittlerweile schon mehr als jeder zweite Laden leer. Wo sich früher Boutiquen, Metzgerläden, nette Restaurants und kleine Fachgeschäfte reihten, verdrießen einem heute „schwarze Löcher“ den Bummelspaß.
Nun kann man zwar eine falsche städtebauliche Entwicklung in der Vergangenheit anprangern, aber damit allein ist der Negativtrend nicht mehr erklärbar. Waren früher zum Beispiel alle wichtigen Lebensmittelhändler – von Plus über Tengelmann bis hin zu Aldi, Michael Brücken und zum Konsum – am „Kreisel“ angesiedelt, sind sie heute mehr oder weniger allesamt verschwunden. Einige gibt es noch auf der „grünen Wiese“, andere sind längst „Geschichte“. Manche Lücken wurden in Haspe zwar von mediterranen Händlern geschlossen, aber der Aderlass ist größer als Städteplanern und Politikern lieb sein kann.
Zur Entwicklung trägt insbesondere der Online-Einkauf bei, ebenso aber auch die Einwohnerentwicklung. Denn einerseits wohnen immer mehr Senioren und „Minder-Verdiener“ im Hasper Zentrum, andererseits schrumpft die Einwohnerzahl im Tal der Ennepe generell. Lebten hier 1994 immerhin noch 34.000 Menschen, waren es zwanzig Jahre später gerademal 29.000.
Und noch etwas: Fußgängerzonen leben nicht nur von Geschäften, sondern auch von Erlebnissen. Dazu gehört Außengastronomie (die in Hagen leider von Seiten der Stadt mit viel zu hohen Mieten konfrontiert ist) und der ein oder andere Bummelspaß am Sonntag, so wie beispielsweise in vielen Städten der Niederlande. Aber dergleichen wird in NRW derzeit ja gerne von der Gewerkschaft Verdi torpediert – Motto: Händler und Arbeitnehmer möchten ein bisschen Geld verdienen, ihhhh, wie fies!
Tilo