Im Johannis-Kiga gehen die Lichter aus

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen die Mitarbeiterinnen des Johannis-Kindergartens der Schließung ihrer Einrichtung entgegen. Zum Abschied gibt es ein großes Fest: „Da lassen wir es noch einmal krachen!“ (Foto: Anja Schade)

Hagen. (AnS) Beate Kramps und Judith Goltz ist schon ein wenig mulmig zumute, wenn sie in diesen Tagen durch ihren „Kindergarten“ gehen. Dort, wo jetzt noch fröhlich Kinder spielen, basteln und lachen, ist in wenigen Wochen geschäftiges Ausräumen und anschließende Stille angesagt. Denn die Einrichtung an der Böhmerstraße wird geschlossen…

Die Fenster sind geschmückt, bunt gemalte Bilder hängen an der Wand, im Sandkasten liegen Schaufel und Eimerchen, noch sieht nichts nach Auszug oder gar Abriss aus. Aber am 22. Juli 2011 ist endgültig Schluss: Dann werden die Pforten der evangelischen Johannis-Kita der Stadtkirchengemeinde für immer geschlossen, ab September rücken die Bagger an.

Vielschichtige Gründe

Seit letztem Jahr steht die Entscheidung fest. „Die Gründe für die endgültige Aufgabe sind vielschichtig“, weiß Michael Dahme, geschäftsführend tätig in der 2010 neu gegründeten Kindergartengemeinschaft des evangelischen Kirchenkreises Hagen. Eine große Rolle spielten vor allen Dingen die Finanzen. Ein Investor hatte sich für das Grundstück mit Gemeindehaus – eines von vielen der Johannis-Gemeinde – interessiert, der Verkauf ist besiegelt. Geld, das die Kirchengemeinde gut gebrauchen kann. Denn nicht erst seit KiBiz und Co. sind die Finanzen knapp geworden.

Am Anfang gab es zunächst verschiedenen Überlegungen, den Betrieb an einem anderen Ort aufrechtzuerhalten. „Denn Kita-Plätze im Innenstadtbereich werden immer benötigt“, erklärt Michael Dahme. Der Käufer, der an diesem Ort Seniorenwohnungen errichten wird, wollte zunächst eine Einrichtung für kleine Leute integrieren. Angedacht war auch ein Umzug in ein bestehendes Gebäude oder gar ein Neubau. Immerhin wird hier der älteste evangelische Kindergarten in der Volmestadt geschlossen. 1865 fing es im nahen Reservistenheim an, bevor es in das 1955 erbaute jetzige Gebäude ging. Letztlich aber waren diese Vorhaben alle nicht zu stemmen, die Ansätze scheiterten. Zumal die kirchlichen Trägeranteile immens hoch sind. „Einstellung des Johannis-Kiga!“, hieß es am Ende.

Kleine, grüne Oase

Traurig für Eltern und 51 Kinder: Denn hinter den mit Efeu bewachsenen Mauern versteckt sich mitten in der City eine kleine, grüne Oase, in deren Garten allerlei Spielgeräte zum Toben einladen. Tröstlich: Die Einrichtung – innen wie außen – ist bereits verteilt und kommt anderen Kinder-Einrichtungen zugute.

Das Gesicht der Ecke Böhmerstraße/Hochstraße wird sich verändern: Das evangelische Gemeindehaus und das angrenzende Kindergartengebäude werden abgerissen, ein Investor baut hier Seniorenwohnungen. (Foto: Anja Schade)

Schade auch für das Erzieherteam: Auf „25 Jahre Kiga Johannis“ kommen zum Beispiel die Leiterinnen, die den Schlüssel in wenigen Wochen für immer abgeben müssen. „Wir haben hier viel Herzblut ’reingesteckt“, bedauern die beiden, die nach der langen Zusammenarbeit jetzt getrennte Wege gehen müssen. „Bis auf eine Kollegin“, freut sich Beate Kramps aber, „sind alle an neuen Arbeitsstellen untergebracht.“ Und auch die Kinder haben bereits neue Plätze gefunden. „Für die Dötze ist die Aufregung natürlich groß“, wissen Kramps, Goltz und Dahme, „aber es ist für sie auch eine Chance und ein Entwicklungsschritt.“

Abschiedsfest

Beate Kramps und Judith Goltz wie auch Elternschaft und die Kinder wissen seit letztem Jahr von der Schließung und lassen sich nichts anmerken. „Unsere Motivation war ungebrochen. Wir haben das Beste aus der Situation gemacht und lassen es zum Abschluss noch einmal richtig krachen.“ Am Samstag, 2. Juli 2011, soll ein Sommerfest steigen, wie jedes Jahr: Nur dass diesmal ein Abschied bevorsteht. Ehemalige Kindergartenkinder, Eltern, Freunde und alle, die sich dort in den letzten Jahren wohlgefühlt haben, sind eingeladen, ab 14.45 Uhr in die Böhmerstraße zu kommen. Beginn ist um 15 Uhr mit einem Open-Air-Gottesdienst unter dem Motto „Wir sind Wunderkinder“. Anschließend erwartet alle großen und kleinen Besucher ein buntes Spielprogramm und eine Tombola. Höhepunkt: Gegen 17 Uhr findet ein Familien-Mitmachkonzert mit Uwe Lal im Gemeindehaus statt.

Ein schönes Ende also für den traditionsreichen Kindergarten, den die Besucher sicherlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen werden …