In Hagen nix für BMX

Der Hagener John Erfurt hat sich seine Tricks auf dem BMX selbst beigebracht. Stundenlang übt der Schüler in seiner Freizeit. (Foto: privat)

Hagen. (ric) Der 15-jährige John Erfurt hat ein großes Hobby, nur leider kann er es in seiner Heimatstadt Hagen kaum ausführen: Dem BMX-er fehlen schlicht die Möglichkeiten zu trainieren.

Dabei hätte alles so einfach sein können. Im Boelerheider Hamecke-Park gab es eine Rampe, klein zwar, aber immerhin. „Die wurde aber mittlerweile abgerissen“, sagt der Schüler. „Wahrscheinlich, weil sie marode war und niemand eine neue Rampe für Skateboardfahrer oder uns BMXer aufstellen wollte.“ In Haspe gibt es jedoch auch einen Park, der Rampen für Skater und Biker hat. Aber: „Auch der Park in Haspe fällt sozusagen schon auseinander und braucht dringend eine Generalüberholung, nicht nur im Bereich der Qualität, auch die Rampen an sich sind ramponiert.“

John begeistert sich seit 2007 für sein BMX. Angefangen hat er mit einem günstigen Fahrrad, das bald unter dem ehrgeizigen Schüler den Dienst quittierte. Ein neues Rad musste her, eines, das den Anforderungen wie Drehungen, Treppensprüngen und vielen weiteren Tricks standhalten kann. Stundenlang bastelt John Erfurt nun an seinem Rad, wünscht sich neue Teile zu Weihnachten und Geburtstagen und spart sich den Rest mühsam vom Taschengeld zusammen.

Ungeheurer Aufwand

Doch glücklich kann der Schüler, der am liebsten jede freie Minute auf seinem BMX verbringen würde, dennoch nicht werden. Insbesondere in den Wintermonaten können die maroden Plätze in Hagen gar nicht genutzt werden. Damit das teure Rad nicht im Keller verstaubt und der Schüler sein Hobby nicht aufgeben muss, werden lange Fahrten mit Bus und Bahn auf sich genommen. „Es gibt in vielen Städten im Ruhrgebiet richtige Hallen, in denen man super üben kann“, sagt der 15-Jährige. Aber eine Fahrradmitnahme im Zug ist teuer und auch der Eintritt in die Hallen muss bezahlt werden – für den sportlichen Schüler bedeutet dies einen ungeheuren finanziellen Aufwand, den er kaum leisten kann.

„Insgesamt ist es also wirklich schwierig für BMXer und Biker in Hagen“, bedauert John Erfurt. „In Wäldern kann man auch nur in den Sommermonaten fahren.“ Und die bei den Jugendlichen so beliebten Treppenabsätze für ihre Tricks finden sich meist nur in der Innenstadt und den Vororten. „Dort erscheint dann aber auch sofort das Ordnungsamt oder gar die Polizei. Und die mögen unseren Sport nicht. Wir müssen diese Orte dann verlassen.“

Hoffen auf OB

Doch wohin sollen die Jugendlichen? Viele würden ihr Hobby wieder aufgeben, weil die Möglichkeiten zum Fahren fehlten, sagt der Schüler. Deshalb hat er nun selbst die Initiative ergriffen und einen Brief an den Oberbürgermeister Jörg Dehm verfasst, in der Hoffnung, dass die Situation verbessert wird. „Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass man uns vielleicht doch ein wenig entgegenkommt“, sagt der Schüler. Vorerst ausreichen würde es ja, wenn wenigstens die Rampen in Haspe so ausgebessert würden, dass sich die Jugendlichen beim Befahren nicht an morschen Teilen verletzen können.

Das Hobby aufzugeben, nein, das kommt für John Erfurt nicht in Frage. Zu wichtig ist ihm die Freude an diesem Sport, der zumindest in Hagen eher eine Randsportart ist: „Beim BMX-Fahren kann ich komplett abschalten und frei sein. Sobald meine Kopfhörer im Ohr sind und ich die Musik anmache, bin ich nur noch auf meinem Fahrrad und in meiner kleinen eigenen Welt.“