Industrie im SIHK-Bezirk auf „höchster Drehzahl“

Eigentlich läuft alles prima im Zuständigkeitsbereich der SIHK. Doch Ralf Stoffels (l.) und Dr. Ralf Geruschkat machen sich Sorgen: Es fehlen immer mehr Arbeitskräfte und die Ausweisung neuer Industrieausbauflächen lässt auch zu wünschen übrig. (Foto: A.

Eigentlich läuft alles prima im Zuständigkeitsbereich der SIHK. Doch Ralf Stoffels (l.) und Dr. Ralf Geruschkat machen sich Sorgen: Es fehlen immer mehr Arbeitskräfte und die Ausweisung neuer Industrieausbauflächen lässt auch zu wünschen übrig. (Foto: A.

Hagen. (ME/Red.) Zunächst einmal das Wichtigste vorweg: In der Industrie des südwestfälischen Kammmerbezirks (Hagen/MK/EN) brummt‘s, die Nachfrage könnte kaum besser sein. Eigentlich müsste SIHK-Präsident Ralf Stoffels also hochzufrieden in ie Zukunft schauen. Aber er sieht ein paar dunkle Wolken am Firmament. Eine dieser Wolken hat eine „dicke Aufschrift“: Arbeitskräftemangel. Ein weiteres Risiko stellen zum Beispiel auch fehlende Industrieausbauflächen dar.
Spitzenwerte
Die Konjunktur im Märkischen Südwestfalen läuft auf höchster Drehzahl und erreicht Spitzenwerte. „Branchenübergreifend beurteilen 95 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Situation mit gut oder befriedigend. Und 89 Prozent rechnen sogar mit noch besseren oder gleichbleibend guten Geschäften im Verlauf der nächsten zwölf Monate“, fasst SIHK-Präsident Ralf Stoffels, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der SIHK im Herbst 2017 zusammen.
Industrie als Triebfeder
„Triebfeder der südwestfälischen Konjunktur ist die Industrie mit anhaltend positiver Geschäftsentwicklung im In- und Ausland sowie bei den Investitionen, von der auch die produktionsnahen Dienstleister profitieren. Die Unternehmen setzen dabei auf Qualität, Kreativität, Flexibilität, Nischenmärkte und neue Produkte, die sie fit für den globalen Wettbewerb gemacht haben“, ergänzt SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat.
Als Konjunkturrisiken nennen die Unternehmen in der aktuellen Umfrage vor allem den sich zuspitzenden Arbeitskräftemangel (58 Prozent) und die stetig steigenden Energie- und Rohstoffpreise (45 Prozent).
„In einigen Branchen wird nicht nur über Fachkräfte-, sondern schon über Arbeitskräftemangel geklagt, also auch bei ungelernten Kräften. Es besteht somit das Risiko, dass unsere Unternehmen ihr Wachstumspotenzial aufgrund fehlender Arbeitskräfte nicht ausschöpfen können“, so Dr. Ralf Geruschkat weiter.
Weitere Ergebnisse
Die Industrie in der Region konnte die Umsätze von Januar bis Juli 2017 um 6,9 Prozent (NRW 6,1 / Bund 5,6) auf fast 13,2 Milliarden Euro steigern.
59 Prozent der Industrieunternehmen (nach 38 Prozent im Januar 2017 und 28 Prozent im September 2016) berichten über eine gute Geschäftsentwicklung. Weniger als fünf Prozent sprechen von einer „schlechten“ Geschäftslage.
Die Auftragsbücher sind bei den meisten Betrieben gut gefüllt. Die Kapazitäten kommen mit 88 Prozent (Vorjahr 81 Prozent) nah an ihre Auslas­tungsgrenze.
Baugewerbe top
Zwei aktuelle Themen – der Erhalt und die Erneuerung der Infrastruktur sowie der notwendige Breitbandausbau – bescheren dem Baugewerbe eine anhaltende Sonderkonjunktur und einen moderaten Expansionskurs, der nur durch fehlende Haushaltsmittel der Kommunen und sich verschärfende Personalprobleme bedroht scheint.
Hinzu kommt, dass 47 Prozent (Januar 24 Prozent) der Betriebe von guten und nur sieben Prozent von schlechten Geschäften sprechen. Die anhaltende Niedrigzinspolitik und das steigende Sicherheitsbedürfnis fördern den Wohnungsbau, während der Wirtschaftsbau von der boomenden Industriekonjunktur profitiert.
Einzelhandel okay
Die ungebrochen gute Konsumneigung der Verbraucher hat dem Einzelhandel trotz zunehmender Online-Konkurrenz gute Geschäfte beschert. Der Anteil der Optimisten und Pessimisten, die eine weitere Verbesserung bzw. schlechtere Handelsgeschäfte in den nächsten Monaten erwarten, liegt jeweils bei 20 Prozent. Die Perspektiven für das nahende Jahresendgeschäft bleiben angesichts niedriger Sparquoten aber weiter gut.
Dienstleistung stabil
Das Dienstleistungsgewerbe konnte im Sog der ausgeprägten Industriekonjunktur seine Geschäftslage stabilisieren. Knapp 19 Prozent aller Dienstleister blicken optimistisch nach vorn, während 59 Prozent keine Veränderungen und 22 Prozent einen schlechteren Konjunkturverlauf in den nächsten Monate erwarten.
Auch die übrigen Wirtschaftsindikatoren stützen den Aufschwung: Die Auslandsumsätze stiegen bis einschließlich Juli auf fast 5,5 Milliarden Euro (plus 5,6 Prozent).
Trotz des Aufwärtstrends des Euro gegenüber dem US-Dollar ist die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft der Region ungebrochen. In den nächsten zwölf Monaten rechnen 35 Prozent der Industriebetriebe mit einem nochmals steigenden und 52 Prozent mit einem gleich bleibenden Auslandsgeschäft.
9000 offene Stellen
Geruschkat ergänzt: „Letztlich hält bisher auch der Schwung am Arbeitsmarkt an. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Märkischen Südwestfalen binnen Jahresfrist um fast vier Prozent auf 30.234 Ende August 2017 gesunken; die Quote erreicht mit 7,3 Prozent den niedrigsten Augustwert seit der Wiedervereinigung. Gleichzeitig steigt das Angebot mit fast 9.000 offenen Stellen in eine bisher nicht erreichte Höhe.“
Für die kommenden zwölf Monate beabsichtigen 20 Prozent der Unternehmen, rasch zusätzliche Kräfte einzustellen. 68 Prozent wollen ihren jetzigen Mitarbeiterstand halten und nur zwölf Prozent (Vorjahr 23 Prozent) planen mit einer geringeren Beschäftigung. Hier deutet sich ein Problem an, das sich zum Konjunktur­risiko auswachsen könnte.