Industrie, Natur und Glaube

Breckerfeld/Ennepetal. (saz) Angefangen hat alles vor gut 60 Jahren, als Hardy Lahme erstmals Video-Aufnahmen eines Freundes sah. „Um 1955, 1956 war das noch neu – Bilder, die sich bewegten“, erinnert sich der heute 77-Jährige. „Ich dachte mir, da könnte man doch mal was aufbauen.“ Gesagt, getan. Von dem Lohn aus circa 500 Stunden Ferienarbeit leistete sich der gebürtige Ennepetaler eine Schmalfilm-Kamera.

Drei Jahre später war dann seine erste Produktion fertiggestellt. Es handelte sich um einen einstündigen Film über seine damalige Heimatstadt Ennepetal, den er auch mit Text und Musik vertonte. Von nun an war die Kamera Hardy Lahmes stetiger Begleiter. Egal, wann und wo er auf Reisen ging, sein Hobby war immer mit dabei. So auch bei einem Urlaub am Tegernsee. „Am Morgen meines 20. Geburtstags stand ich schon früh auf dem Wallberg, um den Sonnenaufgang zu filmen. Dabei hatte ich zwei verschiedene Sandalen an“, lacht er. Warum? „Ich hatte mir kurz vorher beim Baden zwei Zehen aufgeschnitten.“ Trotz der Verletzung ließ er sich nicht vom Filmen abhalten und hat auch bis heute nicht damit aufgehört.

Unterstützung seit 51 Jahren

Erste Kritikerin der Aufnahmen ist stets Ehefrau Irmhild, mit der Lahme bereits seit 51 Jahren verheiratet ist. Kennengelernt haben sie sich in einer Jugendgruppe, ihre gemeinsame Leidenschaft für das Skifahren verband sie. Dass ihr Gatte so viel Zeit mit der Bearbeitung seiner Filme, mittlerweile gut 80 Stück an der Zahl, verbringt, stört sie nicht. Vielmehr unterstützt sie ihn, wo sie nur kann.

Ihr Lieblingsstück in der Sammlung ihres Mannes ist ein Film über die Wurzeln der Industrie des Ruhrgebiets anhand des Beispieles Ennepe-Ruhr-Kreis, von dem eine Lang- und eine Kurzfassung erstellt wurden. „Er hat da wirklich viel Arbeit reingesteckt und das Ergebnis ist sehr gut geworden“, betont sie. „In der Kurzversion mussten aber leider viele der wunderschönen Landschaftsaufnahmen wegfallen.“

Industriell und christlich

Industrie und Industriekultur sind generell ein Steckenpferd des in Milspe geborenen Rentners, daher findet sich das Thema in vielen seiner Filme wieder. Ebenso sind Aufnahmen von Landschaften und Städte Motive, die Lahme persönlich sehr wichtig sind.

Außerdem macht er auch besinnliche Filme, die einen christlichen Hintergrund haben. So ist beispielsweise ein Film über die biblische Interpretation der Schöpfung mit dem Titel „Im Anfang – Die Schöpfungsgeschichte nach der Bibel“ entstanden. Der Film soll mit Aufnahmen aus den Berner Alpen, der Zoom-Erlebniswelt in Gelsenkirchen und von den westfriesischen Inseln nachempfinden, wie sich die Schöpfungsgeschichte heute in der Natur präsentiert. Mindestens sechsmal wurde dieser Film bereits im Fernsehen gezeigt und wurde von Lahme mittlerweile mit Musik aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn neu vertont.

Heimatverbunden

Viele der rund 80 Filme, die der 77-Jährige bereits gedreht hat, beschäftigen sich mit seiner Heimat, dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Bevor er vor zwei Jahren mit seiner Frau Irmhild nach Breckerfeld zog, bildete die Stadt Ennepetal das Zentrum vieler Werke. So auch von einem seiner frühen Filme über das Tal der Heilenbecke, das „Geburtstal des Autors“, wie es im Titel heißt. In der Filmbeschreibung liest sich das so: „Hier hat er mit Blick ins Tal bis auf die letzten zwei Jahre gelebt und gearbeitet und kennt daher jeden Baum und jeden Strauch, jede Schmiede und jeden Schleifkotten.“

Heimatverbundenheit ist dem Mann, der Filme im „Zeichen der Silberdistel“ macht, in seinen Filmen sehr wichtig. Warum er dieses ungewöhnliche Logo gewählt hat, erklärt Lahme mit seiner Lebenseinstellung: „Die Silberdistel lässt sich nicht kaputt machen und auch mich kriegt man so schnell nicht kaputt.“

Deswegen hat er es sich auch nach seinem Umzug nach Breckerfeld nicht nehmen lassen, seinen neuen Wohnort in sein Hobby zu integrieren. Im November 2014 wurde sein erster Film über Breckerfeld uraufgeführt. Nach der Vorstellung kam der damalige Bürgermeister Klaus Baumann auf ihn zu. „Er sagte, ich hätte das wichtigste Ereignis des Ortes im ganzen Film vergessen: Das Bauernvogelschießen“, lacht Lahme. „Für die Breckerfelder ist dieses Fest vielleicht sogar wichtiger als Ostern und Weihnachten.“ Aus dieser Anregung heraus entstand so schließlich ein über 14-stündiger Film, der die gesamte Veranstaltung dokumentiert.

Aktuelle Projekte

Im Moment arbeitet der filmende Rentner am zweiten Teil über die Kunst, Kultur und Tradition Breckerfelds. Aber auch andere Projekte sind bereits in Planung. „Mehr wird aber erstmal nicht verraten“, sagt Hardy Lahme mit einem Zwinkern. Er ist schließlich immer wieder für eine Überraschung gut.

Wer mehr über den Filmemacher aus dem EN-Kreis erfahren möchte, kann ihn unter der Tel. 0157/ 87436909 erreichen. Auf diese Weise sind auch Kopien seiner Filme zu erhalten. Diese haben mittlerweile als Erinnerungen an die Heimat ihren Weg auf die verschiedenen Kontinente der Welt gefunden. So ist ein Teil des Ennepe-Ruhr-Kreises auch in der großen, weiten Welt zu finden.