„Inklusion“ geht uns alle an: Wichtiges Thema, tolle Filme in Herdecke

Anna Baumann, Inklusionsbeauftragte der Stadt Herdecke, präsentiert gemeinsam mit Dezernent Dieter Joachimi (rechts) und Friedhelm Schürmann vom Onikon die Filmreihe zur „Inklusion“ vor dem Kulturhaus in der Goethestraße. (Foto: Stadt Herdecke)

Herdecke. Es geht uns alle etwas an: das Thema Inklusion. „Ob direkt oder indirekt – wir alle haben Berührungspunkte mit Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen“, weiß Anna Baumann, Inklusionsbeauftragte der Stadt Herdecke. Gemeinsam mit dem Kino Onikon, Goethestraße, hat sie eine Filmreihe zu diesem Thema ins Leben gerufen. Zusammen mit Dieter Joachimi, Dezernent für Soziales, und Friedhelm Schürmann vom Herdecker Onikon präsentierte sie die vier Filmveranstaltungen mit anschließendem Filmgespräch.

Der offizielle Startschuss für den Inklusionsprozess fiel mit dem Ratsbeschluss am 12. Oktober. Jetzt geht es darum, punktuell einzelne Themen anzugehen, die keine neuen in unserer Gesellschaft sind. Dennoch möchte die Stadtverwaltung die Herausforderung Inklusion stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken und verstärkt mit Betroffenen in Kontakt kommen. Baumann appelliert auch an die Bürgerschaft, eigene Ideen und Anregungen an Sie als Inklusionsbeauftragte heranzutragen.

Denn oft gibt es Hindernisse und Einschränkungen, über die Menschen, die keine körperliche oder geistige Behinderung haben, nicht nachdenken.

Perspektivwechsel

„Es muss ein Umdenken in vielen Köpfen stattfinden“, weiß Dieter Joachimi, der seit einem von Baumann organisierten Sensibilisierungsworkshop im Ratssaal auch seinen Blickwinkel geändert hat. Bei diesem Workshop hatten Beschäftigte der Stadtverwaltung die Möglichkeit, selbst einmal für einen Moment in die Rolle eines Menschen mit einer Geh- oder Sehbehinderung oder sonstigen körperlichen Einschränkungen zu schlüpfen.

„Kino ist auch dafür da, die gesellschaftlichen Entwicklungen aufzuzeigen und Themen aus der Tabuzone zu befreien“, weiß Friedhelm Schürmann, der seit vielen Jahren das Onikon leitet und oft in Kooperation mit der Stadt Herdecke themenbezogene Veranstaltungen organisiert.

„Das Thema Inklusion gab es schon immer, aber mit den Jahren ist es wichtiger geworden“, stellt er fest. So machen immer mehr Werke den Umgang mit geistigen oder körperlichen Behinderungen zum Gegenstand des Drehbuches. Die Auswahl an passenden Filmen ist also groß und kann beliebig erweitert werden.

Baumann und Schürmann haben sich für vier Filme in der „Inklusionsreihe“ entschieden, die das Thema auf unterhaltsame Weise angehen. So wurden Spielfilme gewählt, die in der Kategorie Komödie eingeordnet sind.

Französischer Start

Die Reihe startet mit dem Klassiker „Ziemlich beste Freunde“ am Freitag, 10. November, um 20 Uhr. Auch wer den Film schon kennt, ist herzlich eingeladen, das französische Werk unter einem anderen Blickwinkel anzuschauen und an dem anschließenden Filmgespräch mit Menschen mit Behinderungen teilzunehmen.

Der Film handelt von dem körperlich behinderten Philippe, der vom Hals an abwärts gelähmt ist. Er lernt den unbekümmerten Driss kennen, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde und sich spontan als Philippes Pfleger bewähren soll. Beim anschließenden Gespräch geht es vor allem darum, alltägliche Fragen im Umgang mit Menschen mit Behinderungen zu stellen.

Eine Woche später, am Freitag, 17. November um 20 Uhr präsentieren Anna Baumann und das Onikon den Film „Lars und die Frauen“. In diesem Film geht es um den sozial isolierten Lars. Als er die Bekanntschaft der lebensgroßen Silikonpuppe Bianca macht, ändert sich sein Leben völlig. Im Anschluss an den Film wird Andrea Schür-Brüning vom Verein Wetterleuchten. für Gespräche zur Verfügung stehen. Der Verein Wetterleuchten kümmert sich seit langer Zeit um die Belange psychisch kranker Menschen.

Aus dem Alltag

„Verrückt nach Paris“ heißt es dann am Freitag, 24. November, um 20 Uhr. Dieser dritte Film ist etwas Besonderes, da die Hauptrollen von Menschen mit Behinderungen besetzt sind. Hilde, Karl und Philip sind von ihrem Leben im Heim für Behinderte gelangweilt. Sie brechen gemeinsam aus dem Alltag aus, eine Reise voller Hindernisse beginnt.

Als Gast für das Filmgespräch wird Sebastian Scholle, selbst körperlich behindert, für Fragen der Interessierten zur Verfügung stehen und aus seinem Alltag berichten.

Inklusion im Klassenzimmer

Ein Thema, das viele gerade ganz aktuell beschäftigt, ist die Inklusion im Klassenzimmer. „Ich. Du. Inklusion.“ bildet den Abschluss der Filmveranstaltungen und fällt als Dokumentarfilm etwas aus der Reihe. Der Film zeigt einen offenen und direkten Schulalltag und begleitet über zweieinhalb Jahre fünf Grundschulkinder mit und ohne Unterstützungsbedarf.

Als Experte steht Matthias Wittler als Leiter der Herdecker Werner-Richard-Grundschule für ein anschließendes Filmgespräch zur Verfügung.

Gespräche

Die Filmgespräche zu den einzelnen Veranstaltungen dauern jeweils etwa 20 bis 30 Minuten. Die Filme entsprechen selbstverständlich den Anforderungen für hörgeschädigte Menschen, der Zugang zum Kinosaal ist barrierefrei.

Bei speziellen Anforderungen zur Barrierefreiheit melden sich Betroffene direkt bei Baumann unter Tel. 02330 / 611-270 oder per E-Mail an: anna.baumann@herdecke.de.

„Wir möchten nicht nur Menschen mit Behinderungen zu den Vorstellungen einladen, sondern ganz besonders auch Interessierte, die keine Beeinträchtigungen haben, sie zu sensibilisieren“, motiviert Anna Baumann. Der Eintrittspreis zu den Filmvorstellungen ist ermäßigt und beträgt jeweils 3,50 Euro pro Person. Reservierungen werden wie immer über das Onikon per Mail an: reservierung@onikon.de entgegengenommen.