Insolvenzverfahren aufgehoben: Sinn-Leffers startet in eine stabile Zukunft

Sinn-Leffers-Geschäftsführung und Sachwalter sind optimistisch (v.l.): Rechtsanwalt Markus Küthe

Sinn-Leffers-Geschäftsführung und Sachwalter sind optimistisch (v.l.): Rechtsanwalt Markus Küthe, Dr. Thomas Kluth, Friedrich Wilhelm Göbel, Rolf Weidmann. (Foto: Tobias Koop)

Hagen. (Red./ME) Das zuständige Amtsgericht in Hagen hat rund zehn Monate nach Antragstellung das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Sinn-Leffers GmbH aufgehoben.
Offensive
„Dies ist der Start in eine stabilere Zukunft von Sinn-Leffers“, schreibt Geschäftsführer Friedrich Wilhelm Göbel in einer Mitteilung an die rund 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der neu aufgestellten Zentrale in Hagen sowie in den 20 Filialen bundesweit. Die Sortimente sollen künftig noch stärker lokal ausgerichtet werden, um der örtlichen Nachfrage angemessen begegnen zu können. Eine Digitalisierungsoffensive habe zum Ziel, die Kunden in der Zukunft verstärkt auch online zu erreichen.
Darüber hinaus sollen sich die Filialen, die in den kommenden drei Jahren „deutlich aufgewertet“ würden, in Zukunft „deutlich emotionaler präsentieren“. Ebenso wolle man das Gastronomieangebot in den Filialen erweitern.
„Wir möchten unseren Kunden klar dokumentieren, dass es immer einen Grund gibt, bei Sinn-Leffers vorbei zu schauen“, schreibt Göbel weiter. Die Sinn-Leffers-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in den Filialen zählten zu den „am besten ausgebildeten und auch motiviertesten im gesamten Markt“, fährt der Geschäftsführer fort.
„Trotz der überraschenden Entscheidung des Bundesfinanzhofes zum Sanierungserlass zum Jahreswechsel 2016/17 haben wir konsequent den Kurs in Richtung Eigensanierung des Traditionsunternehmens im Blick behalten“, erläutert Sanierungsgeschäftsführer Dr. Thomas Kluth.
Die eigenverwaltende Geschäftsführung habe konstruktiv mit dem Sachwalter zusammengearbeitet und die diversen Aktionsfelder Schritt für Schritt erfolgreich beackert. „So haben wir unterm Strich während des Insolvenzverfahrens die Anzahl der Beschäftigten sogar noch erhöht“, so Dr. Kluth.
Rechtsanwalt Rolf Weidmann, Sachwalter bei Sinn-Leffers und in den Jahren 2009 und 2010 Sanierungsbeauftragter bei Karstadt, unterstreicht: „Die Möglichkeiten der Insolvenzordnung – insbesondere die Gestaltung eines Insolvenzplans – sind gut geeignet, Handelsunternehmen mit deren komplexen Vertragsbeziehungen zu sanieren“. Gemeinsam mit der eigenverwaltenden Geschäftsführung sei es in einem angemessenen Zeitrahmen gelungen, einen Insolvenzplan zu entwickeln und abzustimmen, der „die Interessen der Gesamtgläubigerschaft und die Perspektive des Unternehmens fair ausgleicht“.
Die Sanierungsgeschäftsführung wie auch der Sachwalter sind zuversichtlich, dass Sinn-Leffers mit einer restrukturierten Bilanz und neu ausgerichteten Konditionen für das operative Geschäft derzeit markt- und wettbewerbsfähig ausgerichtet ist.
Geschichte
1997 fusionierten die beiden Traditions-Modehäuser Sinn und Leffers. Von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener KarstadtQuelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. Im Dezember 2012 erwarb die Familie Wöhrl, welche auch die vor allem in Süddeutschland bekannte Rudolf Wöhrl AG betreibt, alle Anteile an SinnLeffers.
Aktuell arbeiten in der Unternehmenszentrale in Hagen und den 20 Filialen in Aachen, Bielefeld, Bochum (Ruhrpark), Bonn, Dresden, Hagen, Hamburg-Harburg, Jena, Kassel, Koblenz, Krefeld, Lüdenscheid, Magdeburg, Mainz, Menden, Mönchengladbach, Münster, Oberhausen, Osnabrück und Trier rund 1.300 Beschäftigte.