Iserlohner am Himmelshaken

Iserlohn. (clau) Auf seinem Balkon in der Grüner Talstraße steht ein Spiegelteleskop. Täglich erkundet Erich Herms damit den Nachthimmel und die Gestirne. Ein Reiseteleskop nimmt er zur Stern- und Sonnenbeobachtung mit, wenn er an den Wochenenden auf dem Ijsselmeer schippert.

Marita Richter hat den Himmel immer schon geliebt, aber sich nie viel dabei gedacht, wie sie es nennt. Vor sieben Jahren hat sie sich von Erich Herms Begeisterung für die Sternwarte gleich mitanstecken lassen.

Himmlische Familie und Herr der Ringe

Zum Stammtisch an jedem Mittwoch kommen die beiden zuverlässig jede Woche herauf. Sie leisten ehrenamtliche Arbeitseinsätze und fühlen sich wohl in der „Familie“ der Astronomen und Stern-Gucker. 40 Mitglieder hat die Sternwarte, zehn davon sind regelmäßig aktiv. Jeweils zu zweit machen die Mitglieder Führungen. „Demnächst kommen 15 Betriebsräte“, berichtet Erich Herms. „Die haben sich das Thema ’Saturn – Der Herr der Ringe’ gewünscht.“
Kinder und Jugendliche feiern gern ihre Geburtstage in der Sternwarte. Sie kommen mit vielen Fragen: Wie unterscheidet man Planeten und Sterne? Wie erkennt man die Sternbilder? Was ist eigentlich ein schwarzes Loch? Und: Leuchtet der Polarstern wirklich am hellsten?

Erich Herms hat große Freude an den wissbegierigen jungen Menschen. Sie lassen sich leicht von der Faszination der Sternhaufen, Wasserstoffnebel oder Galaxien anstecken.

Der Iserlohner Erich Herms (l.) hat mit seiner Begeisterung für die Sternenwelt auch die Hemeranerin Marita Richter angesteckt. Der Hagener Carsten Hume (r.) studiert Mathematik und Physik - und fotografiert die Schönheiten des Nachthimmels: Fantastisch anmutende, farbige Sternhaufen, grandiose Wasserstoffnebel und bizarre Überbleibsel von Sternexplosionen haben es ihm richtig angetan. (Foto: Claudia Eckhoff)
Der Iserlohner Erich Herms (l.) hat mit seiner Begeisterung für die Sternenwelt auch die Hemeranerin Marita Richter angesteckt. Der Hagener Carsten Hume (r.) studiert Mathematik und Physik – und fotografiert die Schönheiten des Nachthimmels: Fantastisch anmutende, farbige Sternhaufen, grandiose Wasserstoffnebel und bizarre Überbleibsel von Sternexplosionen haben es ihm richtig angetan. (Foto: Claudia Eckhoff)

Mit Wecker durch die Galaxien

Geöffnet ist die Sternwarte immer mittwochs von 19 bis 21 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr, ab dem 30. September nur noch mittwochs und an jedem zweiten und vierten Samstag von 19 bis 21 Uhr. Im Winterhalbjahr, wenn es länger und tiefer dunkel ist, lässt sich am besten der Himmel beobachten. Besonders nach Süden ergeben sich gute Sichtverhältnisse. Nicht umsonst gibt es zwei Betten in der Sternwarte. „Besonders interessant wird es manchmal zu unchristlichen Zeiten, vielleicht zwischen ein und vier Uhr nachts“, erklärt Erich Herms. „Dann schläft man eben hier oben, stellt sich den Wecker, springt in die Hose, baut die Geräte auf, macht seine Fotos, baut wieder ab und schmeißt sich wieder hin.“

Vieles ist in Eigenarbeit entstanden. Sogar Teleskope haben Mitglieder selbst geplant, konstruiert und gebaut. Das Herzstück aber, der Kuppelturm, musste lange leer stehen und auf sein riesiges Teleskop warten. Zehn Jahre Sparen und eine großzügige Spende machten schließlich die Anschaffung erst möglich.

Ein echtes Fenster zum Kosmos

„Die Ausrüstung unserer Sternwarte sucht ihresgleichen“, sagt Erich Herms stolz. „Und: Wir spulen hier keine Video-Show ab. Bei uns ist alles live! Wir haben ein echtes Fenster zum Kosmos.“
Sieben Astro-Fotografen zählt der Verein, die nicht nur „Sterne knipsen“, sondern sich in der Fachwelt einen Namen gemacht haben.

Die Sternwarte, die im nächsten Jahr 60 Jahre alt wird, finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, freiwillige Zuwendungen für die immer kostenlosen Führungen – und durch die Sternpatenschaften.

Infos zum umfangreichen Programm der Sternwarte unter Tel. 02331/ 590790 oder unter www.sternwarte-hagen.de.