Ist die Grippe in Hagen besonders schlimm?

Schniefnase und Bronchitis rauben derzeit vielen Hagenern den Atem. Meist sind es eher banale Infekte – also klassische Erkältungen. lediglich rund 30 „echte“ Influenza-Fälle sind gemeldet. (Foto: Bärbel Taubitz)

Hagen. (tau) Ob jung, ob alt – die Menschen kippen reihenweise mit schweren Erkältungen um: Seit mehreren Wochen hält sich die Krankheitswelle hartnäckig in unserer Stadt. Volle Wartezimmer, leere Büros und Klassenzimmer. „So schlimm sei’s in Hagen noch nie gewesen, hat mein Arzt gesagt“, erzählen Leser. Alarmstufe rot? Wir haben nachgefragt bei Dr. Claudia Sommer, Leiterin des Hagener Gesundheitsamtes.

Was haut die Leute derzeit aus den Schuhen?

Laut Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts leidet die eine Hälfte der Erkrankten an einem banalen Infekt, die andere an einem echten Influenza-Virus (drei verschiedene Typen grassieren derzeit). Dem Hagener Gesundheitsamt sind rund 30 Influenza-Fälle gemeldet worden. Das sind tatsächlich auffällig mehr als in den Vorjahren.

Also ist die hiesige Lage doch schlimmer als sonst?

Es muss nicht bedeuten, dass es auch mehr Influenza-Erkrankungen gibt. Sondern nur, dass mehr gemeldet worden sind, weil mehr Tests durchgeführt worden sind. Wir hatten die Ärzte in diesem Jahr noch einmal ausdrücklich dazu aufgefordert. Weitere belegte Zahlen gibt es nicht, denn Erkältungen und die sogenannte klinische Influenza sind nicht meldepflichtig. Aber man kann schon von einer extrem hohen Anzahl von Erkrankten sprechen. Im neuesten Bericht des Robert-Koch-Instituts heißt es allerdings, dass jetzt ein leichter Rückgang der Fälle zu verzeichnen sei.

Influenza oder Infekt – muss man sich anderes verhalten?

Nein, auf jeden Fall gilt: Keine körperliche Anstrengung! Bettruhe, viel trinken, warm halten. Und vor allem: Nicht herumlaufen und unnötigerweise andere Menschen anstecken.

Fühlt man sich „anders krank“?

Die echte Grippe ist definitiv eine schwerere Erkrankung. Es geht einem insgesamt wesentlich schlechter. Und sie dauert länger – 14 Tage sind normal. Aber: die typische Influenza hat keinen Schnupfen.

Viele ärgern oder wundern sich, wenn sie bei einem Infekt kein Antibiotikum verschrieben bekommen. Zu Recht?

Nein, die haben einen guten Arzt! Denn der größte Teil aller grippalen Infekte wird von Viren verursacht. Gegen die sind Antibiotika aber völlig wirkungslos. Bei Halsschmerzen, einer laufenden Nase oder Fieber sollte man zunächst auf bekannte Hausmittel zurückgreifen. Erst wenn Beschwerden länger anhalten, eine Bronchitis beispielsweise hartnäckig bleibt, oder Anzeichen für eine bakterielle Infektion zutage treten, sollte über Antibiotika nachgedacht werden.

Lohnt sich eine Impfung noch?

Ich bin ja eine Befürworterin der Grippe-Impfung, aber ob sie derzeit noch sinnvoll ist, sollte individuell entschieden werden. Die richtige Impf-Zeit ist im Herbst.

Hat sich die Impfung aus dem letzten Jahr gelohnt?

Auf jeden Fall, die war ein Volltreffer! Das Serum enthielt Schutz gegen genau die drei derzeit aktiven Viren.