Jugendamt sucht Tagesmütter

Hagen. (san) Rund 200 Tagesmütter sind zur Zeit in Hagen für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren im Einsatz. Und es sollen mindestens doppelt so viele werden, wenn Eltern mit dem Stichtag 1. August 2013 den Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz der Kleinsten geltend machen können.

Die ersten ausgebildeten Tagesmütter des Sozialdiensts katholischer Frauen starten nun in die Betreuung, hier mit der Fachberaterin des SkF, Yvonne Knura (ganz r.). (Foto: SkF)

„Das ist noch ein gutes Stück Arbeit,“ weiß Gerd Steuber, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales. Zusammen mit seinen Mitarbeitern ist er aber sehr zuversichtlich, dass die Kindertagespflege einen gleichrangigen Platz neben den hiesigen Kitas einnimmt. „Und das auf hohem qualitativen Niveau,“ kann David Kubitzek beipflichten. Denn Hagen ist eine von 150 Modellstädten in Deutschland, in denen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders gefördert wird. So gibt es hierzu finanzielle Unterstützung aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Kubitzek ist der Koordinator für das Aktionsprogramm Kindertagespflege am Modellstandort Hagen.

Grünes Licht von Fachfrau

Seit 2010 laufen bei Sozialarbeiterin Sigrid von Dolenga vom Fachbereich Jugend und Soziales die Fäden in Sachen Kindertagespflege zusammen. Den drei Trägern Caritas, Arbeiterwohlfahrt und Sozialdienst katholischer Frauen übergreifend zur Seite, kümmert sie sich eingehend um die Ausbildung von Tagesmüttern, um die Vermittlung der Kinder in die passende Betreuungsstelle und begleitet beide Seiten durch ihre gemeinsame Zeit. Die Mutter zweier Söhne, die seinerzeit selbst ihre Sprösslinge zur Tagesmutter gab und nun seit elf Jahren in der Kindertagespflege tätig ist, kennt alle Frauen, die als Betreuerinnen zur Verfügung stehen, persönlich. Erst wenn Sigrid von Dolenga die angehenden Betreuerinnen auf Herz und Nieren geprüft hat, dürfen sie ans Werk gehen.

Sehr qualifiziert

Bis zu fünf Kinder darf eine Tagesmutter in ihre Obhut nehmen – das kann für manche Frau schon ein eigenständiger Beruf sein, inklusive Sozialversicherung und mit flexibler Zeiteinteilung. Die Interessierten, egal, ob nur an ein bis zwei Kindern oder mehreren, melden sich bei der Stadt oder bei einer der drei Trägereinrichtungen. Unabdingbar sind der Hauptschulabschluss und das Beherrschen der deutschen Sprache, auf weitere Kriterien hin finden Überprüfungen statt, dann kann der Kurs starten. Alle Themen, die das Wohlbefinden der kleinen Kinder angeht sowie Rechtliches werden dabei abgedeckt. Nach bestandener Prüfung gibt es dann in der Regel die Pflegeerlaubnis. Während der Betreuungstätigkeit stehen für die Tagesmütter immer wieder Fortbildungen an. Unsicherheiten und Fragen werden im steten Austausch mit Sigrid von Dolenga geklärt. Das gilt auch für die Eltern, die ihre Kleinen betreuen lassen.

Gewissheit

Das beständige Zurseitestehen gibt vor allem den Eltern Gewissheit, ihr Kind am vertrauenswürdigen Ort untergebracht zu haben. Selbst wenn die Tagesmutter wegen Krankheit oder Urlaubs ausfällt, gibt es dank professioneller Vernetzung Ersatzlösungen. Denn während der “normalen“ Betreuung finden Treffen mit der eventuellen Ersatzmutter und deren Kindern statt, so dass kein Kind in eine fremde Situation gegeben werden muss. „Wir suchen immer nach der individuellsten Unterbringung für die Kinder, zeitlich, räumlich und in erster Linier natürlich nach der ’Chemie’ zwischen den Beteiligten,“ so Fachfrau von Dolenga.

Individuell

Viele Eltern wissen mittlerweile die Flexibilität zu schätzen. Während eine Kindertageseinrichtung eher an starre Zeiten bindet, kann bei der richtigen Tagesmutter das Kind auch bei Spät- und Nachtschichtlern betreut werden, oder wenn man aufgrund des weiten Wegs zur Arbeit schon besonders früh aus dem Haus muss. Flexible Zeiten werden immer wichtiger für Eltern, besonders wenn die Situation auf dem Arbeitsmarkt keine Wahlmöglichkeiten zulässt. „Das gilt übrigens nicht nur für das Betreuen der unter Dreijährigen, denn auch anschließend haben die Eltern ja dieselben Arbeitszeiten. Und dann treffen sie auch noch in den Schulen wieder auf ein starres System,“ erkennt Fachbereichsleiter Steuber die Problematik.

Quote erhöhen

20 Prozent der Hagener Kinder unter drei Jahren werden zur Zeit überhaupt betreut. Zum Ziel gesetzt für die kommenden Jahre haben sich die Verantwortlichen in der Stadtpolitik eine Erhöhung auf 32 Prozent. „Viel für Hagen, wenig im Vergleich,“ weist Gerd Steuber auf Städte wie beispielsweise Düsseldorf hin, wo man auf eine Betreuungsquote von 60 Prozent kommen will.

Gleichwie, in der Volmestadt bietet die Kindertagespflege neben den festen Einrichtungen eine absolut gleichwertige Alternative, oftmals individueller für die Eltern, anschaulicher für die Kleinen, weil im familiären Rahmen, und mit ebenbürtiger Förderung der kindlichen Entwicklung – dank der Schulung der Tagesmütter. Im Übrigen steht diese Aufgabe auch allen Tagesvätern offen, und der ein oder andere nimmt diese auch schon wahr, doch bisher allenfalls als Ausnahme.

Ansprechpartner

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Fachbereichs Jugend und Soziales unter www.kindertagespflege-in-hagen.de. Anlaufstellen sind aber ebenso die Caritas in der Heilig-Geist-Straße, das AWO-Kindertagespflegebüro in der Böhmerstraße und der Sozialdienst katholischer Frauen in der Hochstraße. „Auch wer kurzentschlossen die Kindertagespflege in Anspruch nehmen möchte, sollte sich nicht scheuen zu fragen, bei uns ist (fast) alles möglich,“ bietet Sigrid von Dolenga an, ihre Rufnummer: 0 23 31 / 2 07-44 49.