Jugendberufsagentur für Hagen und EN?

Hagen. (as) Jugendkonferenz stand drauf. Doch von Jugendlichen war wenig zu sehen. Vielmehr war es ein Treffen von Männern im dunklen Zwirn. Eine Handvoll Frauen in Business-Kleidung gehörte auch zur Runde. Die „Woche der Ausbildung“ startete am Montag, 7. April 2014, mit der Jugendkonferenz. Auch wenn Jugendliche nicht anwesend waren. Deren Belange standen im Mittelpunkt der Zusammenkunft. Die zentrale Frage: Ist eine Jugendberufsagentur, wie es sie in Hamburg bereits gibt, auch in Hagen und dem EN-Kreis möglich? Dabei handelt es sich um eine Agentur, die Angebote von Jobcentern, Arbeitsagentur und Jugendämtern bündelt.

Zunächst sorgte Andreas Kahl-Andresen, Referatsleiter bei der Landesregierung von Hamburg, für das große Staunen bei politisch Verantwortlichen aus Hagen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis, Akteuren am Arbeits- und Ausbildungsmarkt und Vertretern von Schulen und Jugendämtern. Die Jugendberufsagentur in Hamburg betreut Jugendliche und junge Erwachsene von der Schule bis in den Beruf. Sie ist zuständig für Mädchen und Jungen, die Unterstützungen nach den Sozialgesetzbüchern 2, 3 oder 8 beziehen.

„Da kann man schon neidisch werden“

Sie kann Hilfen zur Lebensführung ebenso leisten wie Ausbildungs- und Berufsberatung. Jugendliche, die nach der Schule aus dem System herausfliegen, weil sie weder eine Ausbildung beginnen noch eine andere Maßnahme starten, liegen den Teams der Jugendberufsagentur besonders am Herzen. Hier gibt’s Zeit, Raum und auch die personellen Möglichkeiten, sich mit diesen jungen Menschen auseinanderzusetzen.

„Da kann man schon neidisch werden“, gesteht Reinhard Goldbach, Fachbereichsleiter Jugend und Soziales der Stadt Hagen.

So gut sich die Jugendberufsagentur in Hamburg auch eingeführt hat, auf Hagen und den EN-Kreis lassen sich die Verhältnisse nicht so einfach übertragen. „Wir leben hier nicht in einem Stadtstaat, sondern in einer Region, die aus einem Kreis mit neun Einzelkommunen und einer kreisfreien Stadt besteht“, betonte Eva-Maria Kaus-Köster, Geschäftsführerin des Jobcenters Hagen. Deshalb plädierte auch Heiner Dürwald, Leiter des Jobcenters EN, für einen „eigenen Weg“: „Wir können nicht nur nach Hamburg gucken.“

Das Land NRW mit ins Boot holen

Erik O. Schulz, Geschäftsführer der Agentur Mark und Oberbürgermeister-Kandidat in Hagen, sieht in der Region Hagen und EN-Kreis durchaus gute Ansätze: „Die Verantwortungsgemeinschaft ist vorhanden.“ Allein aber, so seine Überzeugung, können die Verantwortlichen hier vor Ort nicht alle Verpflichtungen stemmen: „Wir müssen mit dem Land NRW sprechen und es mit ins Boot holen.“

Wichtig ist dem OB-Kandidaten zudem, „zu wissen wo die jungen Leute stehen“. Weshalb werden manche abgehängt? Wie kann man ihnen helfen? Und: Wie viele sind das überhaupt? Er rechnet mit einem Schock, ähnlich dem, den auch der Hamburger Andreas Kahl-Andresen erleben musste: „Wenn wir von allen wissen, sehen wir auch das ganze Ausmaß des Elends, mit dem wir es zu tun haben“, so Kahl-Andresen. Doch das Wissen bedeutet auch eine Chance. „Wir wollen niemanden verlieren“, sagt Erik O. Schulz. Kein Mädchen, keinen Jungen. Sie sollen eine Perspektive haben.

Eine wie sie das neue Übergangssystem „Kein Abschluss ohne Anschluss“ bieten kann. Doch selbst die Ansätze dieses Landesprojekts unterscheiden sich aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Transparenz zwischen den einzelnen Städen und dem Kreis ist nicht unbedingt gegeben. Von gemeinsam Maßnahmen ist man noch weit entfernt. Nun setzen Städte, Kreis und kreisfreie Stadt auf die Agentur Mark als kommunale Koordinierungsstelle. Hier könnten viele Fäden zusammen laufen.

Kein Jugendlicher darf verloren gehen

Wie das personell möglich sein kann, wird die Zukunft zeigen. Wichtig ist zunächst einmal, Mauern zwischen Kreis, kreisangehörigen Kommunen und der kreisfreien Stadt einzureißen. Nur wer anderen die Hand reicht, hat die Möglichkeit, ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen, fasst zusammen: „Ein Anfang ist gemacht, das Problembewusstsein ist geschärft“, sagt er. Schritt für Schritt sei es möglich, in Richtung Jugendberufsagentur zu gehen. Und: „Künftig darf uns im Interesse von Sozialpolitik und Wirtschaft kein Jugendlicher mehr verloren gehen.“