Jugendliche Flüchtlinge fürsorglich integrieren

Zurstraße. (lz) Seit Ende letzten Jahres hat sich auch Breckerfelds Welt verändert. Mehr und mehr Flüchtlinge machten sich auf den weiten Weg aus Afghanistan, Syrien oder Bangladesh, um hier Frieden und Sicherheit zu finden. Die Begegnungsstätte Bethel in Zurstraße macht sich besonders für die Unterbringung „unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge“ (UMF) stark. Meist sind es Jungen, die von ihren Familien losgeschickt werden, um in Europa sicher leben zu können.

Rotary-Club hilft Bethel-Projekt

Der Rotary-Club im EN-Südkreis setzt sich für humanitäre Dienste, Frieden und Völkerverständigung ein und unterstützt deshalb das Breckerfelder Projekt. Jetzt luden Wohnheimleiter Richard Blanke und sein Kollege Frank Solmecke, Regionalleiter von Bethel regional, zur Scheckübergabe ein. Rotary-Präsident Achim Sedlaczek aus Gevelsberg überreichte mit Vorstandsmitglied Ralf Stoffels eine Spende über 4.000 Euro zur Unterstützung der Einrichtung für Flüchtlingskinder.

Es sei wichtig, die Kooperation der einzelnen Kommunen im Bezug auf das soziale Engagement auszuweiten und den gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis zu vernetzen. Viele der Kinder waren, so berichtet Frank Solmecke, zuvor in Großstädten wie Köln oder Dortmund untergebracht. „Diese Städte sind mittlerweile vollkommen überlastet“, so Ralf Stoffels.

Eine völlig neue Welt

Im Wohnheim werden nun elf Jugendliche durch Betreuer und Koordinatoren wie Sandra Seiler betreut. Ausgelegt ist der ehemalige Heimathof Homborn für 36 junge Menschen. Hier können sie gemeinsam kochen oder den Fitnessraum nutzen. Außerdem steht ein Kicker-Raum zur Verfügung.

Der TV-Raum soll bald als Rückzugsort und Platz für ein buntes Miteinander dienen. Besonders der Medienzugang spielt eine große Rolle. „Das Fernsehen zeigt, was die jungen Menschen draußen in der Welt erwartet, womit sie eventuell konfrontiert werden oder was etwa deutsche Jugendliche von ihnen halten“, erklärte Richard Blanke. Internetzugänge sollen den Ankömmlingen auch die Verbindung ins Heimatland ermöglichen.

Werte, Ängste und Sorgen

In Zurstraße will man den Kindern und Jugendlichen helfen, sich schnell zu integrieren. Das Deutschlernen steht an erster Stelle. In einem zweiten Schritt soll dann nach und nach die Eingliederung in Regelschulen erfolgen. Unterrichtsmaßnahmen gibt es bereits. Jeder Ankömmling beginnt mit 25 Stunden pro Woche, in denen die deutsche Sprache und die hiesigen Werte vermittelt werden.

„Wichtig ist für die Jugendlichen auch die Verbindung zur Außenwelt“, meint Rotary-Präsident Achim Sedlaczek. Beim weihnachtlichen Eierpunsch-Verkauf des Rotary-Clubs in Schwelm waren für die Unterstützung von Flüchtlingskindern 2.000 Euro zusammengekommen, die der Club auf 4.000 Euro aufstockte. „Es ist schwierig Geld einzusammeln“, erklärt Sedlaczek. „Es gilt genau solche Projekte wie in Bethel zu finden, in die man die Spenden passend investieren kann.“

Manche der Kinder, die in Zurstraße ankämen, schliefen schlecht. Auch der angrenzende Wald verursache ihnen eher Unbehagen, erklärt Sandra Seiler, die täglich mit den Jungen zu tun hat. Vor allem intensive Gespräche helfen da, die Ängste abzubauen und Vertrauen zu schaffen.

Ralf Stoffels Fazit: „Die Flüchtlingssituation ist eine Herausforderung. Einer, der wir uns hier gerne stellen wollen und der wir positiv entgegen schauen, um diese Kinder und Jugendlichen optimal in unseren Arbeitsmarkt, aber vor allem auch in unsere Gesellschaft zu integrieren.“