Juli 1761, der Krieg an der Ruhr

Hagen. (ME) Von 1756 bis 1763 tobte in Mitteleuropa der Siebenjährige Krieg. Vor genau 250 Jahren kam es auch in unserer Gegend zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Franzosen auf der einen sowie den verbündeten Preußen und Engländern auf der anderen Seite; zu England gehörte damals Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“). Eines der hiesigen größeren Kriegsereignisse war am 3. Juli 1761 das Gefecht an der Westhofener Brücke.

Der Holthauser Lokalhistoriker Detlef Klimke hat sich mit diesem Gefecht beschäftigt und berichtet über die Zusammenhänge in einer kleinen wk-Serie. Heute folgt Teil 2: Major von Scheither bekommt den Auftrag, die Brücke von Westhofen einzunehmen.

Vermeintlich

Als die französischen Generäle Soubise und Broglie am 2. Juli 1761 erfuhren, dass der englisch-preußische Heerführer Herzog Ferdinand nach Norden abgeschwenkt war, nahmen sie an, dieser ziehe sich über die Lippe nach Nordosten zurück. Und so sonnten sie sich in der vermeintlichen Gewissheit, mit einem Schlage freien Weg nach Hameln, Lippstadt und Münster zu haben und diese Städte endlich belagern zu können. Soubise war zutiefst überrascht, als er erfuhr, dass die „ganze alliirte Armee nach einem ununterbrochenen Marsche von 36 Stunden in der Ebene von Dortmund angekommen wäre“ und somit in seinem Rücken stand.

Der preußische König Friedrich II. (Friedrich der Große) profitierte von den falschen Entscheidungen der französischen Generäle Soubise und Broglie. (Gemälde von Graff)

Er brach am 3. Juli um vier Uhr nachmittags von Unna auf und wich östlich nach Hemmerde aus. Die alliierten Truppen waren jedoch zu erschöpft, um zu folgen. In dieser Situation erhielt der Major von Scheither den Befehl, die Brücke von Westhofen einzunehmen, um den Nachschub der Franzosen über Hagen nach Unna zu unterbrechen.

Major von Scheither

Georg Heinrich Albrecht von Scheither, geboren am 18. Dezember 1737, Sohn eines Offiziers, wurde mit dreizehn Jahren Soldat. 1757 wurde er in einem kurfürstlich braunschweigisch-lüneburgischen Regiment zum Leutnant befördert. Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges war er Adjutant beim Herzog von Cumberland und hatte das Glück, auf einer Streife im Tecklenburgischen mit sechzehn Reitern die ersten Gefangenen des Feldzugs zu machen, einen Offizier mit vierundzwanzig Mann.

Als Herzog Ferdinand am 23. November 1757 den Oberbefehl über die alliierte Armee übernahm, wurde Scheither – inzwischen Kapitän (Hauptmann) – zunächst auch dessen Adjutant, erhielt aber bald darauf den Auftrag, ein Korps leichter Truppen zu werben. Es entstand das Scheither-Korps, das seit 1761 aus vier Karabinerkompanien von je 106 Mann, zwei Grenadierkompanien von je 200 Mann und einer sechzig Mann starken Truppe von gelernten Jägern bestand. Insgesamt rund 900 Mann.

Scheither machte in den Kriegsjahren 1758 und 1759 durch geglückte handstreichartige Aktionen von sich reden. Er galt als einfallsreich, entschlussfreudig und zuverlässig. 1760 wurde er zum Major befördert, 1762 zum Oberstleutnant. Nach dem Krieg wurde das Scheither-Korps aufgelöst. Scheither selbst blieb in der kurbraunschweigisch-lüneburgischen Armee, aber vermutlich ohne konkrete Verwendung. 1777 wurde er Oberst und erhielt 1787 endlich sein eigenes Regiment und die Beförderung zum Generalmajor. Bald darauf verstarb er nach längerer Krankheit am 25. Juli 1789.

Mangel beheben

Im Kriege hatte es sich schon bald herausgestellt, dass die preußische Armee den Franzosen und Österreichern, was die leichten Truppen betraf, im Nachteil war. Die Freikorps, die diesen Mangel beheben sollten und bald darauf angeworben wurden, waren nicht als Kämpfer in der Feldschlacht vorgesehen, sondern hatten die Aufgabe, im „Kleinen Krieg“ den Nachschub des Feindes zu stören, Außenposten zu überfallen und, wo immer es ging, den Feind in schnellen Vorstößen zu behelligen und sich dann schleunigst wieder zurückzuziehen, wie „Zieten aus dem Busch“. Diese leichten Truppen bestanden aus Infanterie- und/oder Kavallerieeinheiten, die nur für die Dauer des Krieges aufgestellt wurden. Über Artillerie verfügten sie nicht; sie hätte diese Truppen zu schwerfällig gemacht. Auch Fahnen führten diese Korps nicht.

Die Mannschaften der Freikorps waren geworbene, nicht ausgehoben Einheimische oder „Ausländer“. Mit zunehmender Dauer des Krieges wurde der Ersatz immer schwieriger, sodass man schließlich auch Deserteure oder sogar gepresste Kriegsgefangene nahm. Zuverlässig waren sie daher nicht. König Friedrich II. bezeichnete seine Freikorps drastisch als „execrables Geschmeiß“.

Militärische Bedeutung der Brücke von Westhofen

Als Zugang zu der norddeutschen Tiefebene standen von alters her vier Einfallswege offen. Der erste Weg führte vom Niederrhein über Wesel, Münster, Osnabrück, Minden nach Hannover. Der zweite Weg führte entlang der Lippe von Wesel über Haltern und Lippstadt. Die dritte Möglichkeit war der Hellweg von (Duisburg-) Ruhrort über Dortmund nach Lippstadt. Beide Wege setzten sich dann Richtung Nordosten weiter fort. Der Kleine Hellweg war die Verbindung vom Raum Köln/Düsseldorf durch das Bergische Land nach Schwelm und von da aus über verschiedene Trassen Richtung Hellweg. Diese Route nahm im Feldzug von 1761 die kleinere französische Armee unter Broglie.

Die zweite französische Marschsäule unter Soubise wählte von Wesel aus zunächst die Lippe-Route. Dann muss der nördlich marschierende Heeresteil die Lippe überschritten und ebenfalls auf dem Hellweg vorgerückt sein. Denn spätestens am 18. Juni war die Armee vereint und erreichte Marten am Hellweg westlich von Dortmund. Sie rückte über Dortmund bis Unna vor. Dort blieb sie – wie bereits erwähnt – elf Tage. Somit wurde der Kleine Hellweg zur wichtigsten Verbindung für den Nachschub aus Düsseldorf und Köln. Da die Westhofener Brücke die direkte Verbindung herstellte, dürfte sie in den Monaten Juni/Juli für die Franzosen von strategischer Bedeutung gewesen sein.

Allerdings wäre sie nutzlos gewesen, wenn zwei weitere Flussübergänge in der Hand des Feindes gewesen wären. Um den Nachschub aus Düsseldorf und Köln über Schwelm, Gevelsberg, Haspe, Boele bis Westhofen zu gewährleisten, mussten auch die Volmebrücke in Altenhagen und die Lennequerung an der Buschmühle unterhalb von Garenfeld gesichert werden. Zum Schutz der linken Ruhrseite waren achtzehn Bataillone Infanterie und acht Schwadronen Kavallerie mit einer Sollstärke von etwa 16.000 Mann. Davon lag der größte Teil bei Westhofen und Hagen. Daraus können wir auf die Bedeutung der drei Flussübergänge Altenhagen, Buschmühle und Westhofen schließen.

Lesen Sie auch Teil 1: „Das Gefecht an der Ruhr-Brücke – Vor 250 Jahren im Siebenjährigen Krieg“

(Fortsetzung nächste Ausgabe)