Junge Hagenerin erlebte Australien als Abenteuer

Erinnerungsfoto mit Koala und den beiden Reisegefährten Nik und Lea: Die Hagenerin Kirsten Hasenpusch (20) war zehn Monate in Australien auf Work- & Travel-Tour und erfüllte sich damit einen großen Traum. (Foto: privat)
„Devil’s Marbles“ – „Teufelsmurmeln“ aus Stein: Gewaltige Felsformationen und bizarre Landschaften sah die Hagenerin auf ihrer Reise durch den Fünften Kontinent. (Foto: privat)

Hagen. (tau) Die Nase im Wind, die Sonne im Gesicht, einfach losfahren, egal wohin und anhalten, wo es schön ist. Dieses besondere Gefühl von Freiheit – davon träumte Kirsten Hasenpusch. Und sie fand es in Australien. Zehn Monate lang durchstreifte die 20-jährige Hagenerin den Fünften Kontinent. Rund 18.000 Kilometer legte sie zurück. Eine Fülle von Erlebnissen, Erfahrungen, Begegnungen und über 25.000 Fotos hat sie von ihrer Work- und Travel-Tour mitgebracht. Ein Abenteuer, das sie veränderte. „Ich bin nicht mehr so unentschlossen wie ich es mal war“, sagt sie. „In Australien musste ich ständig Entscheidungen treffen – vom Job bis zur Unterkunft, was ich als nächstes machen oder einfach auch nur, was ich einkaufen sollte. Das hat mich geprägt.“

Jobs vor Ort

Mit Hilfe der Organisation Travelworks, die sich um die Erledigung von Formalien kümmert, Flüge sowie Jobs koordiniert und vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung steht, startete sie nach dem Abitur Richtung „Down under“. Bereits im Flugzeug lernt sie überraschend Lea und Nik aus Hagen kennen. Sie werden zu Reisegefährten – und Freunden. Das Prinzip von Work & Travel: Länder bereisen und die nötigen finanziellen Mittel durch kurze oder auch längere Gelegenheitsjobs vor Ort verdienen.

Bei einem gigantische Lichtspektakel am Himmel feierte Kirsten Hasenpusch in Sydney den Jahreswechsel. (Foto: privat)

Aber bevor es ins erste Arbeitsverhältnis geht, erfüllt sich das Trio einen großen Traum und fährt zwei Wochen in einem gemieteten Van die Ostküste entlang. Eine Tour voller unvergesslicher Eindrücke. „Am allerschönsten war es in Sawell, einem Surferparadies. Nichts als Weite, Meer, Strand – einfach unbeschreiblich,“ schwärmt Kirsten Hasenpusch.

Farm-Glück

Auch der erste Job auf einer Bananenplantage in der Nähe von Noosa ist ein Glückstreffer. Diana, die alte Lady behandelte die jungen Deutschen wie Familienmitglieder, kocht fantastisch, gönnt ihnen genügend Freizeit. Sie erzählt ihnen von Land und Leuten, von der Schönheit, aber auch den Gefahren der Natur in Australien, bringt ihnen handwerkliche Fertigkeiten bei. Bei Diana erlebt Kirsten ein Stück australischer Mentalität: „Eines Tages sollten wir eine Regenrinne bauen. Wir haben natürlich geplant und alles akribisch abgemessen – bis Diana kam und sagte: ’That‘ll do’, also ’das passt schon. Nehmt das nicht so genau’.“ Wir sagten: „Aber das muss doch alles exakt sein!“ Daraufhin Diana: „Arbeitet australisch und nicht deutsch!“

Mit dem Miet-Van ging es quer durch Australien. Natürlich stand auch der abendlich rot leuchtende „Ayers Rock“ auf dem Besichtigungsplan! (Foto: privat)

Australische Lebensart

Die positive Art der Australier hat es Kirsten besonders angetan. „Ich bin während der ganzen Zeit nur einem unfreundlichen Menschen begegnet,“ erinnert sie sich. „Ansonsten waren wirklich alle Leute nett und unglaublich hilfsbereit. In Australien gibt es keine Ellenbogengesellschaft, keinen großen Druck. Du kannst hier alles werden, auch ohne Schulabschluss oder Studium. Niemand legt Wert auf Statussymbole. Und jeder begegnet dir ganz offen.“ Als sie mit ihrem australischen Lächeln nach Deutschland zurückkehrt, wird ihr erstmals bewusst, dass es hierzulande fast niemand erwidert

Heiligabend am Strand

Auf Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, verbringt die frischgebackene Abiturientin Heiligabend – bei 35 Grad, mit Barbecue am Strand. Das erste Weihnachten in der Fremde. Und dann auch noch ohne Kontakt nach Deutschland. „Wir hatten drei Tage keinen Handy-Empfang“, erzählt die Hagenerin. „Ein seltsames Gefühl. Es war alles irgendwie irreal. Wir hatten einen kleinen Plastikbaum aufgestellt und trugen Nikolaus-Mützen. Aber es herrschte nicht wirklich Weihnachtsstimmung. In unserer kleinen Reisegruppe haben wir abends am Lagerfeuer gesessen, von unseren Familien erzählt, über uns die gigantisch leuchtende Milchstraße in stockfinsterer Nacht.“

Faszinierender „Shell Beach“ mit seinen Milliarden von Herzmuscheln, die eine bis zu zehn Meter dicke Schicht am Strand bilden. (Foto: privat)

Happy New Year

Unter einem ebenfalls glühenden Himmel in Sydney rutscht sie mit ihren Freunden ins neue Jahr, weitere unvergessliche Momente. „In Australien kann man als Privatperson übrigens keine Böller oder Raketen kaufen, das Feuerwerk wird von den Städten organisiert. Eins für Kinder am frühen Abend und eins um Mitternacht für die Erwachsenen. Da hat man keine Angst und fühlt sich an Silvester absolut sicher auf den Straßen“, erzählt die Hagenerin.

Schwere Zeit

Im Januar ergattern die drei den Job-Klassiker für „backpackers“, also Rucksacktouristen: Früchteernte. Doch der entpuppt sich als Knochen-Job: „Wassermelonen für Supermärkte verpacken. Rund 7,5 Tonnen haben wir pro Tag in Kisten gehievt. Eine harte Zeit. Um 5 Uhr aufstehen, die Unterbringung war total verdreckt, wir lagen zu fünft in einem Viererzimmer. Und wurden von den Vorgesetzten ziemlich mies behandelt.“ Auch die nächste Bleibe ist heruntergekommen, statt des versprochenen neuen Job-Angebots gibt‘s Bettwanzen, und die drei müssen in eine Art Quarantäne-Kabuff umziehen. Schwindende Geldvorräte. Viele Bewerbungen, nur Absagen. Dazu Regen. Die Stimmung sinkt. Kirsten erwägt sogar, nach Deutschland zurückzukehren.

Im „Luna Park“ in St. Kilda/Melbourne brachte Kirsten Hasenpusch die historischen Karussells in Schwung und sorgte bei den Gästen für gute Laune. (Foto: privat)

Zum Glück bekommen sie eine Einladung nach Melbourne, wo sie in einer befreundeten WG Unterschlupf finden.

Tolle Park-Zeit

Bei der Geburtstagsfeier für Lea im „Luna-Park“ schließlich kommt die Idee: Warum bewerben wir uns nicht hier? Unter 30 einheimischen Mitstreitern machen sie tatsächlich das Rennen! Drei traumhafte Monate folgen, in denen sie mit ihren Freunden nicht nur in Strandnähe arbeitet, sondern dort auch ein Appartement findet. Und während dieser Zeit gutes Geld verdient. „Man schätzte uns wegen unserer ’typisch deutschen’ Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Und wir hatten auch keine Probleme damit, Feiertagsdienste zu übernehmen. Schließlich war das sowieso alles wie Urlaub für uns.“

Einmal durch Australien

Finanziell ausreichend „aufgetankt“, begibt sich Kirsten – diesmal mit Lea und deren Freund Daniel – auf einen Road-Trip durch ganz Australien. Einen Monat lang sind sie auf Traum-Tour: Die Great Ocean Road entlang geht’s nach Adelaide und schließlich quer durchs wilde Outback, zurück die Westküste entlang. Von Coober Pedy, Ayers Rock über Shell Beach und Coral Bay erlebt Kirsten Hasenpusch alles, wovon sie geträumt hat: Baden im glasklaren Wasser an einsamen Stränden, glühende Sonnenuntergänge, exotische Tiere und bizarre Landschaften.

„Nur gesurft haben wir nicht. Wegen der Haie“, schmunzelt die Hagenerin, die anschließend noch zwei weitere Wochen ganz alleine durch Neuseeland streifte. „Aber man muss ja immer etwas haben, weshalb man wieder kommt. Meine Devise war von Anfang an: Ich verlasse Australien dann, wenn ich eigentlich noch bleiben möchte und nicht, wenn ich es leid oder frustriert bin. So habe ich immer ein gutes Gefühl, dorthin zurückzukehren.“

Vielleicht irgendwann einmal für immer in dieses Land, das doch so traumhaft schön und geruhsam ist? „Nein, ich hab meine Freunde und Familie hier und will meine Ausbildung machen,“ bleibt die 20-Jährige auf dem Boden deutscher Tatsachen, wo sie ein Studium der Wirtschaftswissenschaften angefangen hat.

Auto-Slalom

Außerdem widmet sie sich wieder intensiv ihren Aktivitäten beim Hagener Automobilclub (HAC), wo sie bereits seit Kindesbeinen zahlreiche Erfolge im Cart-Slalom verbuchen konnte. „Jetzt bin ich zum Auto-Slalom gewechselt, trainiere aber weiterhin die Jüngsten,“ freut sie sich auch auf ihre sportliche Zukunft in der Heimat.

Über ihre Zeit in „down under“ hat Kirsten Hasenpusch auch einen Blog im Internet geschrieben: http://kiki-in-oz.over-blog.de.