Kampfmittelräumdienst: Bauboom beschert reichlich Einsätze

Dr. Henner Sandhäger, Dezernent beim Kampfmittelbeseitigungsdienst für Westfalen-Lippe in Hagen, vor einem recht seltenen Fund. Aus dieser Bombe baute sich im Zweiten Weltkrieg jemand einen funktionstüchtigen Ofen. (Foto: Anna Linne)

Westfalen. (wh) Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind Bombenentschärfungen im Ruhrgebiet, aber auch in anderen westfälischen Städten und Regionen immer noch Alltag. Aufgrund des aktuellen Baubooms ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst in Westfalen derzeit so oft im Einsatz wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Suche nach den Blindgängern

Die Zahl der Anfragen an den Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Arnsberg ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dies liegt nicht allein an Zufallsfunden. Grund ist auch, dass vor jeder Neubebauung einer Fläche sicher gestellt werden muss, dass kein Blindgänger im Boden verborgen ist, so Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Dies geschieht zunächst durch die Auswertung von insgesamt rund 140.000 Luftbildern, die die Alliierten unmittelbar nach den Bombardements der Weltkriege in der Region angefertigt haben. Gibt es einen Hinweis auf eine lauernde Gefahr, muss dieser Verdacht vor Ort durch Bohrungen, Grabungsarbeiten und den Einsatz von Metalldetektoren, geklärt werden.

Die hohe Nachfrage von Bauherren beim Dienst der Bezirksregierung kann teilweise zu Verzögerungen von Bauprojekten führen; etwa drei Wochen dauert die Luftbildauswertung derzeit. Deutlich aufwendiger wird es, wenn sich bei bestehenden Gebäuden Hinweise auf Blindgänger ergeben. In Einzelfällen werden dann Böden aufgestemmt und Gebäudeteile abgerissen. So mussten in einem Vereinsheim in Hamm der Fußboden und die Bodenplatte per Kernbohrung durchstochen werden, um mit Sonden nach einer vermuteten Weltkriegsbombe zu suchen. Das Ergebnis lautete schließlich: falscher Alarm.

Klarheit „ist alternativlos“

„In einem Verdachtsfall müssen wir endgültige Klarheit erhalten, ob Blindgänger vorhanden sind und diese auch beseitigen. Das ist alternativlos“, stellt Söbbeler klar. Der Hintergrund sei schließlich ernst. So sind allein im Ruhrgebiet im Zweiten Weltkrieg 150.000 Tonnen Bombenlast gefallen. Fünf bis 15 Prozent davon gelten als Blindgänger und damit als potenziell gefährlich.