Kangaroos wollen die Schmach vergessen

Iserlohn/Hagen (as) „Wenn mir vor der Saison jemand angeboten hätte, dass wir mit nur zwei Niederlagen in den März gehen – das hätte ich sofort gekauft.“ Nur zwei Niederlagen sind es tatsächlich. Matthias Grothe, Trainer des Basketball-Regionalligisten NOMA Iserlohn, könnte zufrieden sein. Eigentlich. Aber: „Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass die BG Hagen Anfang März nur eine Niederlage auf dem Konto hat, hätte ich sparsam geguckt“, sagt Matthias Grothe. Augenblicklich vollzieht er die Meisterschaft im sparsam Gucken.

Kangaroos springen einfach höher: Hier übernimmt Fabian Bleck die Initiative. (Foto: Yasmin Sch.-Hostedde)
Kangaroos springen einfach höher: Hier übernimmt Fabian Bleck die Initiative. (Foto: Yasmin Sch.-Hostedde)

Es ist der Tag der Revanche

Aber er guckt auch zuversichtlich, vielleicht sogar grimmig-zielstrebig in die Zukunft. Die erste Saisonniederlage, noch dazu eine empfindliche 86:102-Heimschlappe, kassierte sein Team ausgerechnet gegen die BG aus Hagen. Nun kommt der Tag der Revanche. Der Tag, an dem die Iserlohner Zweitplatzieren den Tabellenführern aus Hagen die zweite Saisonniederlage zufügen möchte. Schauplatz des Gipfeltreffens ist Hagen, die Otto-Densch-Halle. Zeitpunkt: Freitag, 7. März 2014. Sprungball ist um 20.15 Uhr.

BG Hagen gegen die Iserlohner Kangaroos: Das Spiel ist in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes. Hier stehen sich zwei Kooperationspartner von Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen gegenüber. Beide dribbeln und passen um den Aufstieg.

Für Matthias Grothe bekommt das Besondere noch eine ganz persönliche Dimension. Denn der Iserlohner Trainer ist gleichsam Jugendkoordinator bei Phoenix Hagen. In dieser Funktion hat er die Top-Nachwuchskräfte hüben wie drüben betreut und trainiert. „Und mit den Älteren hab ich selbst noch zusammen gespielt“, sagt er. Lange ist das noch nicht her. Der ehemalige Phoenix-Kapitän Matthias Grothe beendete seine beeindruckende Basketball-Karriere erst vor knapp vier Jahren. Seither trainiert er die Kangaroos – und die Youngsters von Phoenix.

„Wir dürfen uns nicht von den besonderen Rahmenbedingungen beeindrucken lassen“, sagt Matthias Grothe. „Sobald das Spiel beginnt, geht es nur noch ums gewinnen.“

Vier Tage Pause hatte der Iserlohner Coach seinen Spielern nach dem jüngsten 91:69-Erfolg gegen Ronsdorf spendiert. „Das hatten sich die Jungs verdient“, sagt er. „Es war einfach an der Zeit, den Kopf frei zu kriegen.“

Davon träumen die Fans der Iserlohner Basketballspieler: Joshua Dahmen beim Dunking. Vielleicht ist solch eine Zauberei gegen die BG Hagen beim Spitzenspiel der Regionalliga möglich. (Foto: Yasmin Sch.-Hostedde)
Davon träumen die Fans der Iserlohner Basketballspieler: Joshua Dahmen beim Dunking. Vielleicht ist solch eine Zauberei gegen die BG Hagen beim Spitzenspiel der Regionalliga möglich. (Foto: Yasmin Sch.-Hostedde)

Joshua Dahmen beißt auf die Zähne

Doch nun geht’s wieder ans Training. „Wir werden uns ganz speziell vorbereiten“, orakelt Matthias Grothe. Nach wie vor muss er auf Nachwuchs-Guard Niklas Geske (Bruch im Handgelenk) verzichten. Ein anderer Spieler aber wird wieder dabei sein. Joshua Dahmen, vor wenigen Wochen mit einem Bänderriss im Fußgelenk ausgeschieden, steigt ins Training ein. „Joshua kann auf die Zähne beißen“, kommentiert Matthias Grothe. Für den unbändigen Willen des Flügelspielers, oder, wie es heute heißt, Forward hat er allergrößtes Verständnis: „Wir alle wollen die Schmach vom Hinspiel vergessen machen.“

Es ist der Traum vom Aufstieg, der NOMA-Spieler und ihren Trainer antreibt. In dieser Saison wollen die Kangaroos aus der Regionalliga hinaus springen. Damit das gelingen kann, müssen sie in Hagen nicht nur gewinnen, sondern einen Erfolg mit mehr als 16 Punkten einfahren. „Sollte die Saison für beide Teams gleich gut weitergehen, hätten wir bei einem hohen Sieg im direkten Vergleich die Nase vorn“, sagt Mattias Grothe.

Wer hatte die BG auf dem Plan?

Als Favoriten wurden die Iserlohner Kangaroos vor der Saison gehandelt. Grevenbroich galt ebenfalls als heißer Aufstiegskandidat. Aber die BG Hagen, die sich nun tatsächlich auf Platz eins der Tabelle sonnt? „Die BG Hagen hatte anfangs wohl niemand auf dem Plan“, gibt Matthias Grothe zu. „Wir wussten alle, die Mannschaft ist toll, es gehört zu den Top-3- oder -4-Teams.“ Doch nun hat es die BG nach vorn geschafft. „Kompliment“ vom NOMA-Trainer.

Gastgeschenke in Form von Punkten wollen die Iserlohner jedoch nicht verteilen. Die BG, davon ist Matthias Grothe überzeugt, bekommt es mit einer neuen Iserlohner Mannschaft zu tun. „Das Team ist zusammengewachsen“, sagt er. Er schwärmt vom neuen Center Christian Ellis: „Ein toller Spielertyp.“

„Wir spielen jetzt mit Leichtigkeit und unbändiger Lust“, sagt Matthias Grothe. „Dass eine Mannschaft solch einen Spaß hat beim Spiel, ist auch beim Basketball nicht selbstverständlich.“ Die Vorfreude auf das Gipfeltreffen ist unbändig.

Nur 400 Zuschauer passen in die Halle

Nicht aber bei den Iserlohner Basketball-Fans. Nur wenige werden die Chance haben, die Iserlohner bei ihrem Auswärtsspiel in Hagen anzutreiben und womöglich zu feiern. Denn: Die Hagener wollen die Begegnung in ihrer Heimspielstätte, der Otto-Densch-Halle, austragen. Doch dort finden gerade einmal 400 Zuschauer Platz. Ein Wechsel in die Ischelandhalle kam für Hagens Trainer Costa Filippou nicht in Frage. Die BG wollte ihren Heimvorteil nicht verlieren.

Aber ist das wirklich ein Vorteil? „Lange, sehr lange habe ich versucht, daran zu denken, wann ich zuletzt in der Otto-Densch-Halle verloren habe“, sagt Matthias Grothe. Er lacht: „Ich kann mich nicht erinnern.“ Es ist dieses Lachen der Zuversicht, das die Iserlohner Fans seit Jahren mitreißt.