Karen Haltaufderheide kandidiert für Die Grünen

Kandidiert im Wahlkreis 104 für Die Grünen: Karen Haltaufderheide. (Foto: Privat)

EN-Kreis/Hagen. (zico) Der Countdown für die vorgezogenen Landtagswahlen am 13. Mai 2012 läuft: Mittlerweile prägen wieder die Plakate unterschiedlichster Couleur die Stadtbilder, und die Kandidaten der Parteien mischen sich unters Volk, um Stimmen einzufangen.

Im Wahlkreis 104 (Gevelsberg, Ennepetal, Breckerfeld, Hagen-Eilpe, Hagen-Haspe) bewirbt sich für Die Grünen Karen Haltaufderheide aus Wetter um das Direktmandat. Die 51-Jährige Ruhrstädterin ist „geschieden und wieder in festen Händen“, hat fünf erwachsene Kinder und ein Enkelkind. Sie hat Sozialwissenschaften studiert und arbeitet als Geschäftsführerin der Grünen in Hagen. „Wenn ich Zeit habe, fahre ich Fahrrad, mache Musik, besuche Trödelmärkte oder genieße die Provence“, benennt Karen Haltaufderheide ihre Freizeitaktivitäten. Der wochenkurier befragte sie nach ihren politischen Standpunkten.

Was hat Sie bewogen, am 13. Mai bei den Landtagswahlen für Die Grünen zu kandidieren?

Karen Haltaufderheide: In meiner langjährigen kommunalpolitischen Arbeit bin ich immer wieder an Schranken gestoßen, die durch verbesserungswürdige landespolitische Entscheidungen gesetzt wurden. Das hat mich schon vor längerer Zeit veranlasst, mich auch landes- und bundespolitisch bei den Grünen zu engagieren. Ich bin seit einigen Jahren Sprecherin unserer Landesarbeitsgemeinschaft Soziales und habe den Sozialtext unseres Programm-Updates 2012 mitverfasst. Was liegt da näher, als sich selbst um ein Mandat zu bewerben?

Was sind Ihre politischen Schwerpunkte?

Karen Haltaufderheide: Soziale Gerechtigkeit ist mein großes Thema. Im Einzelnen heißt das zur Zeit in Bezug auf den Arbeitsmarkt: faire Löhne statt Minijobs und Niedriglohn, gleicher Lohn für Frauen, ein sozialer Arbeitsmarkt für diejenigen, die am ersten Arbeitsmarkt nicht ohne Unterstützung mithalten können. Zweiter Schwerpunkt sind die Rechte von Menschen mit Behinderungen, selbstbestimmt mitten in der Gesellschaft zu wohnen, zu lernen und zu arbeiten. Drittens möchte ich das Zusammenleben in den Wohnquartieren so umgestalten, dass es Anlaufstellen für Beratung, Pflege, Nachbarschaftshilfe und kleine Dienstleistungen gibt, so dass ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können.

Welche politischen Erfahrungen werfen Sie in die Waagschale?

Karen Haltaufderheide: Von ehrenamtlichen Tätigkeiten in Elternvertretungen, Vorstandstätigkeiten in Vereinen über Ausschussarbeit, zwölf Jahren Fraktionsvorsitz im Rat der Stadt Wetter und Ausschussvorsitz über Ausschussarbeit im Kreis bis zur Sprecherin einer Landesarbeitsgemeinschaft und Delegierten auf Landes- Bundes- und Europaebene habe ich in sehr vielen Rollen Erfahrungen in politischer Arbeit gesammelt. Ich habe gelernt, wann ich Kompromisse machen muss, aber auch, wo es um der Aufrichtigkeit Willen notwendig ist, hart zu bleiben

Welche Chancen sehen Sie für Ihre Partei, erneut mit der SPD die Regierung bilden zu können?

Karen Haltaufderheide: Ich hoffe sehr für unser Land, dass wir eine rot-grüne Koalition mit starken Grünen hinbekommen. Eine Gefahr sehe ich darin, dass durch den Aufstieg der Piraten eine große Koalition in den Bereich der Möglichkeiten rückt. Deshalb: Wer rot-grün will, muss grün wählen!

Was würden Sie in Düsseldorf für Ihren Wahlkreis erreichen wollen?

Karen Haltaufderheide: Ich würde mich stark machen für gute Projekte zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in unserer Region. An erster Stelle steht da das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung. Ich würde versuchen, Wohnungsbaugesellschaften für den verstärkten Ausbau barrierefreien Wohnraums zu gewinnen, der bezahlbar bleibt. Außerdem wären die Wohnungsbaugesellschaften ideale Partner für Quartierskonzepte, wie es sie zum Beispiel in Bielefeld bereits gibt. Und natürlich würde ich Initiativen gegen Leiharbeit und Niedriglohn unterstützen. Integrationsbetriebe, in denen Menschen Arbeit finden, die am ersten Arbeitsmarkt keine Chance finden, können zur Nischenabdeckung angesiedelt werden, zum Beispiel als Cap-Märkte Läden betreiben, die von den großen Handelsketten aufgegeben werden. Damit werden soziale Arbeitsplätze geschaffen, und die Nahversorgung im Wohnviertel bleibt gesichert. Mir fallen noch sehr viele Dinge ein…

Was sollte sich in NRW Ihrer Ansicht nach politisch ändern?

Karen Haltaufderheide: Das Auseinanderdriften der Gesellschaft muss gestoppt werden. Wir erleben 20 Prozent Armut gegenüber wachsendem Reichtum, systematische Demütigung von Bezieherinnen und Beziehern von Sozialleistungen, Unglaubwürdigkeit und Ausgeliefertsein gegenüber der Politik, bestenfalls Rückzug ins Private, schlimmer Resignation, Frust und Hass. Vor allem junge Menschen brauchen positive Lebensperspektiven: Chancen auf Bildung, gute Arbeit, Gemeinschaft, Anerkennung und Beteiligung. Für möglichst viele Menschen muss fühlbar sein, dass es möglich ist und sich lohnt, sich für unsere Gesellschaft einzusetzen.

Halten Sie den Zeitpunkt für die Neuwahlen für Ihre Partei günstig?

Karen Haltaufderheide: Das ist keine relevante Frage, weil wir uns den Zeitpunkt nicht aussuchen konnten. Gut ist, wie viel die rot-grüne Koalition in den letzten 20 Monaten geschafft hat, vor allem anderen sei der Schulkonsens erwähnt. Schlecht ist, dass fertige Gesetzesvorhaben auf Eis liegen und vor allem, dass Gelder für wichtige Projekte bis zu einer neuen Koalitionsbildung blockiert sind.

Hätte es aus Ihrer Sicht Möglichkeiten für die Regierung gegeben, konstruktiver mit der Opposition zusammen zu arbeiten, um Neuwahlen zu vermeiden?

Karen Haltaufderheide: Ich habe noch keine Regierung erlebt, die so sehr einen konstruktiven Dialog gepflegt hat wie die rot-grüne Minderheitsregierung. Allein wenn ich an die ein Jahr lang tagende Bildungskonferenz denke… Der FDP waren offenbar Neuwahlen wichtiger als konstruktive, sachorientierte Arbeit für unser Land. Wenn die Opposition nicht mehr konstruktiv sein will, nützt auch die beste Einladung nichts.